Lidbewegungsstörungen #

  1. Definiere Ptosis.
    • • ein- oder bds. Herabhängen des OL, bedingt durch eine Unterfunktion der OL- Retraktoren (Levator palpebrae/ tarsalis superior)
    • -> dabei kann auch die Mitbewegung des OL bei vertikalen Blickbewegungen reduziert sein
    • • ist ein Symptom und kann mit anderen Symptomen kombiniert auftreten
    • • Stärke der Ptosis kann sehr untersch. ausgeprägt sein
  2. Was ist die Ätiologie der Ptosis congenita simplex? #
    • genetisch bedingte Dystrophie des M. levator pal.
  3. Welche Möglichkeiten haben sie zur Messung der Lidfunktionen? #
    • - Lidspaltenweite vertikal mit und ohne Frontalis (ggf. Lidspaltenweite im Aufblick und Abblick ohne Frontalis zum Nachweis von Lidlag im Abblick/ Levatorunterfunktion im Aufblick)
    • - Levatorfunktion ohne Frontalis (Bewegungsstrecke von Abblick zu Aufblick)
    • - Bell'sches Phänomen
    • - lockerer und fester Lidschluss
    • - zusätzlich beschreiben: wie weit die Pupille bedeckt ist, Unterlidtieferstand, Kompensationsmechanismen
  4. Beschreibe das Erscheinungsbild der congenitalen Ptosis. #
    • • ein- oder bds. Ptosis
    • • Ausprägung sehr unterschiedlich
    • • glatte, dünne Lidhaut; OL-Falte fehlt oder ist nur schwach angedeutet
    • • OL schlaff/ unterentwickelt durch reduzierte z.T. hypotrophe Muskelfasern
    • • reduzierte Mitbewegung des OL bei vertikalen Blickbewegungen
    • • Zunahme der Lidspaltendifferenz im Aufblick durch fettig degenerierte Muskelfasern keine normale Kontraktion möglich (meist reduzierte Levatorfunktion)
    • • tlw. weitere Lidspalte im Abblick (=Lidlag), aufgrund von zusätzl. fibrotischer Veränderung des Levator
    • • Amblyopie, meist eher leicht
    • • Astigm. durch verstärkten Liddruck
    • • Kompensationsmechanismen: Frontalisinnervation (meist eher bei bds. Ptosis), KZH (bei bds. fast immer)-> Cave bei Aufgabe!
  5. Wie wird die Ptosis congenita simplex therapiert? #
    • • konservativ: Skia + Vollkorrektur, ggf. Amblyopietherapie
    • • operativ: je später, desto besser; möglichst nicht vor dem 5. LJ; Ausnahme: wenn der Ausblick stark eingeschränkt ist; Eingriff ist bei größeren Lidstrukturen einfacher und die Prognose ist besser einzuschätzen zur Vermeidung einer 2. OP, auch die Untersuchbarkeit ist besser
  6. Welche OP- Methoden werden bei Ptosis congenita simplex angewandt? #
    • -> Methode wird je nach Levatorfunktion und der Ausprägung der Ptosis gewählt
    • 1. Levatorfaltung: wenn ausreichend Levatorfunktion vorhanden ist
    • • der Muskel wird im Tarsusbereich angeschlungen
    • • eher als 2. Eingriff, wenn nur noch eine geringe Lidhebung erzielt werden muss, durchgeführt (als 1. Eingriff neigt es dazu nachzulassen)
    • 2. Levatorresektion: als 1. Eingriff
    • • ein Teil des Levator abgeschnitten und dann am ursprüngl. Ansatz fixiert
    • 3. Frontalissuspension: wenn kaum Levatorfunktion vorhanden ist
    • • bei Gefahr eines Lidschlussdefektes nach Levatorresektion/-faltung
    • • Levator wird an 2 Schlingen am M.frontalis mit nicht resorbierbare Kunststoff- oder Goretex- Fäden aufgehängt
    • 4. Gegenparese: Schwächung der Hebung am Partnerauge
  7. Welche Kontraindikation besteht gegen eine OP bei Ptosis congenita simplex? #
    • • fehlendes Bell‘sches Phänomen
    • • schon vor der Ptosis-OP kein vollständiger Lidschluss
    • • ausgeprägte Sicca- Symptomatik
  8. Warum kann es bei einer congenitalen Ptosis auch kombiniert zu einer rectus superior Parese kommen? #
    • • da die Muskelscheide des M. rect. superior ist an der orbitaseitigen Außenfläche mit der Fascie des M. levator palpebrae verschmolzen
    • -> synergistisches Verhalten zwischen M. levator palpebrae und M. rect. superior
    • -> physiolog. Mitbewegung des OL bei vertikalen Blickbewegungen
    • -> entspr. kann bei einer Störung auch beides gestört sein
  9. Wie erklärt man sich die Entstehung einer senilen Ptosis? Wie sieht das Erscheinungsbild aus? #
    • - ist als Alterserscheinung zu verstehen
    • - Aponeurose wird schlaff und somit verlängert
    • - Kraftübertragung ist dadurch vermindert bei guten, intaktem Levatorfunktionen
    • - meist bds., tlw. asymmetrisch
    • - häufig deutliche Frontalisinnervation
    • - oft zusätzlich überschüssige Dermatochalasis/Blepharochalasis
  10. Beschreibe die Entwicklungsschritte der Hirnnerven in der Embryonalphase. #
    • • Anterio- posteriore Differenzierung -> Kernanlage -> Axonaussprossung -> Wegfindung
    • • normalerweise werden in der Embryonalentwicklung nach festgelegtem Muster bestimmte Promotoren („Anstifter“) aktiviert
    • • welche Promotoren gerade aktiv sind, ist abhängig von festgelegten Genen
    • • diese Promotoren führen die vorgesehenen Entwicklungsschritte herbei: z.B. Gen X aktiviert Promotor Y, der die Aussprossung des N. abducens hervorruft
  11. Erläutere die damit einhergehende Erklärung für die Fehlinnervation bei CCDD. #
    • • wenn ein Gendefekt besteht, werden die Promotoren nicht entspr. aktiviert und die Abfolge der Entwicklungsschritte kann gestört sein
    • • ist z.B. die Aussprossung des NVI gestört, wird ein anderer Nerv dies in Richtung des M. lateralis übernehmen, da der Muskel versorgt werden will; Nervenfasern werden durch Muskelfaser angezogen
    • • anscheinend ist die Innervation durch irgendeinen Nerven besser als keine Nervenversorgung
  12. Was ist die Ursache des Marcus- Gunn- Syndroms? #
    • • CCDD
    • • Krankheitsbild der synkinetischen Ptosen
    • • angeborene Fehlinnervation: innervatorische Verbindung zwischen dem Levator (NIII) und dem ipsil. M. pterygoideus lateralis (N. mandibularis)
    • • embryonale Fehlsteuerung
    • • Anlage des NIII Kerngebietes inkomplett, Levator bleibt nerval unversorgt
    • • dadurch Fehlinnervation durch NV
    • • oder fehlgeleiteter Nerv auf dem Weg zum Muskel, mit den gleichen Folgen
    • -> zum Ende des 1. SSM zeigen die Muskelbereiche der beiden Nerven noch eine unmittelbare Nachbarschaft
  13. Beschreibe das typische Erscheinungsbild des Marcus- Gunn- Syndroms. #
    • • meist eins. Ptosis, auch bds.
    • • Ausprägung sehr untersch., bzgl Ptosis auch tlw. kaum sichtbar, bzgl. Synkinesie abhängig von der Anzahl der fehlinnervierten Muskelfasern
    • • bei Kontraktion der ipsil. Kaumuskulatur gleichzeitig reflektorische Hebung des OL
    • • Ptosis dabei reduziert oder auch überkompensiert
    • • Lidöffnung durch: Öffnen des Mundes, seitliches Verschieben des Kiefers, Vorschieben des Kiefers
    • • wird meist von Geburt an bemerkt, beim Stillen rhytm. Zucken des OL
    • • in seltenen Fällen zusätzl. Parese des rect. sup.
  14. Welche konservativen Therapiemöglichkeiten gibt es beim Marcus- Gunn- Syndrom?
    • • eine ideale Therapie existiert nicht
    • • Therapie ist abhängig von der Ausprägung der Synkinesie
    • • man nimmt an, dass es im Alter unauffälliger wird
    • • Skia + Vollkorrektur, ggf. Amblyopieprophylaxe, je nach Beeinträchtigung
    • • isometrisches Anspannungstraining vor dem Spiegel, um die Position des fehlinnervierten OL unter Kontrolle zu bringen, dabei wird eine Muskelanspannung der Kaumuskulatur ohne sichtbare Bewegung des Kiefers erlernt:
    • - Synkinesie bewusst machen
    • - Kontrolle der OL-Position erlernen
    • - Lidposition ohne Bewegung kontrollieren für eine unauffällige Ptosis
    • - bei emotionalen mimischen Innervationsänderungen gerät die Lidposition leicht außer Kontrolle
    • • Trainingsversuch vor einer Ptosis-OP!
  15. Welche operativen Therapiemöglichkeiten gibt es beim Marcus- Gunn- Syndrom?
    • • wenn isometrisches Anspannungstraining erfolglos bleibt
    • • 1. wenn Ptosis im Vordergrund steht (nicht die Synkinesie)-> Ptosis-OP entspr. der Therapie der cong. Ptosis; dabei bleibt die Ausprägung der Synkinesie unverändert
    • • 2. bei starken und sehr störenden Synkinesien-> Exzision (Abtrennung) des Levators von seinem Ansatz und anschließend Frontalissuspension -> nur bei sehr ausgeprägten Fällen und dringendem Wunsch
  16. Erläutere, welche versch. Möglichkeiten zu einer Pseudoptosis führen können und differenziere diese von einer tatsächlichen Ptosis. #
    • • bei Vertikaltropie: der Tieferstand des nicht fixierenden Auges täuscht eine Ptosis vor durch synergistisches Verhalten von superior und levator -> bei Fixation in PP verschwindet die Ptosis (Ausnahme bei Hebungsdefizit: dann sogar OL-Retraktion in PP)
    • • bei En-/Mikrophthalmus: kleiner Bulbus = kleinere Lidspalte; nach Blow-out # kleinere Lidspalte
    • • bei Retraktionssyndrom/ Fehlregeneration einer NIII-Parese: durch Koinnervation von rect. medialis und rect. lateralis kommt es bei Adduktion zur Bulbusretraktion, dadurch sekundäre Lidspaltenverengung
  17. Beschreibe das Erscheinungsbild des cong. Fibrosesyndroms Typ 1. #
    • • häufigste Form
    • • oberer Anteil des NIII ist nicht oder nur ansatzweise angelegt; entspr. sind auch der levator und der superior nicht normal angelegt
    • • bds. Ptosis
    • • bds. deutl. Hebungseinschränkung, Hebung über ML meist nicht möglich
    • • Augen sind oft im Abblick fixiert-> Strab. fixus
    • • meist Kinnhebung
    • • bei versuchtem PP/ Aufblick und bei Puppenkopfphänomen nystagmusähnliche Konvergenzeinschübe
    • • Parallelstand bzw. kleinste Stellungsabweichung im Abblick
    • • horizont. Beweglichkeit eher kaum eingeschränkt
    • • verbliebene Beweglichkeit können auch normal sein
  18. Erläutere die neuesten Hypothesen zur Ätiologie des cong. Fibrosesyndroms.
    • • ist eine seltene restriktive Ophthalmoplegie, die vorwiegend Muskeln betrifft, die vom NIII innerviert werden
    • • erblich, auch sporadisches Auftreten möglich
    • • nicht progredient
    • • Umwandlung von äußeren AM (meist vom NIII, auch andere möglich)
    • • Fibrose nicht entzündlich DD zu EO
    • • lässt vermuten, dass die Ursache an den AM liegt, tatsächl. liegt aber die primäre Störung an den innervierenden Hirnnerven
    • • in einer Studie Ende der 90er wurde ein Gendefekt und das Fehlen des oberen Astes des NIII gefunden i.S. der CCDD; es wurden auch Genorte gefunden, auf denen die Störung liegt
  19. Beschreibe die Therapiemöglichkeiten des cong. Fibrosesyndroms. #
    • • konservativ: Skia, Vollkorrektur, ggf. Amblyopietherapie, ggf. HH-Pflege
    • • AM-OP: je nach Ausprägung Schielwinkelkorrektur bzw. Blickverlagerung der Augen z.B. Hebung der Augen bei Fix. im Abblick-> Besserung der Motilität nicht möglich
    • • OP-Methoden: RL des betr. Muskels; RL der BH (wie bei Strab. fixus)
    • • Ptosis-OP: vorsichtig dosierte Frontalissuspension mit Kunststofffäden wegen Fibrotisierung des Muskelgewebes, da das Bell‘sche Phänomen meist negativ ist
    • • Strab. OP immer vor Ptosis-OP, da eine evtl. Pseudoptosis im Falle einer Rect. superior Parese allein durch eine AM-OP reduziert oder beseitigt werden kann
  20. Warum wird beim cong. Fibrosesyndrom eine frühe AM- OP empfohlen? #
    im Säuglingsalter wichtig! da es im Verlauf zu weiteren Sekundärveränderungen (auch an BH und Tenonkapsel) kommen kann, was zu massiver passiver Beweglichkeitseinschränkung auch nach Abtrennen des Muskels führt
  21. Nenne die Differentialdiagnosen des cong. Fibrosesyndroms. #
    • • bds. Heberparese, Parinaud-Syndrom (bes. bei Konvergenz- Retraktionsnystagmus bei versuchtem Aufblick!) - Anamnese
    • • komplette oder inkomplette NIII- Parese -> passive Motilität
    • • CPEO /Kesrns- Sayre Syndrom -> Anamnese
  22. Beschreibe die Lage des NVII Kerngebietes. #
    • • liegt im unteren Abschnitt der Brücke etwas unterhalb des Abduzenskerns
    • • am Übergang der Medulla oblongata zur Brücke
    • • ist sozusagen zweigeteilt:
    • - oberer und unterer Anteil erhalten jeweils Fasern aus dem 1. motorischen Neuron, das im unteren Bereich des Gyrus praecentralis liegt
    • - Nervenfasern verlaufen gemeinsam mit der Pyramidenbahn (Ansammlung zentraler Motoneurone für Feinmotorik und Willkürmotorik)
    • - der obere Anteil wird dabei von ipsilat. und kontralat. Fasern versorgt, der untere Anteil erhält nus Fasern des kontralat. 1. motor. Neurons
    • • Nebenkerne: 
    • - Nucleus salivatorius superior = präganglionäre, parasympathische Neurone (Tränendrüse, Speicheldrüsen)
    • - Nucleus tractus solitarii = sensorische Neurone (Geschmacksinn)
    • => Fasern beider Nebenkerne verlaufen gemeinsam und treten als Nervus intermedius aus der Pons aus und lagern sich dann an die motor. Fasern aus dem Hauptkern an
  23. Beschreibe den Verlauf des Nervus facialis. #
    • • Axone, die die mimische Gesichtsmuskulatur innervieren verlaufen zunächst nach dorsal um den Abduzenskern herum -> inneres Fazialisknie
    • • danach verlaufen sie zusammen mit dem Nervus intermedius (die sensorischen und parasympathischen Anteile) in Nachbarschaft des N. vestibulocochlearis durch den Kleinhirnbrückenwinkel in den inneren Gehörgang  (Meatus acusticus)
    • • Eintritt in das Felsenbein durch den canalis n. facialis, und bildet kurz nach seinem Eintritt das äußere Facialisknie (scharf nach hinten gerichteter Verlauf), in dem das Ganglion geniculi (Geschmacksfasern) liegt
    • • die sensor./parasympathischen Nerven zweigen im Felsenbein ab
    • • die meisten Fasern der mimischen Muskulatur verlassen das Felsenbein am Foramen stylomastoideum
    • • verlaufen dann durch die Parotis (Ohrspeicheldrüse) und verteilen sich über das ganze Gesicht und innervieren die entspr. Gesichtsmuskeln
  24. Beschreibe das Erscheinungsbild der peripheren Facialisparese. #
    • • Lähmung der gesamten ipsilat. mimischen und willkürlichen Gesichtsmuskulatur (Hemiparese)
    • • Verstreichen der Gesichtsfalten, Stirnpartie ist glatt und faltenarm/faltenlos
    • • Herabhängen des Mundwinkels
    • • Unfähigkeit zu Pfeifen, Zähne zeigen, Mund spitzen
    • • Hyperakusis
    • • verminderte Tränen- und Speichelsekretion
    • • gestörte Geschmacksempfindung der vorderen 2/3 der Zunge
    • • Lagophthalmus (=unvollständiger Lidschluss) durch:
    • - Lidspaltenerweiterung durch Überwiegen der OL-Heber und UL-Senker
    • - Ektropium paralytikum (Herabhängen des UL mit Auswärtskrempelung der Lidkante)
  25. Welche Ursachen führen zu einer peripheren Facialisparese? #
    • • Traumata (cong. nach Zangengeburt, Felsenbeinfrakturen..)
    • • Tumore (Kleinhirnbrückenwinkel-TU. post-OP bei Akusikusneurinomen..)
    • • entzündlich (Herpesviren, Epstein-Barr, Zytomegalie, Neuroborreliose)
    • • ggf. ischämisch/ toxisch
    • • häufig idiopathisch
  26. Beschreibe das Erscheinungsbild der idiopathischen Facialisparese.
    • • häufigste Form der peripheren Facialisläsion
    • • Auftreten innerhalb von Stunden mit untersch. Lähmungsgrad
    • • evtl. Störungen des Geschmacksinns
    • • evtl. auch diskreter Befall anderer Hirnnerven
    • • häufig Schmerzen im Bereich des Ohres
    • • Rückbildung in günstigen Fällen innerhalb von 4-6 Wochen, bei anderen erst nach 3-6 Monaten, hier dann auch meist nur eine partielle Erholung
    • • Restsymptome, bei schweren Fällen meist auch Fehlregenerationen
    • • Rezidive in 5-10%
  27. Welche Ursachen führen zu einer zentralen Facialisparese/ Erscheinungsbild? #
    • • meist Schlaganfall
    • • Läsion liegt in der Hirnrinde oder im subkortikalen Bereich
    • • nur Motorik betroffen, da das erste Motoneuron nur motor. Fasern führt
    • • Stirn und Auge sind weniger betroffen, da hier gekreuzte und ungekreuzte Fasern aus dem ersten Neuron Impulse geben
    • • hauptsächlich sind die kontralaterale Mund- und Wangenmuskulatur betroffen, da hier die Impulse aus dem ersten Neuron nur gekreuzt an das Kerngebiet weitergeleitet werden- DD zur peripheren Facialisparese!
  28. Welche Ursachen gibt es für Oberlidretraktionen?
    • • physiologisch: durch Angst, Schreck, Erstaunen
    • • mechanisch: durch Narbenzug am OL, Retraktion bei großem Bulbus (Buphthalmus, hohe Myopie), Retraktion bei Exophthalmus (Tumor, Entzündung)
    • • neurogen: bei Reizung des NIII; man unterscheidet klonische und tonische Spasmen
    • • Pseudoretraktion bei Levatorüberfunktion: bei einseitiger Ptosis kann es zu einer relativen Überfunktion des kontralateralen levators kommen
  29. Was ist Blepharospasmus? #
    • • Form der fokalen Dystonie
    • • krampfhafter Lidschluss -> intermittierende Lidspaltenverengung bis zum krampfartigen vollkommenen Lidschluss durch Kontraktion des M. orbicularis oculi
    • • man unterscheidet klonische (kurze rasche Orbicularisinnervationen mit Ruhephasen) und tonische Blepharospasmen (krampfartige Dauerkontraktionen des Orbicularis über Minuten, in der Literatur bis zu Tagen oder sogar Wochen)
  30. Welche Formen kann man beim Blepharospasmus unterscheiden? #
    • 1. reflektorischer B. = nicht permanent bestehender Blepharospasmus in Form eines Reflexes; Blinzeln, Photophobie
    • 2. habitueller B. = Zukneifen zur Visusverbesserung
    • 3. essentieller B. = bds. B. im höheren Lebensalter (50- 80 J.); im Verlauf evtl. zusätzl. Beteiligung der mimischen Muskulatur
    • 4. hemifacialer B. = einseitige ticartige Kontraktion von der Stirn bis zur Platysma (Muskel, der vom Unterkiefer bis zu den Rippen verläuft)
  31. Was sind die jeweiligen Ursachen der Blepharospasmusformen? #
    • 1. reflektorischer B.: Irritation im Bereich des N.trigeminus, am häufigsten des 1. Astes (N. ophthalmicus), des vorderen Augenabschnittes durch Entzündung, Verletzung, Erkrankungen (Sonderform: Blendreflex)
    • 2. habitueller B.: Zukneifen bei Refraktionsanomalie; hysterischer oder psychogener Blepharospasmus i.S. eines Facialis-Tics (häufig bei Kinder mit seelischen Problemen)
    • 3. essentieller B.: unklar, V.a. org. Defekt mit psychogener Überlagerung
    • 4. hemifacialer B.: Reizungen der motorischen Bahnen (Cortex, Kerngebiet und N. VII) z.B. durch Druck einer Gefäßschlinge; Kleinhirnbrückenwinkeltumor; Reizung der Hirnhäute (Meningitis), Hirnblutung, SHT -> es kommt zu gesteigerter Erregbarkeit & Spontanentladungen
  32. Was sind die typischen Symptome von Neurofibromatose Typ 1? #
    • • mind. 6 sog. Café au lait Flecken, milchkaffeefarbene, hellbraune Hautflecken, die bereits bei der Geburt vorliegen oder kurz danach auftreten
    • • mind. 2 Neurofibrome, gutartige Geschwülste bestimmter Nerven- und Bindegewebszellen, die sich auf, in oder unter der Haut und auch in jedem Körperteil bilden können
    • • mind. 2 Irishamartome (Pigmentanreicherungen auf der Iris, auch Lisch-Knötchen genannt)
    • sommersprossenartige Pigmentierung der Achselhöhlen und/oder der Leistengegend
    • Opticusgliome
    • typische Knochenveränderungen wie Keilbeindysplasie
    • Verwandter ersten Grades, bei dem die Diagnose NF1 anhand der o.a. Kriterien gestellt wurde
  33. Was sind die typischen Symptome von Neurofibromatose Typ 2? #
    • • erste Symptome häufig erst nach der Pubertät
    • Akustikusneurinome (bds. Tumor der Hörnerven)
    • Meningeome, Gliome, Schwannome (Tumore intrakraniell, in- und ausserhalb der Wirbelsäule)
    • juvenile subkapsuläre Katarakt meist sehr diskret
    • • tlw. retinale Hamartome (=tumorartige, gutartige Gewebeveränderungen)
  34. Wie sehen die Therapieoptionen bei NF I und II aus? #
    • - Krankheitsverlauf ist sehr individuell und untersch. in den Ausprägungen
    • - bei NF I: Entfernung von Neurofibromen mit Skalpell, Laser, Strom (Kauter)
    • - bei NF II: Therapie der Akustikusneurinome operative Entfernung oder Bestrahlung => als Folge von diversen Tumoren kann es zu AM-Paresen kommen -> ggf. AM-OP/Prismen nach Tumorentfernung; bei Katarakt ggf. Kat-OP
Author
sandrum87
ID
343388
Card Set
Lidbewegungsstörungen #
Description
Lidfunktionen, Ptosis, N. facialis
Updated