Obliquusstörungen #

  1. Beschreiben sie den Verlauf des Nervus trochlearis! #
    • - die paarigen Zellkerne liegen im Hirnstamm in der grauen Substanz des Mesencephalon
    • - unterhalb des NIII- Kerngebietes
    • - auf Höhe der Vierhügelplatte (bestehend aus den Colliculi superiores und inferiores)
    • - Colliculi superiores = Teile der Sehbahn
    • - Colliculi inferiores = Teile der Hörbahn
    • - relativ weit hinten, kurz vor dem Aquädukt
    • - laterale und ventrale Begrenzung durch MLF
    • - verläuft nach dorsal
    • - kreuzt noch im Hirnstamm hinter dem Aquäductus cerebri zur Gegenseite
    • - Austritt aus dem Hirnstamm dorsal unterhalb der Vierhügelplatte
    • - direkt auf diese Stelle zeigt der Tentoriumsschlitz (Falz des Kleinhirnzeltes, Bindegewebe, welches Kleinhirn vom Großhirn trennt als Schutzfunktion)
    • - verläuft auf der Tentoriumskante um den Hirnstamm herum nach vorne
    • - tritt dann an der Klivuskante durch die Dura mater
    • - durchläuft den Sinus cavernosus weit temporal in Nachbarschaft von:
    • A. carotis interna, NIII, N. abducens, N V 1. und 2. Ast
    • - dann Eintritt in die Orbita durch die Fissura orbitalis superior
    • - durchläuft NICHT den Zinn'schen Ring
    • - inseriert in den M. obl. superior
  2. Was sind die häufigsten Läsionsorte bei Obliquusstörungen?
    • 1 Kernstörungen: selten isoliert, meist ist dann auch der N III mitbetroffen durch enge Nachbarschaft
    • 2 Hirnstamm: dann bds., da Hirnnerv im Hirnstamm kreuzt, kommt relativ häufig vor bei Traumen
    • 3 Klivuskante: durch Quetschung z.B. Tumor
    • 4 Sinus cavernosus: dann kombiniert mit anderen AM- Paresen
    • 5 Orbitaspitze: auch kombiniert mit anderen Paresen
    • 6 Orbita: Dislokation der Trochlea nach Trauma z.B. Trochleaabriss, dadurch ist der Verlauf verändert, Trochälea liegt weiter hinter, Senkung wird unmöglich, Muskel- oder Sehnenanomalie nach Trauma oder angeboren
  3. Was sind mögliche Ursachen bei der erworbenen Trochlearisparese? #
    • 1 am häufigsten: traumatisch, nach Schleudertrauma oder Sturz auf den Hinterkopf- dann meist bds., da Läsion an der Kreuzungsstelle liegt; oder Trochleaverletzung z.B. Dislokation nach hinten
    • 2 häufig: vaskulär, DBS im Bereich des Kerngebiet; kleinere Blutungen im Bereich des Kerngebietes, dann auch mit NIII Beteiligung; größere Blutungen im Subarachnoidalraum; Aneurysmen
    • 3 selten: raumfordernd; Hirnstammtumore, Kleinhirntumore
    • 4 sehr selten: entzündlich; Meningitis/ Encephalitis; (sehr selten MS bei kurzem faszikulärem Verlauf)
  4. Beschreiben sie das Erscheinungsbild der einseitigen erworbenen Trochlearisparese! #
    • subj. : 1 vertikale verkippte DB, besonders im Abblick
    • 2 DB in der Nähe stärker als in der Ferne
    • 3 ggf. Lokalisationsstörung mit Schwindel

    • obj. : 1 Senkungsdefizit mit Höherstand des betr. Auges in Adduktion, bes. Abblick
    • 2 Exzykloabweichung bes. im Abblick (Abduktion)
    • 3 V- Inkomitanz
    • 4 KZH: Kinnsenkung und Neigung, ggf. Drehung zur Gegenseite
    • 5 Trennlinie des BES- Feldes verläuft eher horizontal
    • 6 monokulare Exkursion häufig nur gering eingeschränkt
    • 7 positiver BKNT, bes. im Abblick
  5. Was ist die traditionelle Erklärung des BKNT am Beispiel Trochlearisparese os? #
    • - bei Kopfneigung müssen die Augen eine kompensatorische Gegenrollung machen, um die Netzhautmeridiane senkrecht zu halten
    • - bei Ausfall des linken obl. sup. muss bei Neigung zur linken Seite der rec. sup. die Gegenrollung alleine übernehmen, (ggf. sogar verstärkt, weshalb es auch zu einer verstärkten Hebung kommen kann), zudem wird seine hebende Wirkung nicht mehr durch die senkende Wirkung des obl. sup. ausgeglichen, sodass es zu einer Zunahme des Höherstandes kommt
    • - bei Rechtsneigung muss das rechte Auge eine Einwärts-, das linke Auge eine Auswärtsrollung ausführen
    • - die Auswärtsrollung links wird durch den obl. inf. und den rec. inf. geleistet, deren rollende Wirkung sich ergänzt, während die anderen Funktionen (Hebung, Senkung, Abd- und Adduktion) sich kompensieren, sodass keine oder geringe vertikale Abweichung entsteht
    • -> Verwirrung des Otolithenreflexes, welcher eine Überinnervation des gleichseitigen rect. sup. auslöst
  6. Welche besonderen Befunde müssen zusätzlich bei einer Trochlearisparese erhoben werden?
    • 1 Inkomitanzmessung, möglichst in 9 BRT
    • 2 Cyclomessung (eine große Excyclo > 10* ist immer sehr verdächtig auf eine bds. Trochlearisparese)
    • 3 BKNT
    • 4 BES- Feld bestimmen
    • 5 KZH bei monokularer und binokularer Fixation
    • 6 vertikale Fusionsbreite (ist bei DD Sursoadduktorius häufig erweitert)
    • 7 bei Pat. mit SHT ggf. Cycloausgleich am PDH oder Synoptophor, um eine Fusionsstörung auszuschließen (dann p.o. auch kein BES möglich)
    • 8 ggf. Marlow- Verband für die OP- Dosierung
    • 9 ggf. Fotoanamnese, wenn Beginn nicht klar angegeben werden kann (KZH?)
  7. Was sind die Differentialdiagnosen zur einseitigen Trochlearisparese? #
    • 1 Strab. surso. - hier besteht kein wesentlicher Unterschied zwischen Auf- und Abblick in Adduktion, eher noch im Aufblick die größte Abweichung; anamnestisch schon lange bestehend, häufig schon als Kind KZH
    • 2 congenitale Trochlearisparese - wie Surso, aber mit größerer vertikaler Abweichung im Abblick- Adduktion
    • 3 Trochlea- oder Sehnenverletzung - anamnestisch zu erfragen
    • 4 bilaterale Trochlearisparese - Leitsymptom: Excyclo >10*, im Abblick >20*
  8. Erläutern Sie die konservativen Therapiemöglichkeiten der erworbenen einseitigen Trochlearisparese. #
    • 1 neurologische oder internistische Abklärung, wenn Ursache unklar ggf. inkl. Bildgebung
    • 2 Prismenausgleich - könnte schwierig werden, da sich die Pat. noch durch die große Excyclo gestört fühlen; beschrieben ist hier aber auch, dass eine Adaptation stattfindet - wenn längere Zeit Prismen getragen wurden, kann das Erscheinungsbild auch einem Surso. ähneln mit angepasster Motilität auch im Aufblick (nicht täuschen lassen!)
    • 3 Okklusion - wenn DB dauerhaft und störend sind und ein Prismenausgleich erfolglos war
  9. Erläutern Sie die operativen Therapiemöglichkeiten der erworbenen einseitigen Trochlearisparese. #
    • - frühestens nach 1 Jahr, Regenerationszeit abwarten
    • 1 Obl. sup. Faltung: bei großen vertikalen Winkeln im Abblick ist eine Stärkung des obl. sup. notwendig; hier besteht allerdings die Gefahr einer p.o. Brown- Syndroms ( hierbei wurde die Sehne des obl. sup. so weit gekürzt, dass bei Hebung des Auges der Muskelbauch von hinten an die Trochlea stößt und ein Durchgleiten blockiert (lässt meist innerhalb einiger Wochen nach, spätestens nach 1 Jahr)
    • 2 Obl. inf. Rücklagerung: wird entweder durchgeführt in Kombi mit der obl. sup. Faltung bei großen Winkeln, oder auch nur, wenn schon Sekundärveränderungen aufgetreten sind und auch im Aufblick eine deutl. Vertikalabweichung zu messen ist
    • 3 Hinterrandfaltung des obl. sup.: wenn man bes. die vertikale Abweichung beeinflussen möchte ohne wesentl. Zyklo, operiert man nur den hinteren Ansatz des obl. sup. - wenn man hauptsächlich die rotatorische wirkung beeinflussen, stärkt man eher den vorderen Ansatz (Vorderrandfaltung)
    • 4 Parese gegen Parese: als Zweiteingriff, hierbei wird der gegenseitige Synergist geschwächt (rec. inf. Rücklagerung)
  10. Wie ist die Prognose bei der erworbenen einseitigen Trochlearisparese? #
    • - richtet sich nach der Ursache:
    • - bei vaskulärer Ursache kommt es häufig zu einer kompletten Regeneration bei einigen Fällen hilft aber nur eine Augenmuskeloperation nach einem Jahr
    • - bei posttraumatischen Paresen ist je nach Ursache eine vollständige Rückbildung möglich ggf. kann aber auch keine Befundverbesserung verzeichnet werden. Meist besteht eine deutliche Zyklorotation. Postoperativ sollte aber im Gebrauchsblickfeld eine gute Kompensation des Restschielwinkels bestehen ohne wesentliche KZH
    • - in Einzelfällen kann nach OP einer Trochlearisparese auf der Gegenseite ebenfalls eine Trochlearisparese sichtbar werden, welche vorher maskiert war
  11. Was sind typische differenzierende Befunde bei der bilateralen erworbenen Trochlearisparese? #
    • 1. Leitsymptom: große Excyclorotation >12*, auch eine Excyclo von 15 -20* ist keine Seltenheit, besonders noch deutliche Zunahme im Abblick (die Excyclokomponente ergänzt sich bei einem bds. Ausfall)
    • 2. Umschlag der VD zwischen Rechts- und Linksabblick (Rechtsabblick -VD, Linksabblick +VD)
    • 3. nur kleine oder keine VD in PP da sich die jeweiligen Höherstände beider Augen quasi aufheben
    • 4. BKNT: Umschlag der VD bei Rechts- und Linksneigung (bei Rechtsneigung +VD)
    • 5. KZH im Sinne einer Kinnsenkung um das BES-Feld im geraden Aufblick zu nutzen, hier auch meist normales Binokularsehen
  12. Nenne die subjektiven Beschwerden bei beidseitiger Trochlearisparese!
    • - Diplopie:
    • - bes. irritierend auf Grund der starken torsionalen Komponente und dem Umschlag der vertikalen Anordnung
    • - Zyklorotation wird von den Patienten häufig nicht korrekt angegeben, sondern muss erst erfragt werden

    - störende KZH, da sie oft sehr ausgeprägt ist
  13. Wie kommt man bei einer beidseitigen Trochlearisparese auf die Spur, wenn man keine Harmswand hat? #
    • - Umschlag der VD im Rechts- und Linksblick, ggf. nur Abblick
    • - BKNT (Umschlag der VD)
    • - Cyclo, ggf. mit kleinen Cycloglas aus dem Brillenkasten
    • - Anamnese!
  14. Beschreiben Sie die konservative Therapie bei der beidseitigen Trochlearisparese. #
    • - ist schwierig durch die große Excyclo, ggf. kann die Okklusion eines Auges erfolgen
    • - wenn ein Jahr nach Trauma oder Auftreten keine Besserung eingetreten ist, kann eine Augenmuskeloperation erfolgen
    • - sollte ein Trauma der Auslöser gewesen sein ist präoperativ unbedingt eine PHD- Messung sinnvoll, da es sich bei SHT auch um eine Fusionsstörung handeln kann und trotz OP Doppelbilder bestehen bleiben würden
  15. Was sind die Operationsmöglichkeiten bei der beidseitigen Trochlearisparese? #
    • - bds. m. obl. sup. Vorderrandfaltung: um hauptsächlich die Cyclokomponente zu beeinflussen ( Cave! p.o. Brown- Syndrom!)
    • - ggf. zusätzlich bds. obl. inf. Rücklagerung
    • - ggf. OP nach dem Prinzip der Gegenparese: meist als Zweiteingriff- nach erfolgter obl. sup. Vorderrandfaltung wird an den jeweiligen recti inf. eine Rücklagerung oder Faden- OP durchgeführt

    -> wenn die Paresen bds. nicht gleich stark ausgeprägt sind, können eventuell auch unterschiedl. OP-Strecken oder auch Varianten gewählt werden
  16. Wie ist die Prognose der beidseitigen Trochlearisparese? #
    auch nach einer oder mehreren AM-OP ist ein in allen BRT zufriedenstellendes Ergebnis selten

    Ziel: BES im Gebrauchsblickfeld

    - in vielen Fällen ist ein zweiter Eingriff notwendig, häufig besteht im Abblick noch eine Rest-Excyclo, dafür im Aufblick aber schon eine Incyclo (das Ergebnis ist zufrieden stellend, wenn in PP Parallelstand mit keiner oder nur noch geringer Zyklo besteht (prä-OP Aufklärung)
  17. Wie ist das Erscheinungsbild des Strab. sursoadduktorius? #
    • -> DD Trochlearisparese: im Abblick größere Abweichung
    • - V- Inkomitanz
    • - meist BES-Feld auf der Seite der Störung
    • - BES-Feld mit vertikaler Trennlinie, wobei häufig ausserhalb des BES-Feldes nicht doppelt gesehen wird, sondern supprimiert
    • - KZH- Kopfwendung zur Gegenseite, ggf, Neigung zur Gegenseite
    • - vertikale Abweichung kann häufig in KZH kompensiert werden: erweiterte vertikale Fusionsbreite
    • - geringe Excycloangabe, aber meist relativ konkomitant, auch paradoxe Incycloangabe möglich
    • - BKNT kann positiv oder negativ ausfallen
  18. Was sind anamnestische Besonderheiten beim Strab. sursoadduktorius? #
    • - Kinder werden häufig wegen deutlicher KZH vorgestellt, nicht wegen subj. Beschwerden
    • - Erwachsenen ist die KZH meist gar nicht bewusst und das lange Bestehen kann nur durch Fotoanamnese bestätigt werden
    • - Erwachsene stellen sich auch mit plötzlicher Diplopie nach Trauma vor-> Befund spricht aber eher für einen dekompensierten Strab. surso., ggf. trotzdem neurologisch abklären lassen
  19. Beschreibe den Pathomechanismus des Strab. sursoadduktorius. #
    • - momentan gilt folgende aktuelle Hypothese: es besteht ursprünglich eine Aplasie des N. trochlearis (konnte bei zahlreichen Patienten im MRT nicht gefunden werden)
    • -> sekundär resultiert daraus eine ausgeprägte Muskelatrophie des gleichseitigen M. obl. sup.
    • - aber es gibt eine große Streubreite in der Ausprägung der Aplasie und Atrophie

    -> damit kann ein Großteil in die Gruppe der CCDD eingeordnet werden

    (weitere Hypothese geht von einer Ansatz- oder Sehnenanomalie des obl. sup. aus)
  20. Erläutern sie die konservativen Therapiemöglichkeiten beim Strab. sursoadduktorius. #
    • - eine AM-OP ist nicht in jeden Fall notwendig: trotz deutlicher vertikaler Abweichung in Adduktion fühlen sich nicht alle Pat. davon gestört
    • -> konservativ: abwarten; geringes Prisma als Dauertherapie
  21. Erläutern sie die operativen Therapiemöglichkeiten beim Strab. sursoadduktorius. #
    • OP- Methoden:
    • 1. obl. inf. Rücklagerung in Verlaufsrichtung: wenn die VD in Adduktion nicht größer als 10* ist
    • 2. obl. inf. Rück und obl. sup. Faltung (=kombinierte Obliquuschirurgie): bei Faltung besteht die Gefahr des p.o. Brown- Syndroms
    • 3. rect. inf. Rücklagerung am Gegenauge: eher als Zweitoperation (Prinzip der Gegenparese), wenn im Abblick noch deutliche Unterfunktion am obl. sup. besteht
    • 4. obl. inf. Desinsertion (hintere Hälfte oder Drittel: wenn die Abweichung nicht so stark ausgeprägt ist, auch eher bei Sursoadduktion im Zusammenhang mit OP gegen Esotropie)
  22. Wie ist die Prognose beim Strab. sursoadduktorius? #
    • - gute Prognose bzgl. der Augenstellung p.o.
    • - ggf. geringer Restwinkel sollte in PP beschwerdefrei kompensiert werden
    • - Aufgabe der KZH
    • - ggf. p.o. Übereffekt, da der Kompensationsmechanismus p.o. genauso eingesetzt wird wie vorher, hier muss erstmal eine Umstellung erfolgen -> präop. Aufklärung
  23. Was sind die Differentialdiagnosen zum Strab. sursoadduktorius? #
    • - erworbene Trochlearisparese (im Abblick größere Abweichung)
    • - frühkindliche Esotropie mit Sursoadduktion

    -> Unterschiede werden oft erst nach Marlow- Verband eindeutiger
  24. Definiere Strab. sursoadduktorius/ deorsoadduktorius.
    Frühkindliches inkomitantes nicht paretisches Vertikalschielen mit größtem Höherstand in Adduktion/ größtem Tieferstand in Adduktion.
  25. Beschreibe das Erscheinungsbild des Strab. deorsoadduktorius. #
    • - Tieferstand des betroffenen Auges in Adduktion
    • - relativ gleichmäßig in Auf- und Abblick- Adduktion, mit stärker ausgeprägter Überfunktion des obl. sup. als Unterfunktion des obl.inf.
    • - A- Inkomitanz
    • - ggf. geringe Incycloabweichung
    • - KZH im Sinne einer Kopfneigung zur betroffenen Seite, ggf. auch bei ausgeprägtem A-Phänomen im Sinne einer Kinnhebung
    • - bei isoliertem Auftreten ist in der Regel Binokularsehen vorhanden mit BES- Feld auf der betroffenen Seite
    • - die Hebung in Adduktion ist monokular frei
    • - BKNT: positiv bei Kopfneigung zur Gegenseite
  26. Erklären sie den BKNT am Beispiel des Strab. deorsoadduktorius os! #
    • bei Rechtsneigung wird os eine Excyclo gefordert, dies kann bei Unterfunktion des obl. inf. nicht ausreichend geleistet werden, der gleichseitige rect. inf. wird als weiterer Excyclorotator vermehrt innerviert-> dieser hat aber als Hauptfunktion eine senkende Wirkung => deshalb folgt ein verstärkter Tieferstand os (+VD) bei Rechtsneigung
    • - bei Linksneigung wird os eine Incyclo gefordert, da diese geleistet werden kann, ist die +VD hier geringer
    • - ausserdem zusätzlich Verwirrung des Otolithenreflexes
  27. Welche Pathomechanismen liegen dem Strab. deorsoadduktorius zugrunde? (3) #
    • - hier werden viele verschiedene Ursachen diskutiert:
    • - isolierte rect. inf. Parese des Gegenauges (dezent)
    • - Fehlinnervation im Sinne CCDD
    • - obl. inf. Parese des betroffenen Auges
  28. Wie wird ein Strab. deorsoadductorius therapiert? #
    - eine operative Therapie ist, wie beim Strab. sursoadduktorius, nicht in allen Fällen notwendig

    - OP- Indikation: wenn BES nur durch das Einnehmen einer deutlichen KZH möglich ist oder/ und die Augenstellung sehr auffällig ist, bzw. schnell im Seitblick auftritt oder auch schon in PP schnell dekompensiert

    • - OP- Methoden:
    • 1. Rücklagerung des obl. sup. in Verlaufsrichtung = nasale Transposition
    • 2. Resektion/ Faltung des obl. inf. (ist aber technisch schwierig und wird meist als Zweiteingriff durchgeführt)
  29. Was sind die Differentialdiagnosen des Strab. deorsoadduktorius? #
    • - Brown- Syndrom: hier eher V- Phänomen, eher Excyclo, Hebung auch monokular nicht frei in Adduktion
    • - Hypoplasie des obl. inferiors: intraoperativ ist der Muskel dünn und schlaff
  30. Beschreiben sie das Erscheinungsbild des Brown- Syndroms. #
    • - V- Phänomen durch intakten obl. inf. bei versuchtem Abblick (abduktorische Wirkung)
    • - KZH: Kinnhebung, manchmal auch Drehung zur Gegenseite
    • - eingeschränkte aktive und passive Beweglichkeit: der obl. sup. kann bei versuchter Hebung nicht zur Erschlaffung durch die Trochlea gleiten -> die Bewegung in Richtung Aufblick in Adduktion ist mechanisch behindert
    • - tlw. ist auch plötzlich eine freie Hebung in Adduktion möglich (Brown- Klick- Syndrom)- der obl. sup. ist dann durch die Trochlea geglitten, kann dort aber auch festhängen (grundsätzlich prognostisch günstig, weil "Klick" als Tendenz zur Auflösung des Brown- Syndroms gewertet werden kann)
    • - häufig unangenehme Empfindung/ Schmerz bei versuchter Hebung
  31. Was waren Hypothesen zur Pathophysiologie des congenitalen Brown- Syndroms? #
    • - verkürzter straffer Sehnenanteil des obl. sup.
    • - Verdickungen der Sehne des obl. sup.
    • - Verengung des Trochleatunnels
    • - bindegewebiger Strang von der Trochlea ausgehend
    • - paradoxe Fehlinnervation des obl.sup.
  32. Wie lautet die aktuelle Hypothese des Pathomechanismus des cong. Brown- Syndroms? #
    • - im MRT zeigte sich, dass bei Normalprobanden der Muskeldurchmesser im Abblick zu- und im Aufblick abnimmt -> bei Pat. mit Brown- Syndrom war das nicht der Fall
    • - ausserdem wurde bei 2 von 4 Patienten kein N. trochlearis gefunden
    • => daraus wurde geschlussfolgert, dass der Muskel zwar von Geburt an innerviert wurde, aber vermutlich eher durch den NIII i.S.d CCDD
  33. Wie wird das cong. Brown- Syndrom therapiert? #
    - Abwarten: häufig gerechtfertigt, da viel von Spontanbesserung im 6. - 10. LJ. berichtet wird; ggf. Bewegungsübungen

    - OP- Indikationen: ausgeprägte KZH, deutliche Vertikalabweichung in PP, Aufgabe der KZH mit BES- Verlust

    • - OP- Methode:
    • - Rücklagerung des obl. sup.-> nasale Transposition
    • - ggf. Entfernung des bindegewebigen Stranges, falls vorhanden
    • - als Zweiteingriff ggf. Rücklagerung des gegenseitigen rect. sup. (Gegenparese)
  34. Wie lautet die Prognose des cong. Brown- Syndroms? #
    • - spontane Rückbildung oder Besserung möglich
    • - p.o. bleibt häufig noch eine deutliche Hebungseinschränkung bestehen
    • - Ziel einer OP: Beseitigung der KZH durch Beseitigung der Vertikalabweichung in PP und Gebrauchsblickfeld
  35. Was sind die DD cong. Brown- Syndroms? #
    • - Strab. deorsoadduktorius: dann Hebung in Adduktion frei, A- Phänomen, Incyclo
    • - obl. inf. Parese/ Hypoplasie: dann A- Phänomen, Incyclo
  36. Was sind mögliche Ursachen für ein erworbenes Brown- Syndrom? (5) #
    • 1. p.o. nach Faltung des obl. sup.: dadurch kommt es zu einer Verkürzung des obl. sup. und der Muskelbauch liegt dichter an der Trochlea und verhindert ggf. das Durchgleiten
    • 2. raumfordernde Prozesse in der Orbita: im Bereich der Trochlea, z.B. Mukozele, Hämangiom, selten Tumore
    • 3. Entzündungen im Bereich der Orbita: oder Nasennebenhöhlen z.B. Sinusitis, aber auch rheumatische Entzündungen
    • 4. Trauma im Trochleabereich: Läsion der Strukturen oder Hämatom oder Vernarbungen
    • 5. idiopathisch
  37. Beschreiben sie das Erscheinungsbild der obliquus superior Myokymie. #
    • - einseitig, nur bei Erwachsenen
    • - episodenhaft auftretende Kontraktion des obl. sup. ähnlich einem Mikrotremor
    • - Episoden dauern etwa 10 bis 30 Sekunden an
    • - zusätzlich für einige Sekunden vertikales und rotatorisches Zittern (aufgenommen mit oculographischer Methode)
    • - Pat. empfinden in dieser Zeit ein Bildwackeln (Oszillopsien) und ztw. DB oder Verschwommensehen
    • - häufig besteht ein großer Leidensdruck
    • - zwischen den Episoden besteht ein Normalbefund, selten eine geringe Trochlearisparese
    • - auslösbar häufig über Abblick, dann auch in PP sichtbar
    • - meist nur an der Spaltlampe sichtbar, da Amplitude sehr gering
    • - bei Stress oder Schlafentzug verstärkt
  38. Was ist die mögliche Ursache der obliquus superior Myokymie? #
    • - vermutet wird ein neurovaskuläres Kompressionssyndrom:
    • - eine Arterie drückt auf den N. trochlearis, dies löst dann Episoden von unkontrollierbaren Aktivitäten einzelner Fasern des N. trochlearis aus
    • - Störung ist grundsätzlich harmlos
    • - häufig kommt es nach Aufklärung über Benignität zu einer spontanen Besserung
  39. Wie kann die obliquus superior Myokymie therapiert werden? #
    • -> Aufklärung über das Krankheitsbild und ggf. Entspannungsübungen empfehlen
    • - bei starkem Leidensdruck: - medikamentöse Behandlung: Tegretal (Antiepileptikum, Wirkstoff Carbamazepin), Baclofen (Muskelrelaxant), Gabapentin (Antiepileptikum), aber:
    • - problematische Nebenwirkungen: Ermüdung, Schwindel, allg. Muskelschwäche bis hin zur Arbeitsunfähigkeit, deshalb häufig nicht als Dauertherapie einsetzbar
    • - Versuche mit Botulinum- Toxin, dann aber Trochlearisparese und oft Einsickern in benachbartes Gewebe
    • - ggf. AM- OP: Durchtrennung der obl. sup. Sehne mit entsprechender Gegenparese des obl. inf. (Rücklagerung des gegenseitigen rect. inf.)

    - auch eine neurochirurgische Entlastungs- OP: wurde in Einzelfällen durchgeführt und führte zu Erfolgen

    Bsp. Einbringung eines Teflonschwammes zwischen Gefäß und Nerv
Author
sandrum87
ID
343393
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