Gentechnik V6

  1. Was ist der Unterschied zwischen horizontalem und vertikalem Gentransfer?
    • horizontaler Gentransfer: Transfer von genetischem Material zwischen zwei verschiedenen Organismen (Pflanzen- oder Tierarten)
    • vertikale Gentransfer: Übertragung von genetischem Material zwischen den Generationen (Vorfahren zu Nachkommen) i.d.R. am Ende eines gentechnischen Eingriffs erwünscht
  2. Was ist ein gentechnisch veränderter Organismus (GVO)?
    • gentechnisch veränderter Organismus (GVO, engl. genetically modified organism, GMO)
    • Organismus, dessen Erbgut durch das Hinzufügen artfremder Gene oder durch die Veränderung bzw. die Entfernung arteigener Gene gezielt verändert worden ist
    • Organismus, mit Ausnahme des Menschen, dessen genetisches Material so verändert worden ist, wie es auf natürliche Weise durch Kreuzen und/oder natürliche Rekombination nicht möglich ist
  3. Welche Kriterien muss bzw. sollte ein für die Gentechnik geeigneter Organismus erfüllen?
    • Bekannte Genetik: die Größe und der Aufbau des Genoms sowie die Art der Vermehrung und die Vererbungsformen des betreffenden Organismus müssen bekannt sein
    • Leichte Aufnahme von Fremd-DNA: damit ein Organismus als GVO geeignet ist, muss das Einbringen von Fremd-DNA und ihre Integration in das Genom von diesem Organismus möglich sein
    • Schnelles Wachstum und Vermehrung: der Organismus sollte schnell wachsen und sich schnell vermehren können, d.h. die Geschlechtsreife (im Fall der sexuellen Vermehrung) früh erreichen, kurze Generationszeiten und eine möglichst lange reproduktive Phase haben
    • Nicht pathogen (krankheitserregend) oder toxisch sein: für andere Organismen bzw. für die weitere Verwendung
  4. Welche Methoden gibt es, um Fremd-DNA in einen Organismus einzubringen (je nach Art dieses Wirtsorganismus)?
    • Transformation: bezeichnet die Aufnahme von DNA durch Bakterien (E. coli) und Hefezellen
    • Transduktion oder Infektion: bezeichnet den Transfer von DNA in andere Zellen durch Bakteriophagen (transduzieren Bakterien) oder Viren (infizieren eukaryotische Zellen)
    • Transfektion: das Einbringen von DNA in eukaryotische (pflanzliche oder tierische) Zellen
    • Physikalische (mechanische) Methoden: wie z.B. die Elektroporation = Einbringen von DNA in Bakterien- und eukaryotische Zellen durch Stromstöße, Biolistik = Beschießen eukaryotischer Zellen mit DNA-umhüllten Partikeln, oder Mikroinjektion = Injektion von DNA in den Zellkern oder im Zytoplasma eukaryotische Zellen mittels Mikrokapillaren
  5. Was zeichnet das Bakterium Escherichia coli als Wirtsorganismus in der Gentechnik aus?
    • einfache Kultivierbarkeit
    • sehr schnelle Vermehrung (Generationszeit unter optimalen Bedingungen = 20 min)
    • bekannte Genetik
    • vollständige Kartierung des Genoms
  6. Wie läuft eine Transformation von E. coli im Labor ab (aus welchen Schritten besteht sie, worauf muss geachtet werden und welche Ziele verfolgt man mit ihr)?
    • Aufnahme von Fremd-DNA aus der Umgebung
    • E. coli von Natur aus = Transformations-inkompetent

    • Zellen in der exponentiellen Wachstumsphase mit Salzen (CaCl2 oder RbCl) behandeln
    • kompetente Zellen mit der zu transformierenden DNA für 30 min auf Eis inkubieren → vermutlich fällt die DNA unter diesen Bedingungen auf der Zelloberfläche aus
    • die Zellen für 45 bis 90 sec bei 42°C inkubieren = „Hitzeschock (engl. heat shock)“, was vermutlich die Aufnahme der DNA in die Zellen induziert
    • Bakterienzellen für ca. 1 h in Vollmedium ohne Antibiotika inkubieren, damit sie mit der Proteinsynthese (u.a. auch die durch die Antibiotika-Resistenzgene codierten Proteine) beginnen können
    • auf Antibiotika-haltigem Selektionsmedium ausplattieren und über Nacht inkubieren → Selektion der Transformanten und Rekombinanten

    • DNA wird durch ein DNA-Bindeprotein aktiv an der Oberfläche der Bakterienzelle (Außenwand) gebunden
    • ein DNA-Strang wird aktiv in die Bakterienzelle transferiert, der andere DNA-Strang wird durch eine Nuklease abgebaut
    • der transferierte DNA-Strang wird im Zytoplasma durch Einzelstrang-Bindeproteine gebunden, u.a. dem RecA-Protein
    • das RecA-Protein vermittelt die homologe Rekombination des eingedrungenen DNAStrangs mit homologen Regionen auf dem Bakterienchromosom
    • Integration der Fremd-DNA in das Bakteriengenom = die Bakterienzelle ist transformiert
  7. Welche Arten der Selektion sind nach der Transformation üblich?
    • mit einem Antibiotikum werden nur die Zellen selektioniert, die das Plasmid aufgenommen haben = Transformanten (Antibiotikaresistenz ist nur auf dem Plasmid codiert!)
    • mit einer Farbreaktion = Blau-Weiß-Selektion werden nur die Zellen selektioniert, die ein rekombinantes Plasmid = Plasmid mit neu eingebauter (ligierter) DNA aufgenommen haben = Rekombinanten (durch die Insertion der DNA wird das unvollständige lacZ‘-Gen, das für einen Teil der β-Galactosidase codiert, unterbrochen = mutiert)
  8. Welches Prinzip unterliegt einer Selektion nach Antibiotikaresistenz, und auf was wird dabei selektiert?
    • Antibiotikaresistenzgene auf den Plasmiden codieren für Proteine = Enzyme, die diese Antibiotika i.d.R. abbauen
    • β-Lactam-Antibiotika hemmen die Synthese der bakteriellen Zellwand und wirken bakteriostatisch
    • β-Lactamasen spalten den β-Lactam-Ring der Antibiotika und machen sie damit unwirksam
    • Andere gängige Antibiotika in der Gentechnik hemmen die Proteinbiosynthese → bakterizide Wirkung
  9. Welches Prinzip unterliegt der Blau-Weiß-Selektion, und auf was wird dabei selektiert?
    • Das unvollständige lacZ‘-Gen auf vielen Plasmiden, das den Polylinker enthält, codiert für einen Teil der β-Galactosidase
    • Der restliche Teil der β-Galactosidase wird auf dem Ringchromosom der transformierten Bakterien codiert = α-Komplementation
    • Sobald ein DNA-Fragment in den Polylinker inseriert, wird der Leserahmen des lacZ‘-Gens unterbrochen und keine funktionale β-Galactosidase mehr hergestellt
    • Blaue Kolonien sind folglich Kolonien, die nur das rezirkularisierte = religierte Plasmid aufgenommen haben
    • Weiße Kolonien sind dagegen Kolonien, bei denen das lacZ‘-Gen durch das Insert unterbrochen wurde = Rekombinanten
  10. Welche gängigen Mutationen wurden in das Genom der heute in der Gentechnik verwendeten E. coli-Stämme eingeführt?
    • lacZ-Gen
    • Mutationen in z.B. den recA-Genen: die homologe Rekombination der Plasmid-DNA mit dem Bakterienchromosom vermitteln würden
    • endoA-Gene: als Endonukleasen die Plasmid-DNA spalten würden
    • dam-Gene: die Methylierung der Fremd-DNA vermitteln  die Restriktionsendonukleasen inhibieren
  11. Was ist eine Koloniehybridisierung und wofür wird sie verwendet?
    • Replikaplatte = Abklatsch der ursprünglichen Platte wird erstellt
    • die Kolonien von dieser Platte auf eine Nylon- oder Nitrozellulosemembran übertragen
    • Bakterien auf der Membran werden lysiert, ihre DNA denaturiert und das DNA-Rückgrat kovalent an die Membran durch UV-Strahlung (Nylonmembran) oder Backen bei 80°C (Nitrozellulose) gebunden
    • Die einzelsträngige DNA auf der Membran wird mit einer einzelsträngigen und radioaktiv oder anders markierten Sonde hybridisiert  nur komplementäre Stränge lagern sich aneinander = hybridisieren
    • Die überschüssige Sonde wird weggewaschen
    • die Membran einem Film exponiert (radioaktiv markierte Sonde) oder einer Farbreaktion unterzogen (anders markierte Sonden)
    • Lage der radioaktiven oder Farbsignale > Identifizierung der rekombinanten Kolonien auf der Originalplatte
  12. Was ist eine genomische DNA-Bibliothek, und was ist eine cDNABibliothek?
    • Genomische DNA-Bibliothek: Sammlungen von DNAFragmenten des kompletten Genoms eines Organismus
    • cDNA-Bibliothek: Sammlungen von cDNAFragmenten, die nach reverser Transkription der mRNA eines Organismus oder (wahrscheinlicher) der mRNA eines Gewebes oder Zelle entstanden und in E. coli kloniert worden sind
  13. Was zeichnet die Hefe Saccharomyces cerevisiae als Wirtsorganismus in der Gentechnik aus?
    • relativ einfache Kultivierbarkeit
    • schnelle Vermehrung (Generationszeit unter optimalen Bedingungen = 1,5-2 h)
    • bekannte Genetik
    • vollständige Kartierung des Genoms
    • wenn eukaryotische Zellen benötigt werden, die die mRNA prozessieren und Proteine nach der Translation modifizieren können
  14. Was ist ein shuttle-Vektor, und auf welchem Prinzip besteht die Selektion bei der Hefe?
    können sowohl in Bakterien (E. coli)- als auch Hefezellen vermehrt werden

    • auxotrophe Hefestämme werden gezüchtet = Hefezellen, die nur auf Vollmedien und nicht auf Minimalmedien wachsen können
    • Die Identifizierung solcher auxotrophen Stämme erfolgte ebenfalls durch Replikaplattierung und Selektion auf Minimalmedium (Agarplatten)
  15. Wie läuft eine Transformation von S. cerevisiae im Labor ab (aus welchen Schritten besteht sie, und worauf muss geachtet werden)?
    • die Zellen werden in der exponentiellen Wachstumsphase durch Salzbehandlung (LiAc oder LiCl) kompetent gemacht
    • die Zellen werden bei 30°C zusammen mit der zu transformierenden DNA, einer Träger-DNA („carrier“) und einem „Verdichter“ (Polyethylenglykol, PEG) für 30 min – 1 h inkubiert
    • einem Hitzeschock bei 42°C für 15 min ausgesetzt
    • über ca. 1 h bei 30°C in Vollmedium inkubiert
    • sie werden auf Selektiv-Platten mit Minimalmedium für 3-4 Tage bei 30°C inkubiert  Selektion der Transformanten und Rekombinanten
  16. Was ist eine transiente und was eine stabile Hefezelllinie?
    • transiente Hefezelllinien: Episome liegen im Zellkern vor und gehen nach einigen Zellteilungen verloren
    • stabile Hefezelllinien: integrieren sich stabil ins Hefe-Genom bzw. werden wie ein weiteres Hefe-Chromosom weitervererbt
Author
Bibi
ID
337819
Card Set
Gentechnik V6
Description
Gentechnik, 6. Vorlesung, 3. Semester
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