Tierzucht Einführung (PP1)

  1. Wieso? Ziel von Tierzüchtung
    Das Ziel der Nutztierzüchtung liegt in der Heranbildung gesunder und leistungsfähiger Haustiere, die in einem gegebenen Lebensraum das verfügbare Futter mit hohem Wirkungsgrad in dienstbare Leistungen und Produkte für den Menschen umzuwandeln vermögen.

  2. Beispiel und Kompetenzen

    Einzeltier und Population
    • MILCHLEISTUNG: Leistungsgrenze erreicht oder überschritten?
    • Stoffwechselstörungen (Acetonämie, Milchfieber, etc.)
    • Eutergesundheit (Mastitiden)

    Es gibt Milchkühe (Genetik/Umwelt), die sehr hohe Leistungen bringen ohne gesundheitliche Probleme zu haben!

    Gesunde Tiere leben länger und sind leistungsstärker!

  3. Was sind Nutztiere und was ist das Ziel von Tierzucht:
  4. Tierzucht-Definition
    Der Begriff Zucht ist mit grosser Wahrscheinlichkeit abgeleitet vom germanischen Zuht = Ziehen

    Die kontrollierte Fortpflanzung von Tieren mit einem speziellen Ziel, meistens zur genetischen Umformung oder Verstärkung gewollter (erwünschter) bzw. Unterdrückung ungewollter (unerwünschter) Eigenschaften.

    Nota bene: Tierzüchterische Massnahmen können also auch auf Nicht-Domestizierte Populationen angewendet werden! Beispiele: Rotwild in Gefangenschaft, Zootiere etc.
  5. Tierhaltung (im Vergleich zu Tierzucht)
    Wenn keine gerichtete Selektion durch den Halter auf die Tiere einwirkt, handelt es sich um Tierhaltung und nicht um Tierzucht.

    In der Tierhaltung fehlen oft weitere wichtige Faktoren wie beispielsweise:

    -klare, räumliche Kontrolle (Fortpflanzung) über die Tiere

    -ein klar definiertes Zuchtziel über mehrere Generationen (Tierhaltung ist oft einfach reine Vermehrungszucht)

    -eine unabhängige Überprüfung der Abstammungen
  6. WELCHES IST DAS "BESTE" TIER FÜR WELCHES SYSTEM?
  7. Fortpflanzungsmöglichkeiten in der Tierzucht
    Reproduktionsbiologische Verfahren

    • -Natursprung, Decken
    • -Künstliche Besamung (KB)
    • -Embryotransfer (ET)
    • -Embryo-Kryo-Konservierung
    • -Klonen
  8. Zuchtprogramme/ Zuchtpyramide
    Nicht alle Tiere einer Rasse oder einer Population tragen zur genetischen Verbesserung bei:

    -> Rassen/Populationen sind strukturiert

    • -> Zuchtstufen bilden eine Pyramide.
  9. Züchten heutzutage
    Züchten ist nicht einfacher geworden!


    • -Wiederentdeckung der Regeln von Mendel um 1900
    • -Hardy-Weinberg-Gesetz
    • -Entwicklung der Populationsgenetik (Computerprogramme, Hochleistungsrechner)

    Anwendung und Umsetzung der Erkenntnisse der Vererbungswissenschaft in der Tierzucht wird möglich!
  10. Was ist Tierzucht?
  11. WIE KANN DIE POPULATION GENETISCH VERBESSERT WERDEN?

    Populationen unterscheiden sich genetisch




    Genetische Struktur dieser beiden Braunviehpopulationen kann untersucht werden – und wird wahrscheinlich zeigen, dass Unterschiede bestehen.

    • Genetische Distanzen können geschätzt werden: (z.B. aufgrund von Vergleichen von Allelfrequenzen) Wurfstärke BBS GWS
    • 7 Welpen

    • Wurfstärke BBS BVWS
    • 7.8 Welpe

    Umwelt und/oder Genetik?

  12. Definition Population:
    Eine Population ist eine Gemeinschaft sich sexuell fortpflanzender Individuen derselben Art, zwischen denen regelmässig Paarungen auftreten und die im Verlauf einer Reihe von Generationen einen bestimmten Raum besiedeln. Eine Population existiert während vielen Generationen und die genetische Zusammensetzung kann sich von einer Generation zur nächsten mehr oder weniger verändern.
  13. Definition Individuum
    Ein Individuum (im Gegensatz zur Population) behält dagegen sein ganzes Leben hindurch denselben Genotyp, abgesehen von somatischen Mutationen. Das Individuum entsteht, wächst, pflanzt sich fort oder nicht und stirbt.
  14. Definition genetische Fitness
    Die genetische Fitness eines Individuums ist die Fähigkeit, aufgrund seines Phänotyps und seines Genotyps, Nachkommen zur nächsten Generationen beizutragen.
  15. Populationsgenetik: Quantitative Genetik
    • Grundlagen:
    • -Mendelgenetik
    • -HWE
    • -Infinitesimales Modell
    • -Computerprogramme



    Populationsgenetik befasst sich mit der genetischen Struktur einer Population zu einem bestimmten Zeitpunkt und der Änderung der genetischen Struktur unter dem Einfluss bestimmter Kräfte.

    Quantitative Genetik befasst sich mit der Vererbung von quantitativen Merkmalen.

  16. Faktoren mit Einfluss auf die genetische Zusammensetzung:
    • -Selektion: Natürliche Selektion und künstliche Selektion
    • -Mutation
    • -Migration: offene Population
    • -Isolation: geschlossene
    • -Population
    • -Inzucht+ genetische Drift

  17. Vorsorgeuntersuchungen
  18. Übung um wichtige Grafik zu lernen (die fast über 10 mal in den Folien gezeigt wurden)

    Bringe folgende Begriffe in die Richtige Ordnung:
    Wildtierart
    Haustierart
    Nutzungsrichtung
    Domestikation
    Populationen
    Rassen
    ähnliche Eigenschaften/Merkmale
    qualitative Merkmale
    Leistungsprüfung für Individuen-potentielle Zuchttiere
    Zuchtwertschätzung Rangfolge
    Schwellenmerkmale
    Funktionelle Merkmale (Hilfsmerkmale)
    quantitative Merkmale Zuchtziele (2)
    Nächst Generation
    Verwandtschaft Inzucht
    Kreuzung
    Zuchtmethode
    Zuchttiere
    Selektion
    Zuchtwertschätzung Rangfolge
    Populationsgenetik Quantitative Genetik
  19. Subjektiver Zuchtwert eines Tieres
  20. Subjektiver Zuchtwert eines Tieres
  21. Erfolgreiche Zuchtarbeit
    Zuchtwert->

    Sichere Auswahl der genetisch überlegenen Individuen als Eltern für die nächste Generation.

    Allelfrequenzen von Genen werden verändert

  22. Tierzucht heisst: in Generationen denken (Geduld)!
    Leistungen der Nachkommen der nächsten Generation werden wieder gemessen und bezüglich des Zuchtziels evaluiert und eingestuft!

    Zuchterfolg wird beurteilt! Evtl. muss eine Anpassung der Strategie erfolgen.
  23. Domestikation



    Wildtierart -> Haustier (mehr Jäger ð werden zu Bauern)

    Erste kulturelle Leistung des Menschen?

    Beginn vor mindestens 10‘000 Jahren.

  24. CHARAKTERISTIKA VON HAUSTIEREN
    Haustiere leben in der Obhut des Menschen.

    Haustiere leben isoliert von ihren wildlebenden Artgenossen.

    Haustiere unterliegen der künstlichen Selektion durch den Menschen und haben sich an die speziellen Umweltverhältnisse adaptiert. ] àMännliche und weibliche Tiere müssen getrennt gehalten werden. ] àAdaequate Haltung und Fütterung der Haustiere.

    Als Folge davon, unterscheiden sich die Haustiere von ihren wildlebenden Artgenossen in physiologischen, morphologischen und psychischen Merkmalen, also in Leistungsmerkmalen und in ihrem Verhalten.

    Viele dieser Merkmale und Eigenschaften sind erblich und werden über Generationen weitervererbt.
  25. Ausmass der Domestikation


    Das Wissen um die Lokalitäten und Zeitpunkte, wo bzw. wann einzelne Wildtierarten domestiziert wurden sind nicht immer klar!

    Es ist deshalb sehr wohl möglich, dass Sie von der in der Vorlesung gezeigten Daten abweichende Aussagen finden können.
  26. Genauer Ablauf der Domestikation einer Art? Informationsquellen:
    • -Paläontologie/Archäologie
    • -Chroniken
    • -Kunstgegenstände
    • -Vergleichende Anatomie
    • -Verhaltensmuster
    • -DNA-Untersuchungen
  27. Genauer Ablauf der Domestikation einer Art? Informationsquellen:

     DNA-Untersuchungen
    • Untersuchungen an der mitochondrialen DNA (mtDNA):
    • -höhere Mutationsrate (5-10 x) als Kern-DNA
    • -Untersuchung der Mutterlinien
    • -genetischen Distanzen zwischen Populationen schätzen

    • Untersuchungen an der Kern-DNA (Gene, genetische Marker):
    • -genetischen Distanzen zwischen Populationen schätzen
    • -Untersuchungen an Sequenzen des Y Chromosoms: Untersuchung der Vaterlinien
  28. Genauer Ablauf der Domestikation einer Art? Informationsquellen:

     Mikrosatelliten-Typisierung:
  29. Genauer Ablauf der Domestikation einer Art? Informationsquellen:

    Hund und Wolf
  30. Domestikation: Zeitablauf
    • -Landwirtschaftliche Revolution vor ca. 12‘000 -14‘000 Jahren (Ende letzte Eiszeit)
    • -Beginn der Domestikation von Pflanzen- und Nutztierarten
    • -bessere Kontrolle der Nahrungsbeschaffung → erste Zentren im Nahen Osten, China, Mexico

  31. FAKTOREN BEEINFLUSSEN GENETISCHE ZUSAMMENSETZUNG
    Haustierarte: Genetische Zusammensetzung:

    • -Migration/Isolation
    • -Mutation
    • -Inzucht genetische Drift
    • -Natürliche Selektion
    • -Künstliche Selektion

    FAKTOREN VERÄNDERN DIE ALLELFREQUENZEN VON GENEN
  32. Folgen der Domestikation
    • Anatomische Veränderungen:
    • -Reduktion der Masse des Gehirns (Es müssen weniger Sinneseindrücke verarbeitet werden!)
    • -Reduktion des Gebisses und von Hörnern (reduzierte Aggressivität!)
    • -Muskulatur: Verlagerung von der Vorhand auf die Hinterhand!
    • -Verminderter Geschlechtsdimorphismus!
    • -Zunahme der Variation von Fellfarben, Haararten!

    • Physiologische Veränderungen:
    • -Steigerung der Fruchtbarkeit!
    • -Steigerung von Leistungsmerkmalen (z.B. Milchleistung)
  33. Domestikation-Einbahnstrasse
    • Nicht alle Haustierarten haben dieselbe Nähe zum Menschen!
    • Beispiel Mutterkuhhaltung

    Kühe und Kälber, die in dieser Art und Weise gehalten werden, können für einen Tierarzt/Tierärztin zum Problem werden.

    Durch den reduzierten direkten Kontakt, den die Tiere erfahren, werden sie wieder scheuer und sind sich nicht mehr so gut an den Umgang mit dem Menschen gewohnt.

    Fluchtdistanz und Abwehrverhalten nehmen wieder zu!
  34. Dedomestikation: Rückzüchtung einer Wildtierart ausgehend von Haustierarten
  35. Dedomestikation: Rückzüchtung einer Wildtierart ausgehend von Haustierarten
    Viele gefangene und/oder gezähmte Wildtierarten werden vom Menschen in seiner Obhut gehalten.

    Wenn sie sich aber nicht in erblichen Merkmalen von den wilden Artgenossen unterscheiden, handelt es sich nicht um Haustiere.

    Verwilderte Tiere, z.B. Hunde, können ebenfalls nicht als Haustiere bezeichnet werden, weil sie, obwohl sie sich von der Stammform (Grauwolf) unterscheiden, sich nicht in der Obhut des Menschen befinden und keiner gezielten Selektion ausgesetzt sind.
  36. Linné (1707-1778) führte die binominale Nomenklatur ein:
  37. Stammesgeschichte (Phylogenese) und Domestikation des Haushundes (Canis familiaris)

    Stellung des Haushundes im Tierreich
  38. Stammesgeschichte (Phylogenese) und Domestikation des Haushundes (Canis familiaris)

    Stammesgeschichte des Haushundes

    Verbreitung der Kaniden

    Chromosomen der Kaniden

    Genetische Distanzen messen aufgrund der Untersuchungen der mitochondrialen DNA (mtDNA)

    Domestikation des Haushundes

    Gebrauchshunde

    Die grundlegende Einheit der Taxonomie ist die Art oder Spezies!
  39. WAS IST EINE RASSE?

    Definition von Rasse

    Begriff der Rasse
    • Definition:
    • Innerhalb einer Art lassen sich Rassen voneinander abgrenzen!

    Eine Rasse ist eine Population innerhalb einer Art, deren Mitglieder sich von allen übrigen Artgenossen durch klar erkennbar und vererbbare Merkmale unterscheiden.

    Begriff:


    Eine Rasse wird definiert durch eine Konvention.

    Diese Konvention ist als Standard mit einem Inventar von Zuchtzielen publiziert.

    Individuen einer Rasse sind genetisch nicht einheitlich.

    Genetische Unterschiede können innerhalb einer Rasse sogar grösser sein als zwischen Rassen.

    Ein Rassestandard kann gegebenenfalls geändert werden.

    Die Rassen verändern sich!

    Begriff der Rasse wird heute nur noch für domestizierte Tierarten angewendet

    Innerhalb einer Rasse können Varietäten oder Schläge existieren!
  40. Definition von Varietät
    Ein Varietät ist eine Sub-Population innerhalb einer Rasse, deren Mitglieder sich von allen übrigen Individuen dieser Rasse durch klar erkennbar vererbbare Merkmale unterscheiden.

  41. Hunderassen
    Entwicklung der Rassehunde
    Keine andere Haustierart weist eine so grosse Variation der phänotypischen Erscheinung auf (Grösse, Felltypen, Fellfarben, etc)
  42. Hunderassen
    GESCHICHTE DER HUNDEZUCHT

    (früher vs. heute)
    Phase Domestikation-ca. 1850:

    • -wenige „Rassen“ oder besser Gruppen (Populationen) von Hunden
    • -Leistung ist wichtig, Aussehen Nebensache
    • -Merkmale werden verändert (direkt Einfluss auf Leistung)
    • -Gebrauchshunde: Jagdhunde, Wachhunde, Herde-, Hüte-, Treibhunde
    • -Einkreuzungen mit Hunden anderer Gruppen ist normal

    Phase 1850-heute:

    • -Ausstellungen von Hunden werden populär
    • -Leistung wird weniger wichtig, Aussehen wird sehr wichtig
    • -Bildung von Rassen mit rassetypischen Merkmalen (Fellfarben, Fellytpen, Körpergrösse etc.) hilft, eigene Hunde von anderen abzugrenzen Merkmale werden verändert (direkt Einfluss auf Leistung)
    • -Trend vom Gebrauchshund zum Begleithund oder Familienhund
    • -Einkreuzungen mit Hunden anderer Rassen wird zur Ausnahme
    • -Hunde übernehmen viele neue Aufgaben in der Gesellschaft
  43. Form und Typ der Hunde
  44. Unterteilung der Hunderassen
  45. Schweizer Hunderassen (Prüfungsrelevant)
    • -Appenzeller Sennenhund (2 Varietäten der Fellfarbe)
    • -Berner Sennenhund
    • -Entlebucher Sennenhund (2 Varietäten Rutenlänge)
    • -Grosser Schweizer Sennenhund
    • -St. Bernhardshund (2 Varietäten: Lang- oder Kurzhaar)
    • -Schweizer Laufhund (4 Varietäten der Fellfarbe)
    • -Schweizer Niederlaufhund (4 Varietäten der Fellfarbe**)
    • -*Berger Blanc Suisse (2 Varitäten: Lang- oder Kurzhaar)

    • *Patronat der Schweiz für diese von der FCI anerkannte Hunderasse!
    • **Es können jetzt Kreuzungen zwischen den Varitäten durchführt werden.
  46. Situation von heute
    • -Viele Rassen sind fast nicht unterscheidbar.
    • -Jede dieser 4 Rassen oben hat aber ihren eigenen Standard.
    • -Oft wurden nur sehr wenige Hunde zur Schaffung der „neuen“ Rasse eingesetzt (Founder-Effekt).
    • -Oft nur wenige Rüden für eine Rasse im Zuchteinsatz.
    • -Hunderassen stellen genetische Inseln dar, zwischen denen kein Austausch stattfindet.

    ->Inzucht mit ihren Risiken und Gefahren!

    FREMDEINKREUZUNGEN und SYNTHETISCHE RASSEN
  47. STANDARD EINER RASSE (ZUCHTZIELE)
    Liste von rassetypischen Kriterien des

    Erscheinungsbildes eines Tieres mit

    • -morphologischen Merkmalen
    • -psychischen Merkmalen
    • -Leistungsmerkmalen

    und ist damit eine subjektive Definitionseinheit, durch den Menschen erstellt!

  48. Geschichte der Tierzucht

    Robert Bakewell

    Francis Galton (1822-1911)

    William Bateson (1861-1926)
  49. Populationsgenetik
  50. Haustierart (welche Tiere sind das?)
    Felis catus
    Capra hircus hircus
    Ovis aries
    Sus scrofa domesticus
    Bos taurus taurus
    Equus asinus
    Gallus domesticus
Author
IrisMeyer
ID
358189
Card Set
Tierzucht Einführung (PP1)
Description
Updated