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Tier <-> Umwelt Wechselwirkungen in der Natur
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Tier <-> Umweltwechselwirkungen unter der menschlichen Obhut
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Sensorische und motorische Deprivation
- Mangel an artgemässer sensorischer und motorischer Stimulation
- ->Langfristige Auswirkungen auf Gehirn und Verhaltensentwicklung
- Unstrukturierte, reizarme Haltungsbedingungen führen zu sensorischer und motorischer Deprivation
- Sensorische und motorische Deprivation beeinträchtigen die normale Gehirnentwicklung (Neurogenese, Synaptogenese, Gliogenese, etc.)
- Dies äußert sich in Beeinträchtigungen der Informationsaufnahme und Informationsverarbeitung (Lernen, Gedächtnis, Anpassung, etc.)
- Indirekte Auswirkungen auf das Wohlergehen
- ->Akute Auswirkungen auf das Wohlergehen
- Exploration ist nicht nur passive Informationsbeschaffung, sondern auch aktiver Erwerb von Verhaltenskompetenz
- Unstrukturierte, reizarme Haltungsbedingungen führen zu einem chronischen Mangel an Gelegenheiten zu Exploration
- Dies äußert sich je nach Tierart in Hyperaktivität (evtl. Stereotypien)
- oder Apathie (Indikatoren für „Frustration“, „Langeweile“, „Depression“), Appetenzverhalten wird auch beeinflusst.
- Direkte Auswirkungen auf das Wohlergehen
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Verhaltensrestriktion
- Physische Einschränkung des Verhaltens
- Erfolgreiche Anpassung: adaptive Modifikation Bsp. Schweine verbrauchen viel Zeit für die Nahrungssuche-> Futterautomat erlaubt es ihnen über eine längere Zeit Nahrung aufzunehmen.
- Muttersauen müssen die Möglichkeit haben ein Nest vor dem Abferkeln zu bauen, Nachkommen braucht einen erwärmten und geschützter Ort zum schlafen -> verhaltensgerechte Abferkelbucht
- => in beiden Fällen können die Tiere ihr Verhalten etwas geändert ausführen
- Schadensträchtige Anpassungsversuche:
- Bsp. Pferdeartiges Aufstehen beim Rind -> Verhalten kann nicht artgemäss geführt werden. In diesem Fall führt es zur Belastung der Gelenke, die über die Zeit zu Verletzungen führen
- Verhaltensstörungen: Umorientiertes Verhalten, LeerlaufverhaltenEs gibt Reize , die einen Tier zu einem Verhalten drängt. Jedoch das Tier kann dieses nicht ausführen und das Ziel nicht erreichen was zur Umorientierung oder Leerlauf führt.
- Bsp. Umorientiertes Verhalten
- Gegenseitiges Besaugen der Kälber -> kommt vor, wenn die Milch zu schnell gesaugt wird. Das Kalb ist nämlich satt aber sein Saugbedürfnis nicht erfüllt.
- Belly nosing Ferkel -> kommt vor, wenn die Ferkeln zu früh Entwöhnt werden und sich gegenseitig dem Bauch mit der Rüssel "massagieren"
- Federpicken Legehennen -> kommt vor allem vor, wenn die Tiere nichts am Boden zum picken haben. Daher picken sie sich gegenseitig die Federn und die Kloake
- Bsp. Leerlaufverhalten
- Zungenrollen Rinder-> kommt meistens vor, bei unzureichende Raufutterversorgung und verminderte Wiederkauaktivität, sowie als Ablenkung wegen einer reizarmen Umgebung
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Entwicklung von Haltungssysteme -> Wie wird ein Tiergerechtes Haltungssystem entwickelt? 3 Ansätze
Umweltanreicherung (environmental enrichment)
Reduktion und Substitution des natürlichen Habitats
Wahlversuche
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Entwicklung von Haltungssysteme -> Wie wird ein Tiergerechtes Haltungssystem entwickelt? Erster Ansatz: Umweltanreicherung
- Umweltanreicherung (environmental enrichment)
- Environmental enrichment bezeichnet die Anreicherung der Haltung mit Objekten, deren Reize und Eigenschaften Verhalten stimulieren.
- Bsp. Beschäftigung der Ferkeln durch Spiele
- Fütterung von Raubtieren im Zoo durch Schalten, um den Zugang zur Nahrung zu erschweren
- Enrichment der Labormäusekäfige durch Raumtrennung, Tunnels, Räder...
- Refinement
- Refinement bezeichnet die Modifikation der Tierhaltung zur Verbesserung des Wohlergehens der Tiere.
- Durch Umweltanreicherung: Verbesserung bestehender Haltungssysteme durch Modifikation der Ausstattung
- Voraussetzungen für einen erfolgreicher Refinement:
- Kenntnisse über die artspezifischen Ansprüche an die Tierhaltung
- Erfahrung mit bestehenden Haltungssystemen
- Kenntnisse über die Ursachen von bestehenden Haltungsproblemen
- Experimentelle Überprüfung der Verbesserungen
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Entwicklung von Haltungssysteme -> Wie wird ein Tiergerechtes Haltungssystem entwickelt? Zweiter Ansatz: Reduktion und Substitution des natürlichen Habitats
- Entwicklung neuer Haltungssysteme auf der Basis des arttypischen Verhaltens im natürlichen Habitat der Tiere
- Voraussetzungen:
- Erfassen
des arttypischen Verhaltens im natürlichen Habitat - (Referenzsystem)
- Identifizieren essentieller Reize und Ressourcen im natürlichen Habitat
- Reduktion und Substitution essentieller Reize und Ressourcen auf die wesentlichen Merk- und Wirkmale
- Experimentelle Validierung der Substitute und des Haltungssystems
- Substitute
sind technologische Erzeugnisse (Attrappen), die auf die für normales Verhalten wichtigen Merk- und Wirkmale reduziert sind.
Merkmal, Wirkmal: Objekte haben bestimmte Merkmale (Reize), auf die Tiere mit einer bestimmten M otivation ansprechen, sowie Wirkmale (Eigenschaften, Qualitäten), die das angestrebte Verhalten ermöglichen.
- Bsp. Ruheorte für Kaninchen
- ->unter Strauch oder Geländevorsprung, an erhöhter Stelle im Gelände, in der Nähe eines Baueingangs ->
- Ruheorte Kaninchen: Wirkmale
- Erhöhter Standort: Übersicht (soziale Kontrolle), Trockenheit
- Strauch, Geländevorsprung: Deckung (Schutz, Feindvermeidung), Lichtgradient (Schatten)
- Nähe Baueingang: Fluchtweg (Sicherheit, Feindvermeidung)
- => Lösung Unterschlupf im Laborkäfig
- Steuerung des Verhaltens durch räumliche Strukturierung
- Bsp. Haussschwein
- Soziale Organisation:
- Geschlossener Verband mit engen Beziehungen und Rangordnung
- Erwachsene Eber untereinander unverträglich
- Lösung:
- Gruppenhaltung (evtl. mit einem Eber), Stabile Gruppe
- Fütterung
- Allesfresser, Futtersuche während 70% der Tagesaktivität, Wühlen
- Lösung:
- Auslauf (od. Wühlareal), Rauhfutter
- Raumnutzung
- Schlafnester (bei Kälte Liegen mit Körperkontakt), Verlassen der Schlafnester zum Koten und Harnen, Abkühlung durch Suhlen im Sumpf an warmen Tagen
- Lösung
- eingestreuter Liegebereich, Kotbereich, Suhle (wenn Stall nicht klimatisiert)
- Jungenaufzucht
- Sauen entfernen sich zum Abferkeln von der Gruppe, Bildung eines Abferkelnests
- Lösung:
- Abgetrennte Abferkelbucht, Nestbaumaterial (Stroh), Liege- und Kotbereich
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Entwicklung von Haltungssysteme: Probleme in naturnahen Systemen am Bsp. der Legehennen
Volièrenhaltung für Legehennen ->
- Früher Zugang zu Sitzstangen fördert das räumliche Orientierungsvermögen von Legehennen
- Gute räumliche Orientierung ist Voraussetzung für die Anpassung an dreidimensionale Haltungssysteme (z.B. erhöhte Legenester)
- Legehennen bevorzugen die Eiablage im geschützten Legenest
- Beeinträchtigte Eiablage führt zu Unruhe, Aggression und im
- Zusammenhang mit Eierverlegen zu Kannibalismus
- Durch frühen Zugang zu Sitzstangen werden ökonomische(Eierverlegen) und Tierschutzprobleme (Kannibalismus) vermindert
- Epidemiologische Untersuchung von Verhaltensproblemen
- 8 Hybridlinien
- 21 Betriebe
- 59 Herden
- 120‘400 Hennen
- Inzidenz von Verhaltensproblemen
- Eierverlegen 4.7%
- Kannibalismus 2.7%
- Gefiederschäden 58.0%
Ergebnisse->
- Früher Zugang zu Sitzstangen:
- Eierverlegen um > 35% vermindert
- Kannibalismus um > 50% vermindert
- Mögliche Erklärungen:
- Bessere motorische Fähigkeiten: Nest aufsuchen Attacken ausweichen
- Bessere räumliche Orientierung: Nest finden
- Test auf motorische Fähigkeiten und räumliche Orientierung:
- Aufzucht mit und ohne erhöhte Sitzstangen -> Verhaltenstest -> Tiere mit Sitzstangen konnten sich besser bewegen
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Entwicklung von Haltungssysteme -> Wie wird ein Tiergerechtes Haltungssystem entwickelt? Dritter Ansatz: Wahlversuche
Verbesserung bestehender oder Entwicklung neuer Haltungssysteme auf der Basis von Wahlverhalten
- Voraussetzungen
- Kenntnisse über das arttypische Verhalten im natürlichen Habitat
- Experimentelle Validierung der einzelnen Komponenten und des Haltungssystems
Bsp.Wahlversuche zur Einstreu bei Labormäusen
Integraler Ansatz - Entwicklung und Optimierung neuer Haltungssysteme durch Reduktion und Substitution des natürlichen Habitats und mittels Wahlversuchen
- Vorgehen
- Erfassen des arttypischen Verhaltens im natürlichen Habitat
- (Normalverhalten)
- Identifizieren der kritischen Reize und Ressourcen
- Erarbeiten eines Haltungskonzepts
- Optimieren der einzelnen Komponenten mittels Wahlversuchen
- Prüfen des Haltungssystems anhand von Indikatoren
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