3 Ethik: Einführung Verhaltensbiologie

  1. Wozu Ethologie?
    • - Diagnose, Prävention und Therapie von Verhaltensstörungen
    • - Gezielte Steuerung des Verhaltens: Heim- und Schutztiere (z.B. Lernmechanismen)
    • - Beurteilung Tiergesundheit und Wohlergehen
    • - Gezielte Steuerung des Verhaltens: Nutztiere (z.B. möglichst kleine Belastung bei Schlachtung, Fütterungs-/ Melkanlagen)
    • - Beurteilung Tiergerechtheit
    • - Entwicklung tiergerechter Haltungssysteme
    • - Optimierung der Produktion

    • Grundlagen zum Verständnis des Verhaltens von Tieren:
    • • Ethologische Grundlagen
    • • Genotyp x Umwelt Wechselwirkungen
    • • Mechanismen der Verhaltenssteuerung
    • • Mechanismen des Sozialverhaltens
    • • Anpassungsprozesse und Anpassungsfähigkeit
    • • Lernen, Kognition und Bewusstsein bei Tieren
  2. Was ist Ethologie?: Gründerväter
    • - Konrad Lorenz (1903-1989): Popularisierer, hat Verständnis bei Bevölkerung gefördert, Bücher geschrieben, die nicht nur von Sachverständigen gelesen wurden
    • - Nikolaas Tinbergen (1907-1988): hat experimentellen Zugang zu Ethologie gefördert, Ethologie als Naturwissenschaft etabliert (und Methoden der Ethologie entwickelt)
    • - Karl von Frisch (1886-1982)

    • Ethologie = Verhaltensbiologie, Verhaltensforschung
    • Die Erforschung des Verhaltens von Tieren (inkl. Menschen) aus biologischer Sicht und mit biologischen Methoden.

    Verhalten = Verhalten umfasst alle beobachtbaren/messbaren Prozesse, mit denen ein Tier auf wahrgenommene Veränderungen innerhalb seines Körpers (endogene Reize: Durst, Hunger,...) oder der Aussenwelt (exogene Reize: Erscheinung eines Raubfeindes) reagiert.
  3. Ethologie: Teilgebiete
    • - Klassische Ethologie (Verhalten von Tieren in natürlicher Umgebung) -> am wichtigsten für Tierschutz
    • - Verhaltensökologie (Wechselwirkungen von Verhalten und Umweltfaktoren)
    • - Soziobiologie (evolutionsbiologische Funktionen des Sozialverhaltens)
    • - kognitive Ethologie (mentale Zustände von Tieren)
    • - Verhaltensgenetik (genetische Grundlagen des Verhaltens)
    • - Verhaltensphysiologie (Verhaltenssteuerung, inkl. Neuroethologie)
    • - Verhaltensontogenese (individuelle Verhaltensentwicklung)
    • - Verhaltensphylogenese (Evolution des Verhaltens)
    • - Angewandte Ethologie (Nutz-, Labor-, Heimtierethologie)
    • - Humanethologie (Verhalten von Menschen)
  4. Abgrenzung Behaviorismus und Experimentelle Psychologie
    • Experimentelle Psychologie:
    • Angelsächsische Richtung der Psychologie → biologisch orientierte Humanpsychologie

    • Ziel: Verständnis der Mechanismen menschlichen Verhaltens auf der Basis von Tiermodellen (Ratten, Tauben, Primaten, Hunde)
    • - Umwelteinflüsse auf das Verhalten
    • - Reiz-Reaktions Beziehungen
    • - Lernvorgänge

    • Verhalten:
    • - Stellungen
    • - Bewegungen
    • - Lautäußerungen
    • - Farbänderungen
    • - Duftstoffabgabe

    Verhaltensweisen (Verhaltenselemente): Grasen (Pferd): …‚gehen‘, ‚Ausfallschritt‘‚ ‚Kopf tief‘ [prüfen, wählen], ‚fassen‘, ‚Kopf hoch‘ [abreißen], ‚kauen‘, ‚schlucken‘, ‚gehen‘…

    Verhaltensabläufe: z.B. ‚Fressen‘, ‚Putzen‘, ‚Ruhen‘

    Funktionskreise: z.B. Ruheverhalten, Körperpflege, Feindvermeidung, Fortpflanzung, Sozialverhalten

    Ethogramm (Verhaltensrepertoire): Die Gesamtheit der Verhaltensweisen einer Tierart (Wildschwein, Sus scrofa), Nutzrasse (Edelschwein) oder Alters-, Geschlechts-, oder Nutzgruppe (Ferkel, Galtsauen), mit Zeit- und Ortsbezügen

    Bsp. Ethogramm der Ratte: Sozialverhalten 

    • 1. Sideways approach
    • 2. Fighting
    • 3. Holding down
    • 4. Nosing
    • 5. Boxing
    • 6. Mounting
    • 7. Touching
    • 8. Sitting close
    • 9. Grooming
    • 10. Walking over
    • 11. Huddling
    • 12. Crawling under
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  5. Grundelemente des Verhaltens
    • - Reflexe
    • - Komplexes Verhalten (genetisch vorbestimmt, durch Umwelteinflüsse ausgelöst & gesteuert) Bsp. Migration, kann auch in zwischenartlichen Interaktionen stattfinden.
    • - Erbkoordinationen (fixed action patterns): Arttypische, relativ formkonstante Verhaltensmuster, die weder durch die Reizsituation noch durch Erfahrung modifiziert werden. Wenn sie einmal angefangen haben, werden sie auch fertig gemacht, kein Gedanke daran verschwendet

    • Schlüsselreize und Auslösemechanismen: (Erkennung der Schatten von Raubvogel-> Auslösemechanismus verstecken)
    • Schlüsselreize sind exogene Reize, die zu einer entsprechenden Verhaltensreaktionen passen wie ein Schlüssel zum Schloss. Sind resistent gegenüber Erfahrung. Der Auslösemechanismus ist der darunter liegende neuronale Prozess der Reizfilterung, der abweichende Reize unterdrückt.

    • Handlungsketten und Endhandlung:
    • Mehr oder weniger starr koordinierte Abfolgen von Verhaltensweisen mit Abschluss durch eine funktionale Endhandlung (consummatory action) wenn man Verhaltensweisen von Tieren kennt, kann man weiteres Verhalten voraussagen (Balz der dreistachligen Stichling)
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  6. Grundelemente des Verhaltens: Untersuchungsgegenstand
    • Struktur                                                                      WAS?
    • Ablauf von Verhaltensweisen
    • Ursachen (proximate Faktoren)                                    WIE?
    • Endogene Zustände (Physiologie) und exogene Reize und Merkmale der Umgebung
    • Funktion (ultimate Faktoren)                                       WOZU?
    • Biologische Bedeutung, Überlebenswert (fitness)
    • Ontogenese (Individualentwicklung)                          WARUM?
    • Phylogenese (Stammesgeschichte)                            WOHER?

    • Fragen zum Verhalten
    • Warum spreizt der Falter die Flügel, wenn er berührt wird?
    • ->Weil Druckrezeptoren diese motorische Reaktion auslösen (Ursache)
    • ->Weil er sich damit vor Raubfeinden schützen kann (Funktion)

    • ‚Warum‘ ist unpräzise
    • ->Ursache: wie, weshalb
    • -> Funktion: wozu

  7. Evolution und Verhalten
    Verhaltenssteuerung: kausal und funktionalImage Upload 6
  8. Experimente: Wissenschaftliches Experiment: Nestorientierung beim Bienenwolf
    • 1. Frage nach den Ursachen eines Phänomens → Wie findet das Bienenwolf-Weibchen ihren Nesteingang?
    • 2. Formulierung einer Hypothese → Es sammelt visuelle Informationen im Nestbereich und speichert diese für den Gebrauch bei der Rückkehr ab.
    • 3. Voraussagen über erwartete Resultate → Experimentelle Verschiebung der Nestumgebung führt zu Nestsuche am verschobenen Ort.
    • 4. Durchführung eines Experiments
    • 5. Wissenschaftliche Schlussfolgerung (Sie orientiert sich visuell)
    • ➔ Experiment fragt nach Ursache des Verhaltens

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  9. Experimente: Wissenschaftliches Experiment zur Funktion des Eierschalen Entfernens bei Schwarzkopf
    Möwen (nach Tinbergen)
    • 1. Frage nach der Funktion des Phänomens → Wozu haben Schwarzkopf-Möwen dieses Verhalten evoluiert?
    • D.h. welchen Nutzen (bezogen auf fitness) hat das Verhalten?
    • 2. Formulierung einer Hypothese → Um ihre Jungen vor Raubvögeln zu schützen (und damit ihren Fortpflanzungserfolg zu steigern).
    • 3. Voraussagen über erwartete Resultate → Eierschalen erleichtern Raubvögeln den Beutefang.
    • 4. Durchführung eines Experiments
    • 5. Wissenschaftliche Schlussfolgerung
    • ➔ Experiment fragt nach Funktion des Verhaltens
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  10. Evolutionstheorie
    • Gründer:
    • Charles Darwin (1809-1882): Hat sich durch Popularisieren den Ruf als Gründer der Evolutionstheoriegeschaffen

    • Evolutionstheorie – Voraussetzungen für natürliche Selektion:
    • 1. Variation: Individuen einer Population unterscheiden sich in der Ausprägung ihrer Merkmale (ohne Variation keine Evolution)
    • 2. Vererbung: Eltern vererben einen Teil ihrer Merkmalsausprägungen an ihre Nachkommen (bedingt genetischen Einfluss auf Merkmalsausprägung)
    • 3. Unterschiedliche Reproduktion: Erbliche Unterschiede in der Ausprägung von Merkmalen verursachen Unterschiede im Fortpflanzungserfolg

    Genetische Variation in der Ausprägung eines psychischen oder Verhaltensmerkmals
Author
LiaS
ID
358348
Card Set
3 Ethik: Einführung Verhaltensbiologie
Description
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