Herzklappenerkrankungen

  1. Wie können Herzklappenerkrankungen behandelt werden?
    Leichte Herzklappenveränderungen werden meist nur beobachtet. Wenn Beschwerden auftreten oder sich bei einer Kontrolluntersuchung eine Verschlechterung zeigt, kommen unterschiedliche Behandlungen infrage. Viele Menschen erhalten eine Herzklappenprothese, manchmal ist aber auch ein anderes Vorgehen möglich.

    Die Planung der Behandlung und die Verfahren selbst – ein Kathetereingriff oder eine offene Operation am Herzen –, sind aufwendig. Deshalb werden Menschen mit Herzklappenerkrankungen von verschiedenen Ärztinnen und Ärzten betreut, die als sogenanntes Herz-Team zusammenarbeiten, oft im Verbund mit speziellen Krankenhäusern (Herz-Zentren).

    Die Entscheidung für eine bestimmte Behandlung hängt von vielen persönlichen Faktoren ab: zum Beispiel vom Alter oder zusätzlichen Erkrankungen, von der Ursache und vom Schweregrad der Herzklappenerkrankung. Es kommt aber auch darauf an, welche Herzklappe in welchem Ausmaß erkrankt ist.
  2. Wie wird eine Verengung (Stenose) der Aortenklappe behandelt?
    • Eine Aortenklappenstenose ist hierzulande die häufigste Herzklappenerkrankung. Dabei ist die Klappe zwischen linker Herzkammer und der Hauptschlagader verengt. Das Herz muss dann mehr Kraft aufbringen, um genügend Blut in den Körper zu pumpen. Kommt es dadurch zu Beschwerden oder besteht ein Komplikationsrisiko, wird die verengte Klappe meist durch eine Klappenprothese ersetzt. Dazu kann eine offene Operation nötig sein, oft kann die Klappenprothese aber auch mithilfe eines Katheters eingesetzt werden. Es gibt zwei verschiedene Prothesenformen:
    • Mechanische Klappenprothesen: Verschiedene Prothesenmodelle aus Metall und Kunststoff können die Funktion der natürlichen Klappe übernehmen. Wenn die Klappenprothese einwandfrei schließt, ist bei jedem Herzschlag ein leises Klicken zu hören. Der Vorteil der mechanischen Klappen ist ihre lange Haltbarkeit. Sie werden deshalb vor allem bei jüngeren Menschen eingesetzt – insgesamt aber nur noch selten. Ihr Nachteil ist, dass sich an ihnen Blutgerinnsel bilden und die gesamte Klappenprothese verstopfen können (Klappenthrombose). Gerinnsel können auch mit dem Blut in den Körper gelangen und dort ein Blutgefäß verschließen (Embolie). Passiert das zum Beispiel im Gehirn, kommt es zu einem Schlaganfall. Um solche Komplikationen zu verhindern, nehmen Personen mit einer mechanischen Herzklappe ihr Leben lang Medikamente ein, die die Blutgerinnung hemmen (Antikoagulanzien). Als Nebenwirkung dieser Mittel können Beschwerden wie blaue Flecken auftreten. Schwere Blutungen im Magen-Darm-Trakt oder im Gehirn sind seltene Nebenwirkungen – können aber lebensbedrohlich sein.
    • Biologische Klappenprothesen: Sie werden zum Beispiel aus Rinder- oder Schweineherzen gewonnen. Herzklappenspenden von verstorbenen Menschen sind auch möglich, aber eher die Ausnahme. Bei biologischen Prothesen ist es nicht grundsätzlich nötig, dauerhaft Antikoagulanzien einzunehmen, um die Blutgerinnung zu hemmen. Allerdings halten diese Klappen nicht so lange wie die mechanischen: Bei biologischen Aortenklappenprothesen steigt zum Beispiel 10 bis 15 Jahre nach der Operation das Risiko, dass sie verkalken und ein erneuter Eingriff nötig wird. Biologische Klappenprothesen werden in der Regel bei Menschen über 60 Jahre verwendet oder bei jüngeren, die nicht dauerhaft blutverdünnende Mittel einnehmen können.

    Bei manchen jungen Menschen kann die Aortenklappe gegen eine eigene Herzklappe ausgetauscht werden. Dafür wird die Klappe, die zwischen rechter Herzkammer und dem Lungenkreislauf sitzt (Pulmonalklappe), entnommen und an die Stelle der Aortenklappe gesetzt. Die fehlende Pulmonalklappe wird durch eine biologische Klappenprothese ersetzt. Da eine Prothese an dieser Position weniger beansprucht wird, kann sie dort länger halten.
  3. Wie wird eine Schwäche (Insuffizienz) der Mitralklappen behandelt?
    Der zweithäufigste Klappenfehler ist die Mitralklappeninsuffizienz. Bei dieser Erkrankung ist die Klappe zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer undicht. Die Folge: Wenn sich die linke Herzkammer zusammenzieht, drückt sie einen Teil des Blutes nicht in den Körper, sondern zurück in den linken Vorhof.

    Auch bei einer Mitralklappeninsuffizienz kann – ähnlich wie bei einer Aortenklappenstenose – eine Klappenprothese eingesetzt werden. In der Regel lässt sich die eigene Mitralklappe aber durch verschiedene Eingriffe erhalten. Per Katheter oder im Rahmen einer offenen Operation wird die Funktion der Mitralklappe wiederhergestellt.

    Solche Eingriffe werden von Fachleuten als Klappenrekonstruktion bezeichnet. Die Klappe kann dabei mit Gewebe – zum Beispiel aus dem Herzbeutel – etwas verstärkt werden. Wenn die Mitralklappe nicht mehr richtig im Herzmuskel befestigt und deshalb undicht ist, kann sie mit festen Kunststofffäden wieder fixiert werden. Eine zu weite Klappe kann auch durch das Einnähen eines Kunststoffrings wieder in die richtige Form gebracht werden, sodass sie im geschlossenen Zustand wieder dichter hält.

    Eine andere Möglichkeit ist, die Segel der undichten Klappe mit einem kleinen Metall-Clip etwas zusammenzuziehen, sodass sie sich wieder vollständig verschließen kann.
  4. Wie werden andere Klappenerkrankungen behandelt?
    Auch bei selteneren Klappenerkrankungen kommen die beschriebenen Behandlungsverfahren infrage. Wenn die Aortenklappe undicht ist (Aorteninsuffizienz), kann zum Beispiel eine Klappenrekonstruktion hilfreich sein. Meist ist jedoch eine Prothese sinnvoll.
  5. Wie laufen Kathetereingriff und offene Herz-Operation ab?
    Der Katheter wird über einen kleinen Schnitt in ein Blutgefäß – meist in der Leiste – eingeführt. Über den Katheterschlauch können dann zum Beispiel eine Aortenklappenprothese oder ein Mitralklappen-Clip bis ins Herz vorgeschoben und platziert werden. Bei solchen Verfahren sind Komplikationen wie Wundheilungstörungen oder Infektionen seltener. Nebenwirkungen beim Katheterverfahren sind eher Verletzungen durch den Katheter oder Herzrhythmusstörungen. Meist erholt man sich aber nach dem Eingriff schneller wieder als nach einer OP am offenen Herzen. Ob ein Kathetereingriff auch langfristig vorteilhafter ist, ist noch nicht durch Studien belegt.

    Bei einer Operation am offenen Herzen wird der Brustkorb in Vollnarkose geöffnet. Das Herz wird dabei künstlich angehalten. Während der Operation übernimmt eine Herz-Lungen-Maschine seine Pumpfunktion. Solche Operationen belasten den Körper und es braucht Zeit, bis die Wunde abgeheilt ist. Komplikationen können Blutungen und Infektionen sein. Das Komplikationsrisiko ist vor allem bei alten, gebrechlichen oder durch eine andere Erkrankung geschwächte Menschen erhöht.

    Manchmal ist eine Operation aber auch durch einen kleineren Schnitt in sogenannter Schlüsselloch-Technik (minimal invasiv) möglich. Solche Eingriffe werden in der Regel nur dann gemacht, wenn Kathetereingriff und offene Operation nicht möglich sind.
  6. Medikamente
    Können auch Medikamente helfen?

    Mit Medikamenten lassen sich die Veränderungen an einer Herzklappe nicht beheben. Medikamente können aber ein Teil der Behandlung sein. Ein Beispiel sind gerinnungshemmende Mittel nach dem Einsatz einer Klappenprothese. Aber auch wenn die Herzklappenerkrankung zu Spätfolgen geführt hat, sind Medikamente sinnvoll. Bei einer Herzschwäche kommen zum Beispiel blutdrucksenkende Mittel oder harntreibende Medikamente infrage.nach obenIst eine Behandlung immer nötig?

    Bei leichten Herzklappenveränderungen, die keine Beschwerden machen, ist oft keine Behandlung nötig. Dann wird meist in regelmäßigen Kontrolluntersuchungen darauf geachtet, ob sich die Funktion der Klappe verschlechtert hat oder Symptome auftreten. Aber auch sehr gebrechliche Menschen mit schweren Herzklappenerkrankungen entscheiden sich manchmal gegen eine Behandlung, weil sie ihr Leben nicht verlängern oder die Lebensqualität nicht verbessern würde.
  7. Herzkreislauf
    Image Upload 2
  8. Symptome
    Zu Beschwerden führt eine Herzklappenerkrankung erst, wenn das Herz nicht mehr genügend Blut in den Körper pumpen kann. Wenn eine Herzklappe nur leicht undicht oder nur etwas verengt ist, kann das Herz das oft ausgleichen, indem es kräftiger schlägt. Eine leichte Herzklappenerkrankung kann deshalb lange unbemerkt bleiben.

    • Wenn eine Klappe aber stark geschädigt ist, staut sich Blut im Herzen oder in der Lungeund letztlich im gesamten Kreislauf. Dann kommt es zu Symptomen wie:
    • Schwäche, Leistungsknick
    • Schwellungen (Ödeme), besonders an den Unterschenkeln
    • unregelmäßiger, schneller oder langsamer Puls
    • Atemnot und Husten, vor allem nachts
    • Engegefühl und Schmerzen in der Brust
    • Ohnmachtsanfälle
  9. Ursachen
    In Ländern wie Deutschland ist vor allem Verschleiß die Ursache für Herzklappenerkrankungen: Die Klappen können mit zunehmendem Alter langsam verkalken und sind dann weniger beweglich.

    Es gibt aber noch weitere, seltenere Ursachen: So können Herzklappen durch eine akute bakterielle Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) geschädigt werden. Eine Endokarditis führt oft auch dazu, dass sich eine leichte Herzklappenerkrankung plötzlich verstärkt. Das sogenannte rheumatische Fieber – oft infolge einer bakteriellen Infektion an einer anderen Stelle im Körper – kann ebenfalls zu Klappenerkrankungen führen. Das kommt hierzulande aber nur noch selten vor.

    Bei manchen Menschen sind die Herzklappen von Geburt an anders geformt als normalerweise. Das erhöht das Risiko, dass die Klappe im Laufe des Lebens verengt oder nicht mehr richtig schließt.

    Manchmal sind die Herzklappen an sich gesund, aber das Herz hat sich so stark vergrößert, dass die Klappen sich nicht mehr richtig schließen können. Verschiedene Ursachen kommen für die Herzvergrößerung infrage, etwa eine Schwäche, Entzündung oder Durchblutungsstörung des Herzmuskels, chronischer Alkoholkonsum oder Stoffwechselerkrankungen.

    Auch wenn der Herzmuskel im Randbereich einer Herzklappe – etwa durch einen Herzinfarkt – geschädigt ist, kann die Klappenfunktion gestört sein.
  10. Verlauf
    Oft kann das Herz eine verengte oder undichte Klappe jahre- oder jahrzehntelang gut ausgleichen. Damit das gelingt, muss der Herzmuskel jedoch mehr arbeiten. Dadurch wird er dicker und das Herz größer. Bleibt das Herz auf Dauer überlastet, bilden sich diese Veränderungen nicht mehr zurück, sondern schreiten weiter fort. Der verdickte Herzmuskel ist weniger elastisch als zuvor, die Herzkammern „leiern aus“, und das Herz wird insgesamt schwächer. Beschwerden treten dann zunächst nur bei körperlicher Anstrengung auf, später auch in Ruhe. Es kann eine lebensbedrohliche Herzschwäche entstehen.

    Andere Krankheiten des Herzens können Beschwerden durch Schäden an den Herzklappen verstärken. Dies passiert vor allem bei einer koronaren Herzkrankheit sowie bei Herzrhythmusstörungen wie dem Vorhofflimmern. Auch nach einem Herzinfarkt können vorher schon geschädigte Herzklappen dann plötzlich zu Beschwerden führen. Ein Herzinfarkt kann aber auch bei nicht vorgeschädigter Herzklappe zu einer akuten Schwäche führen.
Author
webmpk
ID
344695
Card Set
Herzklappenerkrankungen
Description
ges.de Herzklappenerkrankungen
Updated