21 Katzen

  1. Ursprung und Domestikation der Hauskatze
    • Falbkatze = afrikanische Wildkatze (Felis silvestris lybica)
    • Noradafrika, Israel, Arabische Emirate, Saudi Arabien
    • Domestikation vor ~ 10000 Jahren im Mittleren Osten
    • Beginn der Agrikultur, Nutzen wegen Jagdverhalten
    • Weniger ausgeprägte Verhaltensanpassungen an Menschen
    • Rassen seit 150 Jahren
  2. Soziale Organisation
    • Variable soziale Organisation abhängig von Kontext
    • Einzelgänger
    • Gruppen (komplexe soziale Beziehungen) – Familienstrukturen,v.a. Weibchen
    • Gruppen – nicht verwandt “fakultativ sozial
  3. Revieraufbau
    • Kernzone /Territorium -> Ressourcen
    • Home range (Streifgebiet): Grösse ->
    • Abhängig Land/ Stadt
    • Saisonale Unterschiede Herbst > Frühling
    • Kater: bis zu 10x grössere Streifgebiete als weibliche Katzen
    • Deutlich kleinere Streifgebiete bei kastrierten Tieren, ähnlich M+W
  4. Wann ist es geeignet, eine Katze einzeln zu halten?
    • Abhängig vom Individuum & Sozialisation
    • Neuanschaffung Jungkatze -> empfehlenswert 2 (idealerweise Geschwister) aufzunehmen
    • Ältere Einzelkatzen oft weniger glücklich über “Zwangsbeglückung”
    • Manche Katzen sind Individualisten
    • Wichtig:
    • Raum, um sich aus dem Weg gehen zu können
    • Ressourcenverteilung – Zugang Futter, Wasser, Toiletten für alle Individuen
  5. Beschreibe die Ontogenese der Hauskatze (Individualentwicklung)
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    • Sozialisierungsphase:
    • Sanftes “Handling” der Welpen
    • Sozialisierung (2-7 Wochen), z.B. Kitten Kindergarten
  6. Was ist zu beachten, wenn eine neue Katze eingeführt wird?
    • Passende Umgebung (Ressourcenverteilung, Rückzugsmöglichkeiten)
    • Kompatible Individuen (Persönlichkeit, Herkunft, Sozialisation, Erfahrungen) -> persönliche Freundschaften
    • Tendenziell eher gleichgeschlechtliche Katzen, eher gleichaltrige Tiere, ähnlicher Aktivitätsgrad
    • Langsames Zusammenführen
    • Katzen mit Freilauf: Nachbarschaft, Kommunikation zwischen Menschen, Kastration
  7. Problemen in der Katzenhaltung?
    • Überpopulation -> Territoriale Aggressionen
    • Umgebung (zu klein, zu wenig Stimulation, zu wenig Rückzugsmöglichkeiten, zu hektisch, …) -> Stress, Unsauberkeit, umgerichtete Aggression, Depression, Angst …
    • Individuelle Antipathie -> Aggression, Angst, Depression, Unsauberkeit, …
    • Probleme bei neuer Katze / Katze nach TA-Besuch / Umzug ->Aggressionen, Unsauberkeit, Angstzustände, …
    • Deprivation/ Mangelnde Sozialisierung -> Angst vor Menschen und anderen Tieren, Aggression
    • Handaufzucht / Einzelwelpen -> Defizite in emotionaler Selbstkontrolle, Sozialverhalten
  8. Welche Funktion hat die Kommunikation bei Katzen?
    • Identifikation des Individuums und seiner Rolle in der Gruppe
    • Gruppenkoordination
    • Mitteilung von Bedürfnissen
    • Mitteilung von Verhaltensintentionen
    • Verminderung aggressiver Interaktionen
    • Stressverminderung / Verminderung von Unangenehmem
    • Mitteilung von Zufriedenheit, positiven Emotionen
  9. Welche Kommunikationskanäle existieren bei Katzen?
    • visuell
    • akustisch
    • chemisch
    • taktil
  10. Visuelle Kommunikation bei Katzen: Körper und Kopfhaltung für entspannt, wachsam, gespannt, besorgt, ängstlich, erschrocken?
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  11. Chemische Kommunikation
    • Durch Geruch und Pheromone
    • Chemische Signalstoffe, bestehend aus Fettsäuren
    • (hormonelle) und Verhaltens-Veränderungen beim Empfänger
    • Von Drüsen produziert
    • Vgl.: Hormone – innerhalb des Körpers produziert
    • Wahrnehmung:
    • Vomeronasales Organ (Jakobson’sches Organ)
    • Pheromone:
    • - Reviermarkierung
    • - Sex
    • - Alarm
    • - Beruhigung
  12. Akustische Kommunikation
    Miauen, Schnurren, Murmeln, Knurren
    • Viele akustische Signale: Ursprung vor allem in der frühen Phase der Abhängigkeit von der Mutter.
    • Schnurren z.B. erstmals während des Säugens.
    • Generell: Lautäußerungen von erwachsenen Katzen primär für Kommunikation mit dem Menschen und in geringerem Maße für Kommunikation mit anderen Katzen.
    • Schnurren
    • Zufrieden, Entspannung, beim Streicheln, bei Interaktionen; nicht fordernd
    • Fordernd: wenn Katze etwas möchte, Futter, Erwartung von Futter -> gleiche Frequenz wie Baby-Weinen
    • auch Ausdruck von Schmerzen
    • Murmeln: Freundlich; Begrüssung, Aufmerksamkeit
    • Knurren, Fauchen: agonistisch
    • Schnattern: Jagdverhalten, Frustration
    • Quietschen: Spiel, Antizipation von Futter, Weibchen während Kopulation
    • Fauchen: defensive Aggression
    • Spucken: vor oder nach agonistischer Begegnung
    • Schreien: Aggression
  13. Taktile Kommunikation
    • Affiliativ
    • • Intraspezifisch 
    • -gegenseitiges Putzen, v.a. bei Mutter und Welpen
    • − Aneinander reiben (=Allomarkieren) -> wichtig für sozialen Zusammenhalt
    • • Interspezifisch
    • − Kontaktliegen (Schoss)
    • − Reiben = Allomarkieren
    • − Streicheln
    • − Nähe / Sicherheit
    • – manche wollen nur Nähe, nicht unbedingt Streicheln

    • Agonistisch
    • • Kratzen, beissen
  14. Problemen in der Kommunikation
    • Kommunikationsmissverständnisse
    • • Kratzmarkierungen
    • • Unsauberkeit
    • • Aggressionen
    • - Angst
    • - mangelnde Hemmung beim Spielen
    • - Jagdverhalten
    • - beim Streicheln
    • • Kommunikation in beide Richtungen
    • • Vermeidung aversiver Methoden
    • • Vorhersehbarkeit, Sicherheit
    • • Rückzugsmöglichkeiten bieten, 3D Raum anbieten
    • • Persönlichkeiten berücksichtigen (Kompatibilität)
    • • Gute, kontrollierte Sozialisierung
  15. TSchV Art 80 Haltung
    • Einzelhaltung: täglich Umgang mit Menschen oder Sichtkontakt mit anderen Katzen
    • Gehegehaltung nur vorübergehend
  16. Wie sieht das Jagdverhalten der Katze aus? Was sind mögliche Probleme? Welche Haltungsanpassungen können eingenommen werden?
    • Gleiche Jagdtaktik wie Wildkatze, Einzeljäger
    • Grösstenteils angeboren, z.T. erlernt
    • Spielen häufig mit Beute, bevor sie fressen (oder nicht)
    • Motivation zu fangen & zu töten relativ unabhängig von Hunger
    • Potenzielle Beutetiere: alles was sich bewegt und nicht allzu gross ist ->Mäuse, Vögel, Schmetterlinge, Fliegen
    • Hauptbeute: kleine Nagetiere
    • 2 Jagdstrategien
    • Stationär (Sitzen und Warten) zB. vor Mäuselöchern
    • Mobil – ständig in Bewegung, opportunistisch – v.a. Vögel

    • Probleme
    • Nach Hause bringen von Beutetieren
    • Ethische Probleme
    • Naturschutz
    • Unterscheidung: Jagdverhalten Aggression
    • Umgerichtete Aggression (v.a. bei im Haus gehaltenen Katzen)

    • Lösungen für die Haltung:
    • Katzen nach draussen lassen (Vor- und Nachteile)
    • Genügend Aufmerksamkeit und (physischd und mentale) Stimulation bieten
  17. Spielverhalten: Entwicklung und Anpassung in der Haltung -> Problemen mit dem Spielen
    Entwicklung: zuerst soziales Spiel, dann Objektspiel -> Einfluss auf späteres Jagdverhalten

    • Die besten Spielzeuge stimulieren viele Aspekte des Jagdverhaltens
    • – Suchen/ Finden, Belauern, Fangen, evtl. Konsumieren
    • • Spielzeuge, die sich bewegen
    • • Interaktion mit dem Menschen
    • • Vorsicht Frustration (Bsp. kein Laserpointer!!)
    • -> Enrichment
    • Genügend mentale Stimulation und Spielmöglichkeiten tagsüber
    • • Katzen sind fakultativ sozial, individuell unterschiedlich, gewisse spielen mit einander, andere nicht
    • Mangel an Spielverhalten -> Gesundheit, Angst, Alter
    • Übertriebenes Spielverhalten -> “5 Minuten”
    • Nicht kompatibles Spielverhalten (Alter, Persönlichkeit) -> Aggression, Angst
    • Unter- und Überstimulation -> Aggression, Depression, Angstverhalten
    • Veränderung Tag-/Nachtrhythmus -> Spielverhalten während der Nacht
    • Hohe Erregung ->leichtes Kippen in Aggression
    • Besitzer: Mühe zu unterscheiden zwischen Spiel und Aggression
  18. Was muss der Katze angeboten werden gemäss TSchV?
    • TSchV Anhang 1,Tabelle 11
    • Geeignete Kletter- und Kratzgelegenheiten
    • Erhöhte Ruheflächen
    • Rückzugsmöglichkeiten
    • Beschäftigungsmöglichkeiten
    • 1 Kotschale / Katze
  19. Fressverhalten bei Katzen
    • Strikte Karnivoren
    • Natürliches Verhalten: gehen mehrmals täglich auf die Jagd & fressen
    • kleine Mahlzeiten
    • Fressen während Tag und Nacht
    • Daher Fütterung min. 2x täglich, besser 3-5 Mahlzeiten pro Tag, die
    • letzte spät am Abend
    • Können süss nicht wahrnehmen, speziell empfindlich auf bitter
    • Wählerisch
    • Frühe Prägung
    • • Unterschiede in Futterpräferenzen zwischen Populationen mehr durch Erfahrung als durch Genetik bedingt
    • • “Novelty effect” =“Monotony effect:
    • - Bei immer gleicher Fütterung entwickeln viele Katzen Aversion
    • gegen das bekannte Futter
    • - Strategie um balancierte Nährstoffe aufzunehmen
    • Aktives Füttern -> mentale Stimulation
    • • Getrennt von Eliminationsbereich
    • • Mehrkatzenhaushalt -> mehrere Futterplätze (Kernzonen)
  20. Trinkverhalten bei Katzen
    • Wasser
    • Frisches Wasser immer zur Verfügung, bevorzugt “lebendes” Wasser
    • Nicht direkt neben Futter, an mehreren Stellen
    • • Nassfutter kann grossen Teil des Wasserbedarfs abdecken
    • • Reine Trockenfutter-Ernährung führt meist zu Flüssigkeitsmangel
  21. Problemen bei Fress-/trinkverhalten
    • • Hypophagie, Anorexie
    • • Hyperphagie
    • • Nächtliches Fressen
    • • Selektives Fressen
    • • Fressen nur in Anwesenheit der Person
    • • Pica
    • • Persistierendes Saugverhalten
  22. Eliminiationsverhalten
    • • Urin
    • • Kot
    • Funktion
    • • Ausscheidung
    • • Kommunikation (Markierverhalten):
    • - sexueller Status
    • - individuelle Identität
    • - Territorium
    • (- Angst, Stress)

    • Entwicklung:
    • • Welpe: Stimulation durch Mutter
    • • Ab 3. Wochen selbständiges Eliminieren
    • • Substratpräferenz entwickelt sich früh

    • Katzenkistchen
    • •Grösse des Kistchens der Katze angepasst – ca. 1,5 Körperlängen
    • •Kistchen eher offen als geschlossen (Geruch)
    • •Streu: sauber, feinkörnig, weich, klumpend eher bevorzugt, keine
    • Zusatzstoffe (Geruch); genügend tief (min 5cm)
    • Getrennt von Schlaf-/Ruhe-/Futter-/Spielraum
    • •Teilweise getrennter Kot- und Urinabsatzort
    • •Anzahl Katzenklos = Anzahl Katzen im Haushalt + 1

    • Probleme:
    • Urin- / Kotabsatz an unerwünschten Orten: Unsauberkeit oder Markierverhalten
    • • Körperliches Problem (Schmerzen, Zystitis, Blasensteine, etc.)
    • • Stress, Angst, …
    • • Aversion / Präferenz
    • • Cognitive Dysfunktion
    • • ...
  23. Reproduktionsverhalten bei der Kätzin
    • • Geschlechtsreif mit 5-8 Monaten (Extremwerte: 3,5-18 Monate)
    • Saisonal polyöstrisch
    • • Induzierte Ovulation
    • • Schreit, schnurrt, erhöhte motorische Aktivität, erhöhte Freundlichkeit gegenüber Besitzer, häufiger Urinabsatz, ev. Markierverhalten (Urin, Wangen, …), rollt, streckt sich
    • • Fressunlust
    • • Pro-Östrus: 1-2 Tage ->wehrt Kater ab
    • • Östrus: 3-16 Tage -> akzeptiert Kater
    • • Interöstrus: 3-21 Tage, wenn keine Kopulation stattgefunden hat, dann
    • wieder Proöstrus
    • • Diöstrus: ~35 Tage; wenn Ovulation stattgefunden hat; Scheinträchtigkeit
    • • Anöstrus: Herbst und Winter

    • Problemen:
    • • Stress während Rolligkeit
    • • Dauerrolligkeit
    • • Unerwünschte Trächtigkeit
  24. Reproduktionsverhalten der Kater
    • • geschlechtsreif ab 9 Monaten
    • • Markierverhalten
    • • Vermehrte Aggression gegenüber anderen Katern
    • • Streunen
    • • Olfaktorische Informationen / Pheromone
    • • Flehmen

    • Problemen:
    • • v.a. Streunen, Kämpfe, Verletzungen
    • • Vokalisationen
    • • Markierverhalten

    • • Kastration vermindert sexuelles Verhalten bei Katern weniger als bei
    • Rüden (Streunen, Kämpfen, Urinmarkieren)
    • • ! Erlernte Komponente -> späte Kastration weniger effektiv

    • TSchV Art. 80
    • Zuchtkater dürfen zwischen Deckeinsätzen nicht in Gehegen
    • gehalten werden.
  25. Komfortverhalten: Funktion, Probleme von Putzen, Kratzen
    Bei Welpen und Erwachsene
    • Lecken / Putzen (bis zu 50% der Wachzeit)
    • Funktion
    • • Sauberkeit, Haut- und Fellpflege
    • • Entfernung von Gerüchen
    • • Parasitenkontrolle
    • • Thermoregulation
    • • Stressabbau

    • Katzen brauchen Gelegenheit zum Kratzen
    • Funktion:
    • − Krallen kürzen/ schärfen
    • − Markierverhalten (visuell/ Pheromone)
    • − Dehnung der Muskulatur
    • − Übersprungshandlung/ Stressabbau
    • Tipps:
    • − Strategisches Platzieren des
    • Kratzbaums
    • − Belohnen fürs Kratzen am richtigen Ort
    • − Management – Kratzen an unterwünschten Orten verhindern
    • − Verschiedene Materialien anbieten
    • − Vertikal/ horizontal, hoch genug, stabil, mit Rundung etc.
    • − Mehrere Kratzbäume wenn > 1 Katze

    • Probleme
    • • Übermässiges Lecken
    • • Übermässiges Kratzen
    • • Mangel an Putzverhalten
    • • Übersprungshandlungen
    • • Kratzen an unerwünschten Orten
    • -> Medizinische Probleme, Schmerzen, Allergien
    • -> Angst, Stress, OCD (Obsessive-Compulsive Disorder)

    • Welpen
    • • An Pflege gewöhnen – positive Assoziationen
    • Erwachsene:
    • • Gemäss Rasse / Fell pflegen – mit Belohnung
    • • Parasitenabwehr
    • • Beobachten – die eigene Katze kennen
    • • Gesundheit, Stress
    • • Kratzmöglichkeiten
    • • Krallenschneiden (z.B. ältere, kranke Katzen)
  26. Schlaf und Ruheverhalten
    • • Bis zu 15 Stunden am Tag
    • 60% des aktiven Verhaltens zwischen Morgen- und Abenddämmerung
    • • Je häufiger gefüttert, desto mehr Ruhephasen Schlafzyklus
    • • Ca. 30 Min, davon 25 Min Leicht- und Tiefschlaf, 5 Min REM
    • Schlafplatz: trocken, warm, weich, höhlenartig

    • • Rückzugsmöglichkeiten
    • • Genügend, angemessene Ruhe-/Schlafplätze
    • • Genügend Ruhephasen
    • • Genügend Aktivität

    • Probleme
    • • Aktivität in der Nacht
    • • Umkehrung des Tag-Nacht-Zyklus, zB cognitive dysfunction
    • • Zu viel Schlaf
    • • Zu wenig Schlaf
  27. Gewöhnung an die Transportboxe und Vorteile an normale Kartonboxe
    • • Tipp: Schlafdecke hineinlegen
    • • An geschützter Stelle hinstellen
    • • Box als Quelle von Futter, Katzenminze, Spielsachen
    • • Gewöhnung an das Öffnen/ Schliessen der Tür (Geräusche)!
    • • Langsame Gewöhnung an das Tragen, ins Auto stellen usw.

    • Boxe
    • • Tierheimkatzen:
    • • Wenn Box im Käfig - signifikant geringere Stress-Scores
    • • Schnellere Gewöhnung an die neue Umgebung
    • • Mehr entspanntes Verhalten
    • • Häufigere Annäherung an Menschen -> Stressreduktion durch Boxen
Author
LiaS
ID
358725
Card Set
21 Katzen
Description
Updated