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Weitere Bezeichnungen von Erbgängen
- Digen: zwei Gene beteiligt
- Oligogen: wenige Gene beteiligt
- Polygen: viele Gene beteiligt
- Hauptgen: ein Gen ist für den grössten Teil der Variation des Phänotyps verantwortlich, plus polygene Restkomponente
- nicht-genetisch: rein umweltbedingt
- Stammbaumanalyse: Kreis= weiblich, Quadrat= männlich
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Autosomal-dominanter Erbgang
- Häufigster Erbgang der aufgeklärten Erbgänge beim Menschen
- Bei Haustieren überwiegen rezessiv-vererbte Merkmale, da Tiere mit dominanten Mutationen von Zucht ausgeschlossen werden
- Erkrankung manifestiert sich in jeder Generation (vertikale Vererbung)
- Ausser bei Neumutation jedes betroffene Individuum einen betroffenen Elter
- Männliche und weibliche Tiere gleichermassen betroffen
- Häufig Gene für strukturelle Proteine betroffen (seltener Enzyme)
- Wenn Erkrankung selten aber nicht letal Betroffene meist heterozygot
- normale Verpaarung: Aa×aa-> 50% der Nachkommen betroffen
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Haploinsuffizienz
heterozygot betroffen-> nur ein normales Allel, Genprodukte reichen für die Gesamtfunktion nicht aus
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Dominant-negative Einwirkung
Wenn das Produkt des mutierten Allels die Funktion des Produkts des normalen Allels stört
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Abgrenzung der Allelwirkung in dominant oder rezessiv bei Erkrankung ist aber nicht so einfach:
- AA selten gesehen, oft nicht mit dem Leben vereinbar aber kommen vor
- AA Individuen oft schwerer betroffen als Aa -> streng genommen anderer Phänotyp -> inkomplett-dominant (kodominant)
- i.d.R belässt man es bei dominant wenn sich Aa klar von aa unterscheiden
- Bsp.
- Brachydaktylie -> weniger Finger (Farabee)
- Netzhautdegeneration (Progressive Retinaatropie) beim Bullmastiff (inkomplette Penetranz -> Mutation vorhanden aber manifestiert sich nicht)
- Progressive Retinaatropie (PRA) bei Entlebucher Sennenhund -> manifestiert sich erst mit 3-6 Jahren (pseudo dominant)
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Autosomal-rezessiver Erbgang
Aa gesund (träger der Mutation), aa krank
- Erkrankung kann Generationen Überspringen (horizontale Vererbung)
- Alle Nachkommen von zwei betroffenen Eltern sind betroffen
- Männliche und weibliche Tiere gleichermassen betroffen
- Eltern normalerweise nicht betroffen sondern Träger
- In kleinen Familien kann ein Fall fälschlicherweise als sporadisch eingestuft werden (-> nicht-familiäres auftreten bei ungeklärter oder nicht-genetischer Ursache)
- "normale Verpaarung"-> Aa×Aa-> 25% der Nachkommen betroffen
- Geschwister eines kranken Individuum sind zu 2/3 Träger
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Pseudo-Dominanz
- Bei Verpaarung zwischen einem erkrankten und einem Träger (z.B. wenn sich die Krankheit erst später im Leben manifestiert) -> 50% der Nachkommen wie bei AD
- (ist ein Autosomal rezessiver Erbgang der phänotypisch wie ein Autosomal Dominanter Erbgang zu sein scheint)
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Inkomplett-dominanter Erbgang (Intermediär)
- Ausprägung ist ein Zwischending der Homozygoten (Rot×Weiss = Rosa)
- (Wenn heterozygote Allele vorhanden setzt sich keinem von beiden vollständig durch)
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Kodominant
- Beide Merkmale der homozygoten werden ausgeprägt (Weiss×Schwarz = Schwarz-Weiss gefleckt)
- Jeder Genotyp führt zu einem unterscheidbaren Phänotyp, oder unterscheidbarem Allelprodukt-> Genotyp kann direkt am Phänotyp abgelesen werden.
- Aufspaltung bei Kreuzung zwei Heterozygoten (MN×MN)0 1:2:1
- Bsp: MN-Blutgruppesystem
- ABO-Blutgruppensystem (nur Blutgruppen A und B)
- Allele eines genetischen Markers (Mikrosatellit)
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Geschlechtsgebundene Erbgänge
Männliche Individuen sind hemizygot: nur ein X Chromosom
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Geschlechtsgebundene Erbgänge
X-Chromosomal Rezessiv
- Erkrankung kann Generationen überspringen
- Alle Nachkommen zweier betroffener Eltern sind betroffen
- Trägerin = Konduktorin
- Männliche Tiere sind häufiger betroffen
- Keine Vater-Sohn Übertragung
- (Töchter heterozygoter Frauen selten betroffen da Vater bekannt krank wäre)
- "normale Verpaarung": XY × Xx
- Bsp.
- Progressive Retinaatrophie beim sibirischen Husky
- Hämophilie (Bluter)
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Geschlechtsgebundene Erbgänge
X-Chromosomal-dominant (selten, schwer von AD unterscheidbar)
- Betroffene Männliche Tiere geben die Erkrankung Erkrankung an alle Töchter weiter nicht an die Söhne
- Betroffene weibliche Tiere geben Erkrankung gleichermassen an Söhne und Töchter weiter
- Weibliche Tiere oft häufiger betroffen, das männliche oft nicht lebensfähig
- Betroffene männliche Tiere oft stärkere Symptome, oft nicht entwicklungsfähig
- Bsp.
- Vitamin D resistente Rachitis beim Mensch
- Hereditary Nephritis beim Samoyed
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Geschlechtsgebundene Erbgänge
Y-Chromosomaler Erbgang (hauptsächlich Spermienentwicklung, Fertilität)
- Alle männlichen Nachkommen eines betroffenen Mannes sind normalerweise betroffen
- Paternale Vererbung
- In Zusammenhang mit männlicher Fertilität von Bedeutung
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Mitochondriale Vererbung
- mtDNA:
- Normalerweise 2-10 mtDNA Kopien pro Mitochondrium
- Zirkuläres Molekül mit 16'569 BP
- Hat kodierende Regionen für 13 Proteine (Zellatmung), 22tRNAs (Translation) und 2 rRNAs (Translation)
- hat eine etwa 10fach höherer Mutationsrate als Kern-DNA
- Maternale Vererbung (nicht nach Mendel)
- Erkrankungen:
- Männliche und weibliche Tiere sind betroffen
- Zuerst Symptomen in Organen, die viel Energie verbrauchen -> Nervensystem, Skelett- /Herzmuskulatur
- Beim Mensch ca. 1/8000
- Bsp.
- mitochondriale Mypathie, Neuropathie beim Golden Retriever
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Mitochondriale Vererbung
Heteroplasmie-Problematik
- Anzahl mutierter mtDNA Moleküle kann von Zelle zu Zelle stark variieren
- -> Erkrankung manifestiert sich, wenn ein Schwellenwert überschritten wird, d.h. wenn die Zahl er mutierten Moleküle diesen Schwellenwert in den Zellen überschreitet
- -> Schwer vorauszusagen wie viele mutierten Mitochondrien im Erwachsenen Individuum sind
- Stammbaum zeigt eher ein maternales Vererbungsmuster und Symptome der Erkrankung weisen auf eine verminderte Energiegewinnung der Zelle hin
- -> Nachweis durch mtDNA-Sequenzierung
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Vererbung multifaktorieller Erkrankungen (komplex vererbte Erkrankungen)
- Multifaktoriell = Polygen +Umwelt -> Prädisposition (Anfälligkeit)
- -> Selektion gegen Erkrankung wird schwierig
- -> Bsp. HD Gene für etwa 30% der phänotypischen Variation verantwortlich, Umwelt für etwa 70% (Fütterunsintensität der Welpen, Bewegungsintensität der Welpen)
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Monogene Merkmale
- n Merkmale
- 2n Gametensorte in F1
- 3n Genotypen in F2
- 2n Phänotypen in F2
Phänotypenfrequenzen weichen von den vorhergesagten Mendel'schen Frequenen ab
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Erweiterung zu den Mendel'schen Regeln für "monogene" Merkmale
- Kopplung von Genen
- Multiple Allele-> rare Allele (Varianten)
- Pleiotropie
- Letale Allel
- Polygenie
- Epistase
- Umwelteinflüsse (Peristase)
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Erweiterung zu den Mendel'schen Regeln für "monogene" Merkmale
Kopplung von Genen
Genorte (Gene) die auf demselben Chromosom lokalisiert sind, sind syntänisch. Es werden Chromosomen übertragen, nicht Gene
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Erweiterung zu den Mendel'schen Regeln für "monogene" Merkmale
Enge (vollständige) Kopplung der Gene
Gene sehr Nahe auf demselben Chromosom, gekoppelte Allele können als Haplotypen bezeichnet werden
Haplotyp: Der von der mütterlichen bzw. väterlichen Seite vererbte Komplex gekoppelter Allele auf einem Chromosomenabschnitt
- Haplogruppe: mindestens 2 Haplotypen auf demselben Chromosom bilden eine Haplogruppe
- Bei crossing-over muss die Häufigkeit der Gameten empirisch bestimmt werden
- Wenn Genorte sehr weit auseinander liegen treten COs immer auf -> es kann keine Kopplung nachgewiesen werden
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Erweiterung zu den Mendel'schen Regeln für "monogene" Merkmale
Multiple Allele /seltene Allele (Varianten)
Ein normales, diploides Individuum kann immer nur zwei Allele eines Genes in einer Zelle tragen, in einer Population können aber viele Allele eines Genes vorhanden sein
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Erweiterung zu den Mendel'schen Regeln für "monogene" Merkmale
rares Allel (Variante)
- Frequenz in der Population <1%
- Bsp
- Bombay-Blutgruppe -> 0h
- Sehr selten (autosomal rezessiv)
- Gendefekt -> Rezeptor= Antigen H wird nicht gebildet
- Blutgruppen A,B können nicht exprimiert werden (Epistasie)
- Phänotypisch Blutgruppe 0
- Kann nur Eigenblut oder Spenderblut 0h erhalten
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Erweiterung zu den Mendel'schen Regeln für "monogene" Merkmale
Pleiotropie (Polyphänie)
- Ein Gen steuert die Ausprägung von mehreren Merkmalen
- Die Mutation verursacht mehrere von einander unabhängige phänotypische Merkmale
- Bsp. Marfan Syndrom (Mensch.)
- -> Problem in der Feinstruktur des Bindegewebes (Fibrillin Protein)
- Merle Faktor in bestimmten Hunderassen
- -> Verändertes Hörsinn, Augenveränderungen
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Erweiterung zu den Mendel'schen Regeln für "monogene" Merkmale
Letale Allele
- Letalfaktoren sind Allele, die den Tod eines Individuums vor Erreichen des fortpflanzungsfähigen Alters bewirken, dominant letale Allele sehen wir normalerweise nicht ausser:
- Late-onset Erkrankungen (Huntigton Disease)
- Penentranz des Letalfaktors ist <100%
- Neumutation im selben Gen
- Bsp. Agouti-Gen: beeinflusst Fellfarbe, ist dominant
- Unerwartetes Phänotypenverhältnis da homozygote gelbe Mäuse in utero absterben
- Bsp. Entlebucher Stummelrute: homozygote Nachkommen sterben, Stummelrute ist dominant aber Letalfaktor rezessiv
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Erweiterung zu den Mendel'schen Regeln für "monogene" Merkmale
Polygenie
Merkmale, deren Ausprägung durch mehrere oder zahlreiche Gene gesteuert werden, wobei die Beiträge der einzelnen Gene oft n icht direkt fassbar sind
Genorte, welche diese (Leistungs) Merkmale kontrollieren werden als sogenannte QTLs (Quantitative Trait Loci) bezeichnet + Umwelt spielt eine Rolle
- Bsp. Milchleistung Kühe
- Vollständig erbliche Merkmale-> Qualitative Genetik
- Monogen
- Wenige und klar unterscheidbare Phänotypen
- Hohe Erblichkeit
- Umwelteinflüsse sind klein oder Fehlend
- Teilweise erbliche Merkmale -> Quantitative Genetik
- Viele Phänotypen
- Fliessende Übergänge zwischen Phänotypen
- Niedrige Erblichkeit
- Umwelteinflüsse oft sehr gross
(Möglichkeit der Abweichung von Spaltungsverhältnis 9:3:3:1 auch durch unterschiedliche Erbgänge der beiden untersuchten Merkmale (bsp. Albinismus und Blutgruppe)
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Erweiterung zu den Mendel'schen Regeln für "monogene" Merkmale
Epistase
- Interaktion zwischen Allelen unterschiedlicher Genorte
- Zwei oder mehrere Genorte interagieren und bewirken neuartige zusätzliche Phänotypen
- Allel(e) am ersten Genort maskiert oder modifiziert den Einfluss von Allelen an einem zweiten (oder mehreren) Genort(en)
- => Komplex!
- Rezessive Epistase
- Komplette Dominanz beider Genpaar, aber wenn ein Gen homozygot rezessiv ist, wird Phänotyp des anderen Gens unterdrückt -> Phänotyp ist von zwei Genen abhängig
- Verhältnis Phänotyp: 9:4:3
- Bsp:
- Fellfarbe Maus: Agouti (AACC, AaCc, aaCc)
- Fellfarbe Labrador: Schwarz, Blond, Braun
- Doppelte Dominante Epistase
- Komplette Dominanz beider Genpaare, aber wenn eines der Gene dominant ist, unterdrückt es den Einfluss des anderen Gens
- Verhältnis 15:1
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Erweiterung zu den Mendel'schen Regeln für "monogene" Merkmale
Umwelteinflüsse (Peristase)
- Reaktionsnorm eines Modellorganismus
- Das Muster von Phänotypen die aus einem bestimmten Genotyp in unterschiedlichen Umwelten hervorgehen P=G+U
- Bsp. Anzahl Facetten Fliegen
- Keine allgemeingültigen Aussagen über Reaktionsnormen möglich
- Es kann nicht zwingend vom Phänotyp auf dem Genotyp geschlossen werden
- Reaktionsnormen sind für Modellorganismen bekannt
- Modellorganismen:
- Einfach zu halten und Züchten (Kosten)
- Kurze Generationszeit, viele Nachkommen
- Oft spezielle Linien mit speziellen genetischen Hintergrund vorhanden
- Genom für die meisten Modellorganismen entschlüsselt
- Phänotypische Varianz (nicht gleich Reaktionsnorm)
- Genotypenvarianz + Umweltvarianz (Umwelt mehr oder weniger gleich)
- Wird in der Tierzucht verwendet
- Modifikationen
- Nicht-erbliche Abwandlungen des Phänotyps durch Umwelteinflüsse
- UV-Licht-> Pigmentausbildung
- Körperliches Training
- Höhentrainig
- Alkoholkonsum
- Umschlagene Modifikation (selten)Die Merkmalsausbildung bei Lebewesen gleichen Genotyps schlägt übergangslos um.
- z.B. Russenkaninchen
- Akromelanismus -> Kältere Hautstellen (extreme Körperstellen) Enzym aktiv -> schwarzes Pigment
- Fliessende Modifikation (die Regel)
- Bsp Grössenverteilung von Pantoffeltierchen
- Modifikation und Mutation durch Kreuzversuche unterscheidbar
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