Materielles Strafrecht Allgemeiner Teil Deliktsarten

  1. Wie ist bei Meinungsstreitigkeiten (MS) in der Klausur vorzugehen?
    MS wirkt sich nicht auf das Ergebnis aus:

    Rechtsmeinungen kurz darstellen, subsumieren, keine Stellungnahme

    • MS wirkt sich auf das Ergebnis aus:
    • Auffassung wiedergeben, subsumieren,Stellungname, Rspr folgen und mit 1-2 kurzen Argumenten begründen
  2. Was sind häufigsten Fehler in Strafrechtsklausuren? Und wie lassen sie sich vermeiden?
    • A. Falsche Zeiteinteilung
    • Klausurentraining
    • B. Fehler im Gutachtenstil
    • Mischung von Urteilsstil, verkürztem Gutachtenstil und ausführlichem Gutachtenstil entsprechend dem Klausurenschwerpunkt
    • C. Mangelnde Schwerpunktbildung
    • - offensichtlich nicht verwirklichte Delikte weglassen und bei gesetzeskonkurrierenden Delikten im Urteilsstil feststellen, dass mitverwirklicht und zurücktritt
    • D. Unnötige sprachliche Längen
    • Nicht den gesamten Gesetzestext rezitieren, sondern direkt auf die einzelnen Deliktsmerkmale eingehen
    • E. Ungenaue Obersätze, fehlende Begründungen
    • - auf die richtige Verdachtsstufe achte ("Der Beschuldigte könnte hinreichend verdächtig ..." bei StA Gutachten)
    • -Deliktsprüfung immer einer bestimmten Handlung zuordnen und dies schon im ersten Obersatz: " Der B könnte hinreichend verdächtig sein, durch die Bestellung der Waren trotz Zahlungsunfähigkeit einen Betrug gem. § 263 I begangen zu haben."
    • > wenn nicht fest steht,ob er diese Handlung überhaupt begangen hat, dann dies zuerst prüfen
    • - juristische Auslegungs- und Abgrenzungsfragen immer an das Gesetz bzw. gesetzliche Merkmale anknüpfen
    • -positiv und nicht negativ formulieren ("Der B handelte rechtswidrig" und nicht "Rechtfertigungsgründe sind nicht ersichtlich.")
  3. Wieso muss die Tathandlung genau bestimmt sein?
    Der Bezugspunkt von Vorsatz, Schuld (§§ 8,16,20 "bei Begehung der Tat", Simultanprinzip) und beim Versuch der des Tatentschlusses muss vorliegen
  4. Wie ist die strafrechtlich relevante Tathandlung zu definieren? Wann liegt keine Tathandlung vor? Wann ist die Abgrenzung problematisch?
    Wie kann die Tathandlung in der Klausur problematisch werden und wie ist dies einzubauen?
    • Strafrechtlich relevant ist nur ein menschliches, äußeres, vom Willen steuerbares Verhalt.
    • - juristische Personen sind nicht handlungsfähig, nur ihre Organe
    • - tierisches Verhalten, Naturereignisse ("Wegnahme des Grases durch Schafe" nicht möglich)
    • -bloß gedankliche Vorgänge (Absichten/Wünsche)
    • -Reflexe; Verhaltensweisen im Schlaf o. Bewusstlosigkeit; Verhalten durch unwiderstehliche Gewalt
    • Reflexe - Automatismen - Affekt- Kurzschlusshandlungen
    • "Vorprüfungen" vermeiden, sondern Prüfung direkt an ein Verhalten anknüpfen. Wenn die Tathandlung noch durch Prüfung eines Beweisergebnisses geprüft werden muss, soll dies nicht im OS unterstellt , sondern deutlich gemacht werden
    • Statt "Indem der B ...., könnte er sich einer ... gem. § .. hinreichend verdächtig gemacht haben."
    • So " Der B könnte hinreichend verdächtig sein, ...(Tathandlund) und dadurch einen ... gem. § ... begangen zu haben."
  5. Welche Folgen hat das Fehlen von Strafverfolungsvoraussetzungen und -hindernissen? Wo sind diese zu prüfen in der Anklageklausur und wo in der Urteils- oder Revisionsklausur?
    • -> Einstellung des Verfahrens gem. §§ 206a bzw. 260 III StPO
    • - zu prüfen im B-Gutachten (Anklage)
    • -"Freispruch vor Einstellun" wegen weitergehender Rechtskraft; es sei denn Anklage schon (-) oder anderes "Befassungsverbot"
    • - trotz Feststellung eines Verfahrenshindernis prüfen, ob mat. Vs. fehlen, denn in dem Fall FREISPRUCH
  6. Wann ist eine Handlung für einen Erfolg ursächlich ? Was ist bei der Prüfung generell zu beachten?
    Die Rspr. wendet die sog. Bedingungstheorie an. Danach ist jede Handlung für einen Erfolg ursächlich, die nicht hinweggedacht werden kann, ohne dass der Erfolg entfiele. Alle Bedingungen sind gleichwertig nach der Äquivalenztheorie.

    • -nur konkret eingetretenen Erfolg prüfen
    • -keine hypothetischen Kausalverläufe statt hinweggedachtem hinzudenken
  7. Welche Kauslitätsformen kennst du?
    • Unterbrechende Kausalität
    • Hinzutreten weiteren Handelns des Täters, Opfers oder eines Dritten unterbricht den Ursachenzusammenhang nur, wenn dieses Handeln nicht seinerseits durch das vorherige bedingt ist, sondern eine völlig neue Kausalreihe eröffnet.

    • Alternative Kausaliät
    • Von mehreren Bedingungen, die zwar alternativ, aber nicht kumulativ hinweggedacht werden können, ohne dass der Erfolg entfällt, ist jede kausal.

    • Kumulative Kausalität
    • Erst das Zusammenwirken mehrerer Handlungen verursacht den Erfolg. Beide Handlungen sind ursächlich.
  8. Was ist unter objektiven Strafbarkeitsbedingungen zu verstehen? Wo zu prüfen?
    Wo sind solche bspw. zu finden?
    • =Strafbarkeitsvoraussetzungen, die weder zum TB (weil sie kein Unrecht typisieren) noch zu Schuld (weil sie nicht die Vorwerfbarkeit der Tatbegehung betreffen) gehören. Deswegen muss Vorsatz nicht auf diese bezogen sein.
    • Grds. nach der Schuld zu prüfen. Wegen Arbeitsökonomie aber nach Tatbestand, vor RW.
    • -> auch objektive Bedingungen der Teilnehmerstrafbarkeit

    • § 186: Nichterweislichkeit der Wahrheit
    • § 231: Verursachung schwerer Tatfolgen
    • § 323a: Begehung einer rw Tat im Zustande des Vollrausches
    • § 113 III: Rechtmäßigkeit des Diensthandlung
Author
catitude
ID
333885
Card Set
Materielles Strafrecht Allgemeiner Teil Deliktsarten
Description
Alpmann Schmist S. 1-45
Updated