9a Kommunikation

  1. Kommunikation
    • In der Verhaltensbiologie versteht man unter Kommunikation einen Prozess, bei dem es zu einer Übertragung eines Signals von einem Tier zu einem oder mehreren anderen Tieren kommt, sodass der Sender im Durchschnitt von der Reaktion des Empfängers profitiert.
    • Akkustisch, visuell, eins-zu-eins, eins-zu-vielen, zwischen Individuen einer oder verschiedener Arten…
    • Erkennungsmechanismus
    • ➢ Zustandsänderung
    • ➢ Verhaltensantwort
  2. Hinweis (cue)
    • Nicht beabsichtig -> nicht Kommunikation!
    • Das Verhalten eines Tieres führt zur Übertragung von Information von einem Tier zu einem anderen Tier, wobei der Empfänger im Durchschnitt von der Interpretation profitiert. -> der Sender aber nicht
  3. Signal
    • Physikalische Form, in der eine Nachricht für die Übertragung durch die Umwelt kodiert wird.
    • - Signalmodalität: optisch, akustisch, chemisch, taktil, elektrisch
    • - Signalmodulation: Signalstärke, Signaldauer, Signalhäufigkeit
  4. Ursprung von Signalen
    • Informative Merkmale (z.B. Körpergrösse)Erkennungsmechanismus (Tier erkennt, dass anderes Tier stärker ist (Aufrichten)) → Signal (z.B. Fell sträuben → Verhaltensänderung; dichteres Fell → morphologische Änderung)
    • - Morphologie: Kampfstärke, Paarungsbereitschaft
    • - Verhalten: Intentionsbewegungen (Angriff, Flucht), Übersprunghandlungen (Motivationskonflikte)
    • - Co-Evolution von Signalproduktion und Erkennungsmechanismus: Evolution muss auf beiden Seiten passieren, Sender und Empfänger brauchen Anpassungen
  5. Ritualisierung
    • Ritualisierung ist ein (co-evolutiver) Prozess der Signale auffällig und ihren Informationsgehalt eindeutig macht.
    • - Überhöhung
    • - Dauer, Intensität
    • - Formalisierung
    • - Formkonstanz, Vereinfachung (aufs wesentliche reduziert aber für stärker)
    • - Wiederholung
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  6. Funktion von Signalen
    • - Gruppenzusammenhalt («hier bin ich, wo bist du?»)
    • - Arterkennung (z.B. Winkerkrabbe)
    • - Klassenerkennung (Kasten, unterscheiden sich z.B. durch Geruch)
    • - Verwandtenerkennung (z.B. durch Geruch) (olfaktorisches Lernen)
    • o Inzestvermeidung
    • o Gruppenbildung
    • o Kooperation (nah verwandte haben oft ähnliche Gene)
    • o Erlernen von Prototypen (Weibchen, die den Eingang bewachen riechen den «Richtigen» -> welcher der Richtige ist wird erlernt) (phenotype-matching)
    • o Genetisches Erkennungssystem, MHC: Major Histocompatibility Complex
    • - Individualerkennung (z.B. verschiedene Teile des Gesangs) (1. Teil Arterkennung, 2. Teil Induvidualerkennung)
    • - Reproduktion:
    • o Fortpflanzungsstatus (Schwellungen usw, …)
    • o Partnerqualität (proximat: Grösse, Stärke, Agilität … ultimat: Fitness)
    • Interessenskonflikt zwischen Sender und Empfänger kann zu Manipulation und Fälschung von Signalen führen. (M möglichst stark darstellen, W an eigentlicher Qualität interessiert)(Pandabär Signal höher an Baum durch schummeln)
    • Ehrliche Signale (honest signals) sind Signale, die den tatsächlichen Zustand des Senders widerspiegeln und nicht gefälscht werden können. (Röhren des Hirsches ehrlich, da unterschiedlich je nach Grösse)
    • Handicap Prinzip: Teure oder den Träger beeinträchtigende Merkmale zeigen an, dass der Träger ‘gute Gene’ besitzt, da er trotz dieser Nachteile gut überleben konnte (→ auch ein ehrliches Signal)
    • o Paarungsbereitschaft
    • - Agonismus: hohes Verletzungsrisiko bei Kämpfen (auch hier Täuschung aber nicht so stark wie Paarung, da es viel grösseres Verletzungsrisiko gibt, Kämpfen wird so weit wie möglich vermieden)
    • o Aggressionsbereitschaft (oder Submission-> Kampf vermeiden)
    • o Kampfstärke
    • - Zusammengesetzte Signale: Überlappung von Motivationen (zB. Gesichtsmimik Aggression und Angst)
    • - Warnung: (im zwischenartlichen Kontext):  Wehrhaftigkeit (Bsp Elefantenmuttertier vs. Löwe)Giftigkeit (Warnfarbe der Wespe)
    • - Alarm: Signale so, dass sie für Räuber schlecht lokalisiert sind-> je höher die Frequenz
    • o Feindvergrämung (Feindlokalisierung, kein Überraschungsvorteil)
    • o Feindverwirrung
    • o Warnung von Verwandten (indirekte Fitness erhöht)
    • o Warnung von Reproduktions-/Kooperationspartner -> Referenzielle Alarmrufe der Meerkatzen (unterschiedlich je nach Angreifer)
    • o Akustische Alarmsignale (Stampfen der Gazelle)
    • o Optische Alarmsignale (Warnfarbe der Biene)
    • o Olfaktorische Alarmsignale (Duftstoffausscheidung von verletzten Tiere)
    • - Brutpflege:
    • o Futterverfügbarkeit (Eltern)
    • o Futterbedarf (‘Betteln’) (Junge)
    • o Körperpflege (Signale dass sie gepflegt werden wollen)
    • o Kotabsonderung, … (unruhiges Verhalten)
    • - Sozialverhalten:
    • o Spielaufforderung
    • o Körperpflege
    • o Koordination -> Vögel sehr laut wenn Zwischenstopp für Zusammenhalt
    • - Signalmodalitäten:
    • o Optisch
    • o Akustisch
    • o chemisch
    • o taktil
    • o elektrisch
  7. Arten von Signalen und Eigenschaften der Signalmodalitäten
    • - Chemische Kommunikation:
    • o Abgabe von Duftstoffen (Pheromonen)
    • ▪ Am eigenen Körper
    • ▪ Auf ein Substrat
    • ▪ In die Atmosphäre
    • ▪ Ins Wasser

    • - Visuelle Kommunikation:
    • o Körpermerkmale (Ornamente)
    • o Verhalten

    • - Akustische Kommunikation:
    • o Organe zur Lautproduktion
    • o Organe zur Lautwahrnehmung
    • o Frequenz, Lautstärke, Struktur (sind habitatabhängig)
    • o Kommunikation im Ultraschallbereich

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  8. Weitere Kommunikationskanäle
    • - Taktile Kommunikation  Z.B. Kopulation (Fische, Säugetiere, …)
    • - Elektrische Felder Haie, elektrische Fische
    • - Oberflächenwellen Wasserläufer, erzeugen Vibrationen um Partner zu finden
    • - Infraschall und seismische Wellen Weisslippenfrösche, Kängururatten, Elefanten, …
  9. Koplexe Kommunikation, können Tiere sprechen?
    • - Tanzsprache der Bienen
    • - Antrainierte Sprachfähigkeit von Menschenaffen und Papageien
    • - Referenzielle Warnrufe von Meerkatzen > je nach Räuberart anderer Warnruf -> zum Teil auch zur Täuschung anderer eingesetzt
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    • - Referenzielle Pfiffe bei Delfinen
  10. Manipulation und Täuschung
    Hervorhebung oder Vortäuschung körperlicher Merkmale

    - Mimikry: Ähnlichkeit der gestaltlichen oder farblichen Muster einer Tierart mit den Mustern einer anderen Art, wobei die Ähnlichkeit mit Überlebensvorteilen verbunden ist. Häufig ähneln harmlosen Arten anderen wehrhaften, giftigen oder ungeniessbaren Arten mit Warnfärbung.

    - Verleiten: verbreitetes Verhalten v.a. bei bodenbrütenden Vögeln um Raubfeinde vom Nest wegzulocken

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    • Raupe           Schmetterling  Fliege
  11. Unterdrückung von Hinweisen
    Raubtiere versuchen ihre Anwesenheit zu verbergen: Im Gegensatz zu einem weitverbreiteten Irrglauben brüllen Tiger nicht, bevor sie ein Beutetier angreifen!

    - Beutetiere versuchen Anzeichen von Schwäche, Verletzungen oder Krankheit (vor Raubfeinden (inkl. Tierärzten)) zu verbergen
Author
LiaS
ID
358459
Card Set
9a Kommunikation
Description
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