-
Definiere Ptosis.
- • ein- oder bds. Herabhängen des OL, bedingt durch eine Unterfunktion der OL- Retraktoren (Levator palpebrae/ tarsalis superior)
- -> dabei kann auch die Mitbewegung des OL bei vertikalen Blickbewegungen reduziert sein
- • ist ein Symptom und kann mit anderen Symptomen kombiniert auftreten
- • Stärke der Ptosis kann sehr untersch. ausgeprägt sein
-
Was ist die Ätiologie der Ptosis congenita simplex? #
• genetisch bedingte Dystrophie des M. levator pal.
-
Welche Möglichkeiten haben sie zur Messung der Lidfunktionen? #
- - Lidspaltenweite vertikal mit und ohne Frontalis (ggf. Lidspaltenweite im Aufblick und Abblick ohne Frontalis zum Nachweis von Lidlag im Abblick/ Levatorunterfunktion im Aufblick)
- - Levatorfunktion ohne Frontalis (Bewegungsstrecke von Abblick zu Aufblick)
- - Bell'sches Phänomen
- - lockerer und fester Lidschluss
- - zusätzlich beschreiben: wie weit die Pupille bedeckt ist, Unterlidtieferstand, Kompensationsmechanismen
-
Beschreibe das Erscheinungsbild der congenitalen Ptosis. #
- • ein- oder bds. Ptosis
- • Ausprägung sehr unterschiedlich
- • glatte, dünne Lidhaut; OL-Falte fehlt oder ist nur schwach angedeutet
- • OL schlaff/ unterentwickelt durch reduzierte z.T. hypotrophe Muskelfasern
- • reduzierte Mitbewegung des OL bei vertikalen Blickbewegungen
- • Zunahme der Lidspaltendifferenz im Aufblick durch fettig degenerierte Muskelfasern keine normale Kontraktion möglich (meist reduzierte Levatorfunktion)
- • tlw. weitere Lidspalte im Abblick (=Lidlag), aufgrund von zusätzl. fibrotischer Veränderung des Levator
- • Amblyopie, meist eher leicht
- • Astigm. durch verstärkten Liddruck
- • Kompensationsmechanismen: Frontalisinnervation (meist eher bei bds. Ptosis), KZH (bei bds. fast immer)-> Cave bei Aufgabe!
-
Wie wird die Ptosis congenita simplex therapiert? #
- • konservativ: Skia + Vollkorrektur, ggf. Amblyopietherapie
- • operativ: je später, desto besser; möglichst nicht vor dem 5. LJ; Ausnahme: wenn der Ausblick stark eingeschränkt ist; Eingriff ist bei größeren Lidstrukturen einfacher und die Prognose ist besser einzuschätzen zur Vermeidung einer 2. OP, auch die Untersuchbarkeit ist besser
-
Welche OP- Methoden werden bei Ptosis congenita simplex angewandt? #
- -> Methode wird je nach Levatorfunktion und der Ausprägung der Ptosis gewählt
- 1. Levatorfaltung: wenn ausreichend Levatorfunktion vorhanden ist
- • der Muskel wird im Tarsusbereich angeschlungen
- • eher als 2. Eingriff, wenn nur noch eine geringe Lidhebung erzielt werden muss, durchgeführt (als 1. Eingriff neigt es dazu nachzulassen)
- 2. Levatorresektion: als 1. Eingriff
- • ein Teil des Levator abgeschnitten und dann am ursprüngl. Ansatz fixiert
- 3. Frontalissuspension: wenn kaum Levatorfunktion vorhanden ist
- • bei Gefahr eines Lidschlussdefektes nach Levatorresektion/-faltung
- • Levator wird an 2 Schlingen am M.frontalis mit nicht resorbierbare Kunststoff- oder Goretex- Fäden aufgehängt
- 4. Gegenparese: Schwächung der Hebung am Partnerauge
-
Welche Kontraindikation besteht gegen eine OP bei Ptosis congenita simplex? #
- • fehlendes Bell‘sches Phänomen
- • schon vor der Ptosis-OP kein vollständiger Lidschluss
- • ausgeprägte Sicca- Symptomatik
-
Warum kann es bei einer congenitalen Ptosis auch kombiniert zu einer rectus superior Parese kommen? #
- • da die Muskelscheide des M. rect. superior ist an der orbitaseitigen Außenfläche mit der Fascie des M. levator palpebrae verschmolzen
- -> synergistisches Verhalten zwischen M. levator palpebrae und M. rect. superior
- -> physiolog. Mitbewegung des OL bei vertikalen Blickbewegungen
- -> entspr. kann bei einer Störung auch beides gestört sein
-
Wie erklärt man sich die Entstehung einer senilen Ptosis? Wie sieht das Erscheinungsbild aus? #
- - ist als Alterserscheinung zu verstehen
- - Aponeurose wird schlaff und somit verlängert
- - Kraftübertragung ist dadurch vermindert bei guten, intaktem Levatorfunktionen
- - meist bds., tlw. asymmetrisch
- - häufig deutliche Frontalisinnervation
- - oft zusätzlich überschüssige Dermatochalasis/Blepharochalasis
-
Beschreibe die Entwicklungsschritte der Hirnnerven in der Embryonalphase. #
- • Anterio- posteriore Differenzierung -> Kernanlage -> Axonaussprossung -> Wegfindung
- • normalerweise werden in der Embryonalentwicklung nach festgelegtem Muster bestimmte Promotoren („Anstifter“) aktiviert
- • welche Promotoren gerade aktiv sind, ist abhängig von festgelegten Genen
- • diese Promotoren führen die vorgesehenen Entwicklungsschritte herbei: z.B. Gen X aktiviert Promotor Y, der die Aussprossung des N. abducens hervorruft
-
Erläutere die damit einhergehende Erklärung für die Fehlinnervation bei CCDD. #
- • wenn ein Gendefekt besteht, werden die Promotoren nicht entspr. aktiviert und die Abfolge der Entwicklungsschritte kann gestört sein
- • ist z.B. die Aussprossung des NVI gestört, wird ein anderer Nerv dies in Richtung des M. lateralis übernehmen, da der Muskel versorgt werden will; Nervenfasern werden durch Muskelfaser angezogen
- • anscheinend ist die Innervation durch irgendeinen Nerven besser als keine Nervenversorgung
-
Was ist die Ursache des Marcus- Gunn- Syndroms? #
- • CCDD
- • Krankheitsbild der synkinetischen Ptosen
- • angeborene Fehlinnervation: innervatorische Verbindung zwischen dem Levator (NIII) und dem ipsil. M. pterygoideus lateralis (N. mandibularis)
- • embryonale Fehlsteuerung
- • Anlage des NIII Kerngebietes inkomplett, Levator bleibt nerval unversorgt
- • dadurch Fehlinnervation durch NV
- • oder fehlgeleiteter Nerv auf dem Weg zum Muskel, mit den gleichen Folgen
- -> zum Ende des 1. SSM zeigen die Muskelbereiche der beiden Nerven noch eine unmittelbare Nachbarschaft
-
Beschreibe das typische Erscheinungsbild des Marcus- Gunn- Syndroms. #
- • meist eins. Ptosis, auch bds.
- • Ausprägung sehr untersch., bzgl Ptosis auch tlw. kaum sichtbar, bzgl. Synkinesie abhängig von der Anzahl der fehlinnervierten Muskelfasern
- • bei Kontraktion der ipsil. Kaumuskulatur gleichzeitig reflektorische Hebung des OL
- • Ptosis dabei reduziert oder auch überkompensiert
- • Lidöffnung durch: Öffnen des Mundes, seitliches Verschieben des Kiefers, Vorschieben des Kiefers
- • wird meist von Geburt an bemerkt, beim Stillen rhytm. Zucken des OL
- • in seltenen Fällen zusätzl. Parese des rect. sup.
-
Welche konservativen Therapiemöglichkeiten gibt es beim Marcus- Gunn- Syndrom?
- • eine ideale Therapie existiert nicht
- • Therapie ist abhängig von der Ausprägung der Synkinesie
- • man nimmt an, dass es im Alter unauffälliger wird
- • Skia + Vollkorrektur, ggf. Amblyopieprophylaxe, je nach Beeinträchtigung
- • isometrisches Anspannungstraining vor dem Spiegel, um die Position des fehlinnervierten OL unter Kontrolle zu bringen, dabei wird eine Muskelanspannung der Kaumuskulatur ohne sichtbare Bewegung des Kiefers erlernt:
- - Synkinesie bewusst machen
- - Kontrolle der OL-Position erlernen
- - Lidposition ohne Bewegung kontrollieren für eine unauffällige Ptosis
- - bei emotionalen mimischen Innervationsänderungen gerät die Lidposition leicht außer Kontrolle
- • Trainingsversuch vor einer Ptosis-OP!
-
Welche operativen Therapiemöglichkeiten gibt es beim Marcus- Gunn- Syndrom?
- • wenn isometrisches Anspannungstraining erfolglos bleibt
- • 1. wenn Ptosis im Vordergrund steht (nicht die Synkinesie)-> Ptosis-OP entspr. der Therapie der cong. Ptosis; dabei bleibt die Ausprägung der Synkinesie unverändert
- • 2. bei starken und sehr störenden Synkinesien-> Exzision (Abtrennung) des Levators von seinem Ansatz und anschließend Frontalissuspension -> nur bei sehr ausgeprägten Fällen und dringendem Wunsch
-
Erläutere, welche versch. Möglichkeiten zu einer Pseudoptosis führen können und differenziere diese von einer tatsächlichen Ptosis. #
- • bei Vertikaltropie: der Tieferstand des nicht fixierenden Auges täuscht eine Ptosis vor durch synergistisches Verhalten von superior und levator -> bei Fixation in PP verschwindet die Ptosis (Ausnahme bei Hebungsdefizit: dann sogar OL-Retraktion in PP)
- • bei En-/Mikrophthalmus: kleiner Bulbus = kleinere Lidspalte; nach Blow-out # kleinere Lidspalte
- • bei Retraktionssyndrom/ Fehlregeneration einer NIII-Parese: durch Koinnervation von rect. medialis und rect. lateralis kommt es bei Adduktion zur Bulbusretraktion, dadurch sekundäre Lidspaltenverengung
-
Beschreibe das Erscheinungsbild des cong. Fibrosesyndroms Typ 1. #
- • häufigste Form
- • oberer Anteil des NIII ist nicht oder nur ansatzweise angelegt; entspr. sind auch der levator und der superior nicht normal angelegt
- • bds. Ptosis
- • bds. deutl. Hebungseinschränkung, Hebung über ML meist nicht möglich
- • Augen sind oft im Abblick fixiert-> Strab. fixus
- • meist Kinnhebung
- • bei versuchtem PP/ Aufblick und bei Puppenkopfphänomen nystagmusähnliche Konvergenzeinschübe
- • Parallelstand bzw. kleinste Stellungsabweichung im Abblick
- • horizont. Beweglichkeit eher kaum eingeschränkt
- • verbliebene Beweglichkeit können auch normal sein
-
Erläutere die neuesten Hypothesen zur Ätiologie des cong. Fibrosesyndroms.
- • ist eine seltene restriktive Ophthalmoplegie, die vorwiegend Muskeln betrifft, die vom NIII innerviert werden
- • erblich, auch sporadisches Auftreten möglich
- • nicht progredient
- • Umwandlung von äußeren AM (meist vom NIII, auch andere möglich)
- • Fibrose nicht entzündlich DD zu EO
- • lässt vermuten, dass die Ursache an den AM liegt, tatsächl. liegt aber die primäre Störung an den innervierenden Hirnnerven
- • in einer Studie Ende der 90er wurde ein Gendefekt und das Fehlen des oberen Astes des NIII gefunden i.S. der CCDD; es wurden auch Genorte gefunden, auf denen die Störung liegt
-
Beschreibe die Therapiemöglichkeiten des cong. Fibrosesyndroms. #
- • konservativ: Skia, Vollkorrektur, ggf. Amblyopietherapie, ggf. HH-Pflege
- • AM-OP: je nach Ausprägung Schielwinkelkorrektur bzw. Blickverlagerung der Augen z.B. Hebung der Augen bei Fix. im Abblick-> Besserung der Motilität nicht möglich
- • OP-Methoden: RL des betr. Muskels; RL der BH (wie bei Strab. fixus)
- • Ptosis-OP: vorsichtig dosierte Frontalissuspension mit Kunststofffäden wegen Fibrotisierung des Muskelgewebes, da das Bell‘sche Phänomen meist negativ ist
- • Strab. OP immer vor Ptosis-OP, da eine evtl. Pseudoptosis im Falle einer Rect. superior Parese allein durch eine AM-OP reduziert oder beseitigt werden kann
-
Warum wird beim cong. Fibrosesyndrom eine frühe AM- OP empfohlen? #
• im Säuglingsalter wichtig! da es im Verlauf zu weiteren Sekundärveränderungen (auch an BH und Tenonkapsel) kommen kann, was zu massiver passiver Beweglichkeitseinschränkung auch nach Abtrennen des Muskels führt
-
Nenne die Differentialdiagnosen des cong. Fibrosesyndroms. #
- • bds. Heberparese, Parinaud-Syndrom (bes. bei Konvergenz- Retraktionsnystagmus bei versuchtem Aufblick!) - Anamnese
- • komplette oder inkomplette NIII- Parese -> passive Motilität
- • CPEO /Kesrns- Sayre Syndrom -> Anamnese
-
Beschreibe die Lage des NVII Kerngebietes. #
- • liegt im unteren Abschnitt der Brücke etwas unterhalb des Abduzenskerns
- • am Übergang der Medulla oblongata zur Brücke
- • ist sozusagen zweigeteilt:
- - oberer und unterer Anteil erhalten jeweils Fasern aus dem 1. motorischen Neuron, das im unteren Bereich des Gyrus praecentralis liegt
- - Nervenfasern verlaufen gemeinsam mit der Pyramidenbahn (Ansammlung zentraler Motoneurone für Feinmotorik und Willkürmotorik)
- - der obere Anteil wird dabei von ipsilat. und kontralat. Fasern versorgt, der untere Anteil erhält nus Fasern des kontralat. 1. motor. Neurons
- • Nebenkerne:
- - Nucleus salivatorius superior = präganglionäre, parasympathische Neurone (Tränendrüse, Speicheldrüsen)
- - Nucleus tractus solitarii = sensorische Neurone (Geschmacksinn)
- => Fasern beider Nebenkerne verlaufen gemeinsam und treten als Nervus intermedius aus der Pons aus und lagern sich dann an die motor. Fasern aus dem Hauptkern an
-
Beschreibe den Verlauf des Nervus facialis. #
- • Axone, die die mimische Gesichtsmuskulatur innervieren verlaufen zunächst nach dorsal um den Abduzenskern herum -> inneres Fazialisknie
- • danach verlaufen sie zusammen mit dem Nervus intermedius (die sensorischen und parasympathischen Anteile) in Nachbarschaft des N. vestibulocochlearis durch den Kleinhirnbrückenwinkel in den inneren Gehörgang (Meatus acusticus)
- • Eintritt in das Felsenbein durch den canalis n. facialis, und bildet kurz nach seinem Eintritt das äußere Facialisknie (scharf nach hinten gerichteter Verlauf), in dem das Ganglion geniculi (Geschmacksfasern) liegt
- • die sensor./parasympathischen Nerven zweigen im Felsenbein ab
- • die meisten Fasern der mimischen Muskulatur verlassen das Felsenbein am Foramen stylomastoideum
- • verlaufen dann durch die Parotis (Ohrspeicheldrüse) und verteilen sich über das ganze Gesicht und innervieren die entspr. Gesichtsmuskeln
-
Beschreibe das Erscheinungsbild der peripheren Facialisparese. #
- • Lähmung der gesamten ipsilat. mimischen und willkürlichen Gesichtsmuskulatur (Hemiparese)
- • Verstreichen der Gesichtsfalten, Stirnpartie ist glatt und faltenarm/faltenlos
- • Herabhängen des Mundwinkels
- • Unfähigkeit zu Pfeifen, Zähne zeigen, Mund spitzen
- • Hyperakusis
- • verminderte Tränen- und Speichelsekretion
- • gestörte Geschmacksempfindung der vorderen 2/3 der Zunge
- • Lagophthalmus (=unvollständiger Lidschluss) durch:
- - Lidspaltenerweiterung durch Überwiegen der OL-Heber und UL-Senker
- - Ektropium paralytikum (Herabhängen des UL mit Auswärtskrempelung der Lidkante)
-
Welche Ursachen führen zu einer peripheren Facialisparese? #
- • Traumata (cong. nach Zangengeburt, Felsenbeinfrakturen..)
- • Tumore (Kleinhirnbrückenwinkel-TU. post-OP bei Akusikusneurinomen..)
- • entzündlich (Herpesviren, Epstein-Barr, Zytomegalie, Neuroborreliose)
- • ggf. ischämisch/ toxisch
- • häufig idiopathisch
-
Beschreibe das Erscheinungsbild der idiopathischen Facialisparese.
- • häufigste Form der peripheren Facialisläsion
- • Auftreten innerhalb von Stunden mit untersch. Lähmungsgrad
- • evtl. Störungen des Geschmacksinns
- • evtl. auch diskreter Befall anderer Hirnnerven
- • häufig Schmerzen im Bereich des Ohres
- • Rückbildung in günstigen Fällen innerhalb von 4-6 Wochen, bei anderen erst nach 3-6 Monaten, hier dann auch meist nur eine partielle Erholung
- • Restsymptome, bei schweren Fällen meist auch Fehlregenerationen
- • Rezidive in 5-10%
-
Welche Ursachen führen zu einer zentralen Facialisparese/ Erscheinungsbild? #
- • meist Schlaganfall
- • Läsion liegt in der Hirnrinde oder im subkortikalen Bereich
- • nur Motorik betroffen, da das erste Motoneuron nur motor. Fasern führt
- • Stirn und Auge sind weniger betroffen, da hier gekreuzte und ungekreuzte Fasern aus dem ersten Neuron Impulse geben
- • hauptsächlich sind die kontralaterale Mund- und Wangenmuskulatur betroffen, da hier die Impulse aus dem ersten Neuron nur gekreuzt an das Kerngebiet weitergeleitet werden- DD zur peripheren Facialisparese!
-
Welche Ursachen gibt es für Oberlidretraktionen?
- • physiologisch: durch Angst, Schreck, Erstaunen
- • mechanisch: durch Narbenzug am OL, Retraktion bei großem Bulbus (Buphthalmus, hohe Myopie), Retraktion bei Exophthalmus (Tumor, Entzündung)
- • neurogen: bei Reizung des NIII; man unterscheidet klonische und tonische Spasmen
- • Pseudoretraktion bei Levatorüberfunktion: bei einseitiger Ptosis kann es zu einer relativen Überfunktion des kontralateralen levators kommen
-
Was ist Blepharospasmus? #
- • Form der fokalen Dystonie
- • krampfhafter Lidschluss -> intermittierende Lidspaltenverengung bis zum krampfartigen vollkommenen Lidschluss durch Kontraktion des M. orbicularis oculi
- • man unterscheidet klonische (kurze rasche Orbicularisinnervationen mit Ruhephasen) und tonische Blepharospasmen (krampfartige Dauerkontraktionen des Orbicularis über Minuten, in der Literatur bis zu Tagen oder sogar Wochen)
-
Welche Formen kann man beim Blepharospasmus unterscheiden? #
- 1. reflektorischer B. = nicht permanent bestehender Blepharospasmus in Form eines Reflexes; Blinzeln, Photophobie
- 2. habitueller B. = Zukneifen zur Visusverbesserung
- 3. essentieller B. = bds. B. im höheren Lebensalter (50- 80 J.); im Verlauf evtl. zusätzl. Beteiligung der mimischen Muskulatur
- 4. hemifacialer B. = einseitige ticartige Kontraktion von der Stirn bis zur Platysma (Muskel, der vom Unterkiefer bis zu den Rippen verläuft)
-
Was sind die jeweiligen Ursachen der Blepharospasmusformen? #
- 1. reflektorischer B.: Irritation im Bereich des N.trigeminus, am häufigsten des 1. Astes (N. ophthalmicus), des vorderen Augenabschnittes durch Entzündung, Verletzung, Erkrankungen (Sonderform: Blendreflex)
- 2. habitueller B.: Zukneifen bei Refraktionsanomalie; hysterischer oder psychogener Blepharospasmus i.S. eines Facialis-Tics (häufig bei Kinder mit seelischen Problemen)
- 3. essentieller B.: unklar, V.a. org. Defekt mit psychogener Überlagerung
- 4. hemifacialer B.: Reizungen der motorischen Bahnen (Cortex, Kerngebiet und N. VII) z.B. durch Druck einer Gefäßschlinge; Kleinhirnbrückenwinkeltumor; Reizung der Hirnhäute (Meningitis), Hirnblutung, SHT -> es kommt zu gesteigerter Erregbarkeit & Spontanentladungen
-
Was sind die typischen Symptome von Neurofibromatose Typ 1? #
- • mind. 6 sog. Café au lait Flecken, milchkaffeefarbene, hellbraune Hautflecken, die bereits bei der Geburt vorliegen oder kurz danach auftreten
- • mind. 2 Neurofibrome, gutartige Geschwülste bestimmter Nerven- und Bindegewebszellen, die sich auf, in oder unter der Haut und auch in jedem Körperteil bilden können
- • mind. 2 Irishamartome (Pigmentanreicherungen auf der Iris, auch Lisch-Knötchen genannt)
- • sommersprossenartige Pigmentierung der Achselhöhlen und/oder der Leistengegend
- • Opticusgliome
- • typische Knochenveränderungen wie Keilbeindysplasie
- • Verwandter ersten Grades, bei dem die Diagnose NF1 anhand der o.a. Kriterien gestellt wurde
-
Was sind die typischen Symptome von Neurofibromatose Typ 2? #
- • erste Symptome häufig erst nach der Pubertät
- • Akustikusneurinome (bds. Tumor der Hörnerven)
- • Meningeome, Gliome, Schwannome (Tumore intrakraniell, in- und ausserhalb der Wirbelsäule)
- • juvenile subkapsuläre Katarakt meist sehr diskret
- • tlw. retinale Hamartome (=tumorartige, gutartige Gewebeveränderungen)
-
Wie sehen die Therapieoptionen bei NF I und II aus? #
- - Krankheitsverlauf ist sehr individuell und untersch. in den Ausprägungen
- - bei NF I: Entfernung von Neurofibromen mit Skalpell, Laser, Strom (Kauter)
- - bei NF II: Therapie der Akustikusneurinome operative Entfernung oder Bestrahlung => als Folge von diversen Tumoren kann es zu AM-Paresen kommen -> ggf. AM-OP/Prismen nach Tumorentfernung; bei Katarakt ggf. Kat-OP
|
|