Orbitafrakturen #

  1. Definiere den Begriff: Orbitafrakturen.
    • • Frakturen des Orbitatrichters, bei denen es zur traumatischen Einklemmung von Eeichteilgewebe und/oder der Nervi infra- und supraorbitalis kommen kann
    • • Orbitafrakturen können isoliert oder in Kombination mit komplexen Frakturen des Gesichtsschädels auftreten
  2. Was sind die häufigsten Verletzungsursachen bei Orbita#?
    • • Rohheitsdelikte/ Faustschläge
    • • Verkehrsunfälle
    • • Unfälle des täglichen Lebens
    • • Sportunfälle
    • • Arbeitsunfälle
    • - 78% sind Männer
    • - 55% Pat. zwischen 20- 40 Jahren
  3. Was sind die häufigsten Frakturorte bei Orbita#?
    • • im Bereich des Orbitabodens:
    • - der Orbitaboden befindet sich freischwebend über der Kieferhöhle
    • - die Region des Canalis infraorbitalis und der Bereich medial davon bildet den dünnsten Anteil des Orbitabodens und stellt die bruchgefährdetste Zone dar
    • • isolierte Orbitawand# sind seltener, da die Siebbeinlamellen durch ihre pfeilartige Anordnung eine Verstärkung bilden
    • • isolierte laterale Orbitawand# und isolierte Orbitadach# sind selten
  4. Erläutere den Pathomechanismus der Blow-out-#. #
    • • durch einen dumpfen Schlag führt der Bulbus eine Dorsalbewegung durch
    • • orbitale Weichteile werden komprimiert und der intraorbitale Druck steigt an
    • • die Orbitahöhle gibt an ihrer schwächsten Stelle , wie ein Überdruckventil nach und bricht trichterförmig in den Kieferhöhlenboden ein
    • • der Orbitaboden bricht meist an seiner schwächsten Stelle, also im Bereich des Canalis infraorbitalis und nasal davon
  5. Erläutere den Pathomechanismus der Theorie der Knochentransmission. #
    • • bei einem direkten Schlag auf den Orbitarand wird die einwirkende Energie vom Orbitarand resorbiert und dieser dadurch gestaucht
    • • die Elastizität des Orbitarandes macht ein Zurückkehren in die ursprüngliche Position möglich, ohne das es dort zu # kommt
    • • die Energie wird jedoch in die knöcherne Orbitahöhle fortgeleitet und auf die Wände der Augenhöhle übertragen
    • • an Stellen geringerer Widerstandskraft, also dünnwandigen Strukturen wie dem Orbitaboden, kommt es dann zu #
    • • eine Krafteinwirkung auf den Orbitarand kann somit einen sog. Biegungsbruch des Bodens ohne Kompression der orb. Weichteile produzieren
  6. Erläutere den Mechanismus der Orbitaboden# bei Kindern und Jugendlichen. #
    • • aufgrund der höheren Elastizität der Orbitaknochen kommt es nicht zum Einbruch des Orbitabodens
    • -> Trapdoor- oder Falltürmechanismus:
    • • Orbitaweichteile werden zwischen den scharfkantigen, auffedernden und sich wieder schließenden Frakturstücken eingeklemmt und geschädigt = sog. Inkarzeration
    • • nur in den seltensten Fällen ist der rect. inf. selbst eingeklemmt
    • • ggf. ist sogar der Ramus inf. des NIII betroffen, indem bei weit hinten liegenden Orbita# durch Hineinpressen eine Art Abscherungsmechanismus den Nerv direkt schädigt oder die ausgelöste Kompression des Nerven durch den Anstieg des intraorbitalen Drucks
    • • Kombi von mech. und intraorbitaler neurogener Motilitätsstörung
    • • durch Muskelzug kann der okulokardiale Reflex ausgelöst werden
    • • Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen sind häufige Begleitsymptome
  7. Nenne und erkläre die Symptomatik bei Orbitafrakturen.
    • • Schmerzen und Schwellung
    • • Hämatom (Lidhämatom, Monokelhämatom)
    • • Hyposphagma (unterblutete BH)
    • • Exophthalmus (durch Orbitaemphysem = entstandene Verbindung zu den Nasennebenhöhlen gelangt Luft in die Orbita und verdrängt den Bulbus; Nase putzen verboten!)
    • • Enophthalmus (als Folge einer Erweiterung der Orbita nach unten/medial und ein erheblicher Teil in die Kieferhöhle prolabiert)
    • • Sensibilitätsstörungen (Ausbreitungsgebiet des N. infraorbitalis)
    • • Visusminderung (HHVerletzungen, Linsenverletzung, Opticusschädigung, GKEinblutung, NHÖdem etc.)
    • • Motilitätsstörungen
    • • Diplopie (entspr. der Motilitätsstörung), auch an monok. Diplopie denken; können nach Schwellungsrückgang verschwinden
    • • Schielwinkel/- inkomitanz
    • • KZH (bin. um BES zu erreichen, mono. um Schmerzen auszuweichen
  8. Welche Ursachen haben die Motilitätsstörungen bei Orbita#?
    • 1. passive, mechan. Einschränkung:
    • • durch direkte Einklemmung von Binde- oder seltener Muskelgewebe (Inkarzeration)- führt zu Elastizitäts- und Kontraktionsstörung des betroffenen Muskels
    • • durch direktes Muskeltrauma (Einblutung, Schwellung, Durchtrennung
    • 2. neurogene Ursachen:
    • • durch ein Trauma in der Orbita kommt es zu einer peripheren Nervenschädigung
    • • bei starkem Trauma kommt es möglicherweise auch zu einer zentralen Störung (SHT)
  9. Nenne und erkläre die typischen Symptome der mechanischen Motilitätsstörungen, welche zur Diagnostik und zur Differenzierung von Paresen geprüft werden müssen. #
    • Anamnese
    • Anschlagphänomen: Bewegungseinschränkung setzt sehr plötzlich ein, beim Prüfen der Motilität ist ruckartig keine weitere Exkursion möglich durch verminderte Elastizität des Gewebes, am Ende der monokularen Exkursionsstrecke kommt es zum sprunghaften Anstieg des Schielwinkels
    • Umschlagphänomen: z.B. Umschlag der VD von Auf- zu Abblick durch verminderte Elastizität und Kontraktionsfähigkeit
    • Bulbusretraktion: in der eingeschränkten Blickrichtung durch verminderte Dehnbarkeit eines Muskels, z.B. verminderte Dehnbarkeit des rect. inf. führt ggf. zu einer Bulbusretraktion im Aufblick
    • blickrichtungsabhängige Tension: in der eingeschränkten Blickrichtung durch verminderte Dehnbarkeit des rect. inf. im Aufblick
    • positiver Traktionstest/ forced-duktion-Test/ Pinzettenzug-Test: passive Beweglichkeit ist durch fehlende Elastizität des Muskels eingeschränkt (Tropfenanästhesie nötig)
  10. Welche Befunde müssen bei einer Orbitafraktur orthoptisch erhoben werden?
    • orientierendes BES-Feld am Maddox-Kreuz: DB-Analyse, ob DB im Gebrauchsblickfeld vorliegen, ob Fahrtauglichkeit besteht
    • Binokularfunktionen: ggf. in KZH, ggf. Korrespondenzprüfung
    • KZH: wird diese aus monok. Gründen (zur Aufnahme der Fixation, Bewegungsschmerz etc.) oder aus binok. Gründen (um BES zu erhalten) eingenommen?
    • Stellungsbeurteilung und Winkelmessung in F/N, PP und KZH (Bagolini nach Winkelausgleich)
    • Motilitätsprüfung und monok. Exkursionsstrecken messen
    • Visusprüfung
    • • Untersuchung an der Harmswand (Winkelmessung in kleineren Schritten und extremer BRT ggf. wegen dem Umschlagpunkt, BES-Feld, auf Umschlag- und Anschlagphänomen achten, BKNT)
    • Hertel-Test, Lidspaltenweite (Exophthalmus/Enophthalmus)
    • Sensibilitätsprüfung (mit Tupfer über gleichzeitig R/L über Nase, Wange, Oberlippe streichen)
    • Pupillomotorik (neurogene oder supranukleäre Störungen?)
    • Blickmotorik (Prüfung der Folgebewegungen, Sakkaden
  11. Was sind die Differentialdiagnosen der Orbitafrakturen?
    • • DD‘s schließen sich durch die Anamnese aus
    • • aber man sollte immer bedenken, dass es zusätzlich auch zu Paresen kommen kann
  12. Was sind die Therapieziele nach Orbitafraktur? #
    • • stabile Verhältnisse im Frakturbereich
    • • Beseitigung des Enophthalmus
    • • doppelbildfreies Gebrauchsblickfeld, voller Visus
  13. Nenne und erkläre die konservativen Therapiemöglichkeiten bei Orbitafrakturen? #
    • • Schmerzmittel bei Schmerzen
    • • Antibiotika zur Verhinderung einer orbitalen Infektion
    • • abschwellende Medikamente (lokal und systemisch)
    • • Schneuzverbot zur Vermeidung eines orbitalen Emphysems
    • • Bewegungsübungen, wenn keine Inkarzeration von Muskelgewebe vorliegt; durch Bewegungsübungen werden die eingeklemmten Weichteile gedehnt und somit Narbenbildung verhindert
    • • Prismenausgleich/ vorübergehend Okklusion je nach Verlauf, ggf. bei Prismentherapie später Reduktion versuchen
    • -> bei Orbitafrakturen ohne Einklemmung reicht häufig eine konservative Therapie aus!
  14. Was sind die Indikationen für eine Frühoperation bei Orbitafrakturen?#
    • bei Trapdoor-Fraktur wegen der Schmerzen, akuten Begleitsymptomatik und wegen der besseren funktionellen Langzeitergebnisse
    • Diplopie im Gebrauchsblickfeld
    • keine Tendenz zur Rückbildung erkennbar
    • bei ausgeprägtem Enophthalmus
    • -> Zeitpunkt ist individuell und hängt von Beschwerden und der Symptomatik ab
  15. Was sind die Ziele der operativen Maßnahmen bei Orbitafrakturen?
    • • Berfreiung und ggf. Reposition des eingeklemmten Gewebes
    • • Rekonstruktion und Stabilisierung des Frakturbereiches
Author
sandrum87
ID
343402
Card Set
Orbitafrakturen #
Description
Orbitafrakturen
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