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Nenne die Risikofaktoren für FKSS.
- • positive Familienanamnese, genet. Disposition, z.B. sensorische Defekte
- • Frühgeburt/ geringes Geburtsgewicht
- • perinatale Störungen z.B. O2 Mangel
- • geringer APGAR- Index (Atmung, Puls, Grundtonus, Aussehen, Reflexe)
- • Hirnschäden z.B. durch Noxen in der Schwangerschaft
- • Down-Syndrom
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Nennen sie die Symptome des FKSS nach Lang. #
- • großer konvergenter Schielwinkel mit bevorzugter Fixation in Adduktion
- • Nystagmus latens - persistierende Asymmetrie der Folgebewegungen/OKN; Auffälligkeiten in der Verarbeitung bewegter Reize
- • dVD
- • Excyclo des geführten Auges -> Cyclo + dVD = diss. Schielkomplex
- • Schiefhaltung des Kopfes
- • Alphabetsymptome: Fehler im Innervationsmuster schräger AM
- -> weitere Symptome nach de Decker:
- • Kopftremor
- • Co- Kontraktion der Musculi mediali
- • minderwertige Sehschärfe
- • minimale cerebrale Dysfunktion
- -> sensorische Symptome
- • Fusionsstörung
- • Anomale Korrespondenz mit Suppression
- • Amblyopie mit zentraler oder exzentrischer Fixation
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Erläutere crossed Fixation.
- crossed Fixation: bei ausgeprägten Innervationsverhältnissen- Abduktion wird gemieden, aber es besteht keine Abduktionseinschränkung; dadurch meist alternierendes Schielen und KZH
- • ab dem 10. LM lässt die Überinnervation der Mediali gewöhnlich nach
- • am Ende des 1. LJ entwickelt sich oft eine einseitige Führung, dann Amblyopiegefahr
- • selten wird die gekreuzte Fixation nicht aufgegeben, dann entsteht ein Strab. fixus
- • die bevorzugte Fixation in Adduktion wird nicht selten bis ins Erwachsenenalter nachgewiesen (da in Adduktion der NL am ruhigsten ist)
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Definiere den Nystagmus latens. #
• liegt vor, wenn die Augen bei Fixation des rechten Auges nach rechts und bei Fixation des linken Auges nach links rucken
• der NL ist ein Rucknystagmus, entwickelt sich in den ersten 3 LM, besteht aus einer langsamen tonischen Phase und einer schnellen Refixationsphase = Schlagrichtung wird jeweils nach der schnellen Phase beschrieben
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Beschreibe sie das klinische Erscheinungsbild es NL. #
- • schnelle Phase in Richtung Abduktion, langsame Phase in Richtung Adduktion
- • bei Rechtsfixation: Rechtsruck, bei Linksfixation: Linksruck
- • Amplitude und Frequenz nehmen in Richtung Abduktion zu, Richtung Adduktion ab
- • binokular meist beruhigt/blockiert und manifestiert sich monokular auf dem fixierenden Auge
- • bei einigen Patienten manifestiert sich der Nystagmus auch binokular, z.B. bei Suppressionsverstärkung eines Auges (Visusprüfung) und schlägt in Richtung des fixierenden Auges = manifester NL
- • assoziierter Nystagmus -> R/L gleiche Richtung, Amplitude und Frequenz
- • tlw. größere Amplituden bei Fixation mit dem geführten, evtl. amblyopen Auge
- • KZH, um jeweils in Adduktion zu fixieren, oder nur mit dem Führungsauge in Adduktion
- • diskrete Formen des NL sind nur am Fundus zu sehen
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Warum ist der NL ein wichtiger Beweis für eine frühkindliche Störung des Binokularsehens? #
- • die Ausprägung des NL spielt eine wichtige Rolle bei der Therapie:
- - wenn z.B. nur in starker Adduktion foveolare Fixation erreicht wird, besteht Amblyopiegefahr (möglichst einige Tage Okkludieren, nicht stundenweise)
- - tlw. wird hier schon vor dem Vorschulalter eine AM-OP gemacht, wenn eine Okklusionstherapie nicht möglich ist, weil das amblyope Auge durch den NL die Fixation nicht aufnehmen kann
- • -> Diagnosefindung: der NL ist ein wichtiges Symptom einer früh aufgetretenen funktionellen Einäugigkeit von Geburt an
- • die Feststellung eines NL ist von entscheidender prognostischer Bedeutung:
- - bei frühem Schielbeginn bzw. früher Störung wird ein normales Binokularsehen meist nicht mehr erreicht
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Wofür dient der OKN? Definiere. #
Der OKN dient der Stabilisierung des retinalen Bildes bei bewegten Objekten um Schwindel zu vermeiden.
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Beschreiben sie wie es zum optokinetischen Nystagmus kommt. Was passiert wenn wir mit der Bahn fahren und Objekten folgen? #
- • ein Objekt wird von nasal nach temporal und/oder umgekehrt geführt
- • eine Folgebewegung wird ausgelöst (Fovea fixiert)
- • irgendwann kann das Objekt nicht mehr sicher foveolar fixiert werden
- • es kommt zu einer retinalen Bildverschiebung
- • die retinale Bildverschiebung reizt das optokinetische System
- • der Versuch die Fovea auf das nächste Objekt einzustellen führt zu einer ruckartigen Bewegung
- • es entsteht ein Rucknystagmus: der OKN
- • bei zu schneller Objektbewegung zerfällt der OKN
- - Objektbewegung nach rechts = Linksrucknystagmus
- - Objektbewegung nach links = Rechtsrucknystagmus
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Erklären sie die physiol. Entwicklung des OKN.
(zeitl. Entwicklung nach der Geburt) #
- • nach der Geburt:
- - das sensomotorische System zur Steuerung des OKN ist noch nicht ausgereift
- - es besteht die ersten 3 LM eine physiolog. Asymmetrie, d.h. die Reizung von Objekten, die sich von temporal nach nasal bewegen, ist wirksamer als umgekehrt
- - mit Entwicklung des Binokularsehens entwickelt sich eine symmetrische Auslösbarkeit des OKN (nach neueren Studien kann eine Asymmetrie bis zum 10. LM bestehen)
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Wie kann man zwischen dem physiologischen OKN und dem bei FKSS differenzieren? #
• OKN monokular prüfen: bei der binokularen Prüfung wird auf der einen Seite immer der subcortikale Weg genutzt und es ist keine Asymmetrie auslösbar
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Beschreibe den OKN bei normalem Binokularsehen. #
- • in den großen Ganglienzellen der NH beginnt die für das Sehen von Bewegungen zuständige magnozelluläre Bahn
- • Infos werden zum CGL und weiter in die primäre Sehrinde geschickt
- • im Hirnstamm befinden sich 2 Kerne:
- NOT (Nukleus des opt. Traktes)
- DTN (dorsaler terminaler Nukleus des akzessorischen optischen Traktes)
- • diese Strukturen liegen im Mittelhirn lateral der Vierhügeln und nahe der CGL
- • der rechte NOT-DTN ist für rechtsgerichtete und der linke für linksgerichtete Bewegungen zuständig
- • Weisungen erhalten die beiden NOT-DTN über 2 Wege:
- - subkortikal aus der Sehbahn hinter dem Chiasma opticum zum gegenseitigen NOT-DTN (bei nach nasal gerichteten Reizen)
- - kortikal aus der Hirnrinde bei nach temporal gerichteten Reizen zum gleichseitigen NOT-DTN
- Beispiel LA: Reizmuster von temporal nach nasal reizt nasale NHS- Reiz gelangt über die Sehbahn gekreuzt zur rechten Hirnrinde-> der gegenseitige NOT-DTN bekommt sowohl über den subkortikalen, als auch über den kortikalen Weg die Bewegungsinformation (durch vorhandene Binokularzellen der Hirnrinde)
- - der rechte NOT-DTN bekommt Impulse für rechtsgerichtete Bewegungen
- - Reizmuster von nasal nach temporal reizt temporale NHS- Reiz gelangt über die Sehbahn ungekreuzt zur linken Hirnrinde- der ipsilaterale, linke NOT-DTN bekommt nur über den kortikalen Weg Informationen (wenn Binokularneurone vorhanden sind)-> es werden linksgerichtete Bewegungen ausgelöst
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Beschreibe den OKN bei FKSS. #
- • Reizmuster von temporal nach nasal lösen einen normalen OKN aus, da der rechte NOT-DTN für nach rechtsgerichtete Bewegungen hier seinen Impuls über den subkortikalen Weg bekommt
- • bei nasotemporalem Reizmuster kann sich die Übertragung durch Monokularzellen der Hirnrinde im Säuglingsalter nicht ausbilden und das linke NOT-DTN kann keine Impulse empfangen
- -> Pat. mit einem frükindl. Schielen zeigen eine Asymmetrie des OKN
- - bei Reizung von temporal nach nasal ist der OKN besser auslösbar, als bei Reizen von nasal nach temporal
- -> diese Richtung ist tlw. gar nicht auslösbar
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Beschreiben sie das typische Erscheinungsbild der dVD. #
- • beim Abdecken eines Auges kommt es zum Höherstand dieses Auges, meist ohne Diplopie
- • tlw. auch periodisch spontan ohne Dissoziation bei:
- - nachlassender Konzentration, Müdigkeit, starker Beanspruchung des FA durch erhöhte Aufmerksamkeit (bin. Visusprüfung), spontane Suppression eines Auges, emotionale Erregung
- • Manifestation meist zwischen 2. und 4. LJ, eher bds., jedoch nicht immer symmetrisch (bei Amblyopie häufig asymmetrisch)
- • Abweichung unabhängig von der BRT, tlw. im Abblick etwas größer
- • die Manifestation ist häufig mit einer Excyclotropie verbunden, die etwas später einsetzt als die Aufwärtsbewegung (der Untersucher beobachtet als eine Einwärtsrollung des jeweils die fixationsaufnehmenden Auges = Raddrehphänomen)
- • nach der Freigabe sieht man eine langsame, schwimmende Abwärtsbewegung des Auges
- • selten findet man eine schwere Form der dVD, hier fühlen sich die Patienten durch die kosmetische Komponente stark gestört
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Geben sie die Ursache der dVD in eigenen Worten wieder. #
- • eine zentral innervatorische Fehlinnervation führt zu einer patholog. Heberinnervation, es ist keine motorische Störung
- • ausgelöst durch Lichtentzug bei Abdecken eines Auges -> Lichtrückenreflex
- • hängt also von der retinalen Leuchtdichte ab (zum Nachweis Graufiltertest nach Bielschowsky)
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Erklären sie zum Nachweis der dVD den Fixationswechseltest anhand von einem Beispiel. #
- • Durchführung am Synoptophor, aber auch im freien Raum mit Prismen möglich, dabei wird sowohl die Verdunklung als auch die Fixation zum jeweils anderen Auge gewechselt unter Ausgleich des Schielwinkels
- • d.h. im Synoptometer wird der gemessene Schielwinkel z.B. vor dem RA beibehalten und dann die Fixation gewechselt
- • bei einer dVD würde nun das LA nach oben abweichen
- • liegt keine dVD vor, bleibt der Schielwinkel gleich
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Erklären sie zum Nachweis der dVD die Verdunklungsprobe anhand von einem Beispiel. #
- Zur OP-Indikation ist es wichtig den diss. Anteil zu differenzieren.
- 1. Verdunklungsprobe nach Bielschowsky
- • Winkelmessung bei einer Fixation mit APCT
- • Patient fixiert mit dem RA das Fixierlicht, das LA wird abgedeckt und seitlich beobachtet (bei dVD weicht es darunter nach oben ab)
- • vor das FA wird ein Grau oder DRGlas gehalten
- • der Untersucher beobachtet wieder das Auge unter dem Cover: nach Hering‘schem Gesetz kommt es zu einer Abnahme des Höherstandes (Senkerinnervation, da das FA unter DRG sonst auch nach oben abweichen müsste)
- • unter vorgehaltenem Rotglas wird der Winkel bei Fixation des Auges mit Rotglas ausgemessen (Prisma vor das gecoverte Auge)
- • Vergleich der Messung mit und ohne DRG:
- - VD mit und ohne Rotglas gleich= rein motorische Störung
- - VD mit Rotglas nicht messbar, aber ohne Rotglas vorhanden= rein dissoziierte Störung
- - VD ohne Rotglas > mit Rotglas= Differenz entspricht dem dissoziierten Anteil
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Was sind die Therapiemöglichkeiten der dVD und begründen Sie diese.
- • bei asymmetrischer Ausprägung: Versuch das Führungsverhalten bewusst zu machen durch Vernebelung (z.B. durch ÜK eines Auges), bei dessen Fixation die dVD weniger auffällig ist
- • AM-OP:
- - rect.sup. Faden- OP (techn. schwierig, da der Faden unter den obl. sup. gelagert werden muss- auch in Kombi mit Obliquusstörungen - gut aufklären, dass es ein Versuch ist und der Erfolg nicht voraussagbar ist
- - oder obl. inf. anteriore Transposition (cave bei erhöhter Gefahr der Vernarbungen)
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IErläutern Sie die konservativen Therapiemöglichkeiten beim FKSS. #
- • Skia in Cyclo und BVO
- • Kontrollen bei Babys alle 6-12 Wochen, hauptsächl. zur Führungsbeurteilung
- • ggf. Okklusionstherapie, bei ggf. einseitiger Führung
- • vor Beginn der Therapie Aufklärung der Eltern bzgl. der weiteren Vorgehensweise
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Welche Argumente sprechen für eine Früh-OP? #
- • in Europa gilt Früh 6.- 24. LM, in Asien noch früher: um den 6. LM
- • Früh-OP:
- • extreme KZH bei NL (evtl. fov. Fix. in max. Adduktion nicht mgl., evtl. Amblyopie/Brillentherapie nicht mgl., HWS)
- • bei Cerebralparese/Mehrfachbehinderung Verbesserung der motorischen Entwicklung
- • wenn verlässlich anamnestisch II-Stand beschrieben ist frühe Korrektur in einen Mikrowinkel, frgl. BES erreichbar
- • laut Studie auch Verbesserung der Eltern- Kind- Beziehung, ansonsten soziale Akzeptanz unter Kindern erst ab 6. LJ relevant
- • laut Studie auch geringeres psychisches Trauma
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Welche Argumente sprechen für eine Spät-OP? #
- • Spät ist 3.-6. LJ
- • kleine Kinder sind schlechter untersuchbar
- • Motilität ist erst im Vorschulalter genauer beurteilbar, deshalb auch evtl. Vertikalabweichungen in der OP berücksichtbar
- • dVD, Surso/Deorso entwickeln tlw. erst im Vorschulalter; deshalb Wahrscheinlichkeit einer 2. OP bei Früh-OP größer
- • Amblyopiegefahr geringer, da p.o. Untersuchbarkeit und Beurteilung des Führungsverhaltens besser
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Wann sind die Vorraussetzungen für eine AM-OP gegeben? Welche Gründe gibt es? #
- • Brille wird regelmäßig getragen, sonst p.o. Rezidivgefahr
- • bds. ca. seitengleicher Visus, keine Amblyopie, wenn p.o. noch intensive Amblyopietherapie, könnte sich Okklusion schlecht auf die Stellung auswirken (FA ist p.o. für die Eltern nicht mehr sichtbar)
- • Vorschulalter-> bessere Mitarbeit, genauere Ergebnisse
- • gute Koop der Eltern zur Nachsorge und Kontrolluntersuchungen
- • je nach Bedürfnissen der Eltern und Mitarbeit des Kindes kann dann eine OP früher oder später stattfinden
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Nennen sie die möglichen Operationsindikationen. #
- • kombinierte Konvergenz-OP, d.h. Medialis Rücklagerung (Schwächung), Lateralis Faltung/Resektion (Stärkung)
- • Medialis Faden OP/ bds. Medialis Rück nur ggf. bei N > F
- • Vertikaler Winkel: je nach A/V- Symptomatik
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Erläutern Sie die möglichen Differentialdiagnosen des FKSS. #
- • Abduzensparese (monok. Führungsbewegungen in Abduktion über Puppenkophph., Spiegel, unter Okklusion; Inkomitanz? ggf. neurolog. Abklärung)
- • Retraktionssyndrom (Lidspaltendiagnostik)
- • sekundäre Esotropie (Fundus, VAA)
- • rein akkommodative Esotropie (Skia, VK, dann sollte II-Stand bestehen)
- • Normosens./im Alter sens. Formbarkeit (auszuschließen bei Erstvorstellung von älteren Kindern; OKN, NL)
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Wie ist Prognose postoperativ bzgl. Stellung, Binokularsehen und Visus? #
- • BES: eher ungünstig bei fehlenden Binokularneuronen, bestenfalls subnormales BES
- • wahrscheinlicher ist anomales BES z.B. Bagolini positiv mit EB
- • häufig nach OP auch Suppression
- • oft verbesserte Feinmotorik, sowie sichereres Treppensteigen
- • oft verbesserte periphere/ dynamische Stereopsis nach OP
- • nach Studien wurden p.o. bei hochgr. Amblyopien funktionelle Besserungen nachgewiesen
- • Visus: eher günstig, wegen opt. auffälligem Schielen, daher frühzeitiger AA-Besuch mit regelmäßigen Kontrollen und ggf. Amblyopieprophylaxe
- • bei crossed Fixation Amblyopierisiko gering
- • Stellung: p.o. eher Mikrowinkel bis 7*, tlw. sind auch Winkel bis 10* unauffällig
- • im Idealfall sogar Mikrostrab. mit BES auf HAK
- • tlw. mehrere OP‘s nötig zur Erreichung dieses Ziels
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