BiWi 1C: Bildung, Arbeit und Beruf

  1. Wie kamen Berufsbildungssysteme zu Stande?
    • ≠ Ergebnis bewusster Planung

    • sondern Resultat komplexer historischer Prozesse
  2. Organisationsformen und Regulationsmechanismen = Ergebnis…
    ...Ergebnis Gesellschafts- und kulturspezifischer Reaktionen auf historische Problemlagen

    ! Erfordernis der Kompatibilität ! (Lösungsansätze)
  3. Gesellschaftlicher Effekt?

    Wechselwirkung...
    = Ergebnis historischer Verlaufsmuster in den Suchprozessen nach problemadäquaten Lösungen, die einer gesellschaftsspezifischen Logik folgen


    • Identität Gesellschaft:
    •   ergibt sich aus der charakteristischen Ausprägung der    jeweiligen Organisationsstrukturellen Dimension und aus den stabilen Wechselwirkungen zwischen diesen Dimensionen

    • • jeder Ausprägung der einen Dimension im signifikanten Zusammenhang mit spezifischen Ausprägungen in den anderen Dimensionen
    • (Veränderung hier <–> Veränderung da)
  4. 3 Grundmodelle der Berufsbildung
    - Marktmodell (Liberalistisches Modell) USA, Japan


    Schulmodell (bürokratisches Modell) Frankreich, Italien, Schweden


    Duales Modell (staatlich gesteuertes Marktmodell) DE, Schweiz, Österreich
  5. MARKTMODELL Beschreibung:
    • Staat spielt keine/nur marginale Rolle bei beruflichen Qualifikatiopnprozessen

    Berufsbildung nicht mit allgemeinen Bildungswesen verknüpft

    umfassend ausgebautes allgm-bildendes Pflichtschulwesen (11-12 J.) ; Staat hohen Einfluss

    Berufliche B. vom öffentlichen Einfluss weitgehend frei

     Berufliche B. Im direkten Zsm.hang mit Produktionsfaktor    Arbeit und Arbeitsmarkt

    •  Entfaltung und Gestaltung:
    •   1.) Eigenintiative Staatsbürgers
    •   2.) Engagement von Betrieben, Kommunen und sonstigen  Ausbildungsträgern

     Keine staatlichen Vorschriften. Orientierung an unmittelbar beruflicher Verwendungssituation

     Betriebe als Ausbildungsträger wichtige Rolle, vor allem Großbetriebe

    -> ( z.B.: in Japan , USA)
  6. MARKTMODELL Kriterien:
    • quantitative Relation über Marktmodell
    • (Bedarf<—> Ausbildung)

    Produktion beruflicher Qualifikation = N.

    Über N. entscheiden Abnehmer der Qualifikation (= Betriebe)

    • Art beruflicher Qualifikation (qualitativer Aspekt) ausgerichtet
    • nach mutmaßlichen Verwendungssituationen in Betrieben

    Marktmechanismen berufl. Qualifikationen funktionieren am besten, wenn potentielle Abnehmer der Qualifikationen = Träger der Ausbildung

    • Ausbildung in dem Fall von Qualifikationsabnehmern finanziert (=Kostenminimierung)
    • ->produktionsgebunden und wenig pädagogisiert

    Rechtsstellung: Auszubildender = normaler Arbeitnehmer
  7. SCHULMODELL Beschreibung
    ! Staat plant, organisiert und kontrolliert allein die geschlossener das büBerufsausbildung = bürokratisches Modell

    Hohes Maß an Vergleichbarkeit (Struktur, Entstehungsbedingungen)

    berufliche Schulen eng mit allgm. Bildungswesen verknüpft

    oft: unmittelbare Verknüpfung von schulischen Abschlüssen mit beruflichen Qualifikationen bis Verleihung echter Doppelqualifizierender Abschlüsse

    schulische Berufsausbildungsysteme = prinzipiell hierarchisch organisierte Elitesysteme

    • private Betriebe keine Funktion
    • (nur Anbieter Praktikumsplätze)

    Je stärker Anspruch des Staates auf alleinige Verantwortung im Berufsbildung, desto geschlossener das bürokratische System der Planung, Durchführung und Kontrolle


    Z. B.: Frankreich, Italien, Schweden
  8. SCHULMODELL Kriterien
    quantitativen Relationen zws. Bedarf und Berufsausbildung über staatliche Planungsinstanzen

    Art berufliche Qualifikationen (qualitativer Aspekt) richtet sich nicht primär nach unmittelbaren beruflichen Verwendungssituation, sondern berücksichtigt auch individuelle und gesellschaftliche Anforderungen

    Planung, Organisation und Kontrolle der Berufsausbildungsprozesse in hohem Maße bürokratisch bestimmt (systematisierte, stark pädagogesierte Ausbildung)

    schulische Berufsausbildung aus öffentlichen Haushalten finanziert. Prinzipielle Begrenztheit erlaubt in der Regel keine komplette Abdeckung mit Ausbildungen eines Alterjahrgangs

    • Schulmodelle funktionieren am ehesten in Berufsfeldern und Berufen in denen es sich ohne größere psychomotorische Fähigkeitsschulungen ausbilden lässt
    • (z.B. kaufmännische Berufe)
  9. DUALLES MODELL Beschreibung
    = Staatlich gesteuertes Marktmodell

    Staat setzt für Betriebe, Ausbildungsträger Rahmenbedingungen fest (mehr o. weniger umfangreich)

    • DUAL weil... 2 Lernorte (Betrieb+ Berufschule)
    • Kooperieren unter gemeinsamen Ziel (beruflicher Quali)
    • Art dieser Dualität indes variabel

    • (Auch das von dt. Industrie in 20er/30er J.
    • Angestrebte Ausbildungssystem (Betriebslehre mit privater Werksschule) ebenso als „Dual“ anzusehen)

    Charakteristisch: scharfe Abgrenzung Berufsbildungssystem – allgemein öffentliches Schulsystem

    spezifisches Berufsbildungsrecht (nicht der Kategorie Schulrecht zu zu ordnen)

    V. a. verbreitet, wo lang fortbestehende entwickelte Handwerkskultur existiert

    • unumgängliche Voraussetzung: nach privatwirtschaftlichen Regel strukturierter Ausbildungsektor, den der Staat mit rechtlichen Normen überformen kann
    • Duales System nur im Hinblick auf institutionelle Ausprägung als „Berufspädagogische Figur“
    • (1 Lernsystem mit 2 Lernorten)

    Funktionale Dualität gründet auf Integration zweier unterschiedlicher gesellschaftlicher Regelungsuster

    (Widerspiegelung am klarsten im Berufsbildungsrecht: Privatsphäre des Marktes mit öffentlichen Sprähe des Staates zielorientiert verschränkt )
  10. DUALES MODELL Kriterien
    • Quantitativen Relationen: Bedarf und Berufsausbildung zwar von Markt vermittelt (Angebotsmarkt),
    • Wenn Betriebe jedoch als Qualifikationsanbieter auftreten, unterwerfen Sie sich den gesetzlich staatlichen Normen

    Art beruflicher Qualifikation (qualitativer Aspekt): primär gerichtet nach beruflicher Verwendungssituation im Betrieb

    An Definition von Qualifikationszielen wirken jedoch außer den Betrieben noch der Staat und Interessengruppen mit (z.B. Gewerkschaften, berufl. Fachverbände)

    • Betrieb = Träger der Ausbildung
    • Berufsausbildungsprozesse müssen jedoch nach staatlich gesetzten Normen organisiert werden und unterliegen direkten oder indirekten staatlichen Kontrollen

    Kosten Ausbildung tragen prinzipiell Betriebe

    • Charakteristisch für duale Ausbildungsmodelle jedoch reglementierte Finanzierungsmodelle (z.B. Fondsfinanzierung) u./ o. mehr oder weniger umfangreiche staatl. Teilfinanzierung
    • [in DE z.B. Finanzierung Berufschule]

    Grad Systematisierung und Pädagogisierung im Prinzip je nach Bedarf steuerbar

    Stärksten Hebel für solche Steuerungen bietet die Variation von Finanzierungsmodalitäten
  11. Fazit 3 Grundmodelle Berufsbildung
    Duales System ≠ optimiertes System

    Alle 3 in langen historischen Wachstumsprozessen ca. gleichzeitig entstanden

    Alle 3 ihre Leistungsfähigkeit

    Diese Grundtypen nicht direktes Abbild von Realformen

    Diese Grundtypen eher Modellcharakter

    Kaum 1 Land wo ein Grundtyp in Reinform existiert

    In einem Land meist 2 o. 3 Grundtypen vermischt, bloß eins herrscht

    Diese Grundtypen = analytisches Instrument
  12. Handwerksmodell
    Entstehung deutsche Variante dual organisierter Berufsausbildung im letzten Drittel 19. Jhd.

    • Zur Zeit der Industrialisierung mit den Quali.-Stufen:
    • Lehrling – Geselle – Meister wiederbelebt
    • (dienten: polit. und sozialen Stabilisierung)
  13. Entwicklungsgeschichte: Duales System der Berufsausbildung in Deutschland
    • = Andauernder Versuch der Bewältigung von in der Zeitfolge variierenden „objektiven“ Problemlagen
    • (= relative Autonomie)
  14. Entwicklung Duales System Berufsausb. in DE
    • 1. GRÜNDUNGSPHASE (1870-1920):Restauration der Handwerksausb. u Fortbildungsschule
    • = Begleiterscheinungen umfassend polit. Reaktionen auf soz. u. ökonom. Auflösungsprozesse der Gsl.
    • In DE an Schwelle zum 20.Jhd. antiquitiertes Ausb.modell Handwerk per Gesetzgebung wiederbelebt
    • (damals: konservativ-klirekale Variante Mittelstandspolitik , 2.Welle: liberale Variante)
    • Fortbild.sch. existierten im 19.Jhd. in DE als allgm. Schulen als auch als gewerbliche (handwerksausb.dienende) Einrichtungen
    • -> Im Zuge liberaler Schulreformen diese Schulen zws. 1845 u. 1914 vereinheitlicht u. als berufl. orientierte Pflichtschulen zur Ergänzung zur Ergänzung neu geordneter Handwerksausb. durchgesetzt 


    2. KONSOLIDIERUNGSPHASE (1920-1970): Industrietypische Lehrlingsausb. und Berufsschule

    Versuch dem vorindustriell geprägten , moderne u. übersichtliche Strukkturen zu verleihen

    • Ab 1920er J. (Weimarer Rep.)
    • Im Nationalsozialusmus weitergeführt (eigene ideologischer Komponente)
    • Nachkriegszeit (1945-1970) -> Bundesrep. DE entideologisierte Wiederaufnahme

    Versuch Industie: eigene moderne, systematisierte Ausb. aufzubauen

    Versuch Schulreformen u. staatl. Bürokratie: einheitliches u. leistungsfähiges Berufschulwesen zu schaffen

    Versuch gewerkschaftl. orientierte Kräfte: betriebl. Ausb. aus ihrer rechtlichen Einbindung in Gewerbe bzw. Wirtschaftsgesetzgebung zu befreien


    • Bemühungen umfassende Regelungen Lehrlingswesen in GESETZ 1918 -> erst 1969 in Kraft getreten
    • 14.08.1969: Berufsausbildungsgesetz (BBiG)

    ( erst ab hier ofiziell duales System)

    • "Ausb.recht 1969" -> Angelegenheit der "Wirtschaft"
    • berufl. B. weitgehend Interessenpolitik der A.-geber unterworfen

    Berufsbild.-gesetz versteht... berufl. B = öffentl. Aufgabe   ≠ ausschl. staatl. o. private


    Ordungspolitik Grundlage:Mischsystem aus marktwirtschaftl. , staatl. u. korporativen Steuerungselementen

    Grundlage Modernisierungsprozess: Durchsetzung Beruflichkeit

    moderner Charakter: durch Universalisierung

  15. Kennzeichen Industialisierung
    -Technisierungzunehm. Einsatz Maschinen (ersetzen menschl. Arteit u. rationalisieren diese)

    -Funktional und hierarchisch strukturierte Neuorganisation aller Produktionsbereiche

    -Spezialisierung von Arbeitfertigkeiten

    -Verlagerung aller Produktionsfunktionen aus Familie u. Haushalt in Produkktionsbetriebe

    -Dynamisierung als wiss.sch.lichen u. technisch ökonomischen Fortschritt

    -Nachhaltige Veränderung der Sozialstruktur, des polit. Systems u. der kulturellen Orientierung
Author
ReginaK.
ID
354376
Card Set
BiWi 1C: Bildung, Arbeit und Beruf
Description
Berufsbildungssysteme Entstehung/ Geschichte Duales System DE
Updated