2. Semester: Flucht und Vertreibung im Umfeld des 2. Weltkriegs

  1. Umsiedlung = ?
    zielgerichtete Verlagerung von Siedlungsschwerpunkten größerer Gruppen (staatliche Zwangsmaßnahme)
  2. Flucht = ?
    Migration aufgrund von Kriegen o.ä. (-> Existenzängste)
  3. Vertreibung = ?
    • Durchsetzung u. Initiierung der Migration
    • (staatliche Zwangsmaßnahme)
    • -> NICHT gleichbedeutend mit Umsiedlung, da keine geplante Wiederansiedlung
  4. Evakuierung = ?
    • Öff. Aufforderung v. Regierungen, Bevölkerung soll Dörfer wegen (Kriegs-) Gefahr verlassen 
    • Theoretisch ist Rückkehr möglich 
  5. Deportation = ?
    • staatliche (räuml.) Verbringung von Menschen(-gruppen (Minderheiten)) in andere Gebiete
    • zu einem bestimmten praktischen Zweck (Zwangsarbeit, Vernichtung)
  6. Displaced Persons = ?
    • nicht an diesem Ort beheimatet
    • kriegsbedingt außerhalb des Heimatstaats
    • u.a. Zwangsarbeiter, Zwangsverschleppte
  7. Zwangsmigration = ?
    • Wanderungsbewegung durch Nötigung 
    • aus politischen, ethno-nationalen, rassistischen o. religiösen Gründen
  8. "Volksdeutsche" = ?
    • leben außerhalb des Dt. Reiches, haben keine dt. Staatsangehörigkeit, aber dt. "Volksangehörigkeit" 
    • ->zählen zur "arischen Rasse"
  9. Welcher Historiker fällt dir bei Migration ein?
    Oltmer
  10. Bedeutung für die Migrationsentscheidung (nach Oltmer) - Individuen / soz. Gruppen
    • Bessere Chancen/Bedingungen: Wohnen, Arbeiten, (Weiter-)Bildung
    • Wohlstand durch: Stabilisierung d. ökon. und soz. Lage
    • Arbeitswanderungen: Geldüberweisungen an zurückbleibende Familienmitglieder
    • Flucht vor Krisen, Kriegen
    • Zwangswanderungen
    • Flucht, Verfolgung
    • Vorraussetzung: Wissen/Information über das Zielgebiet
  11. Bedeutung für die Migrationsentscheidung (nach Oltmer) - Soziale Gruppen (gegenseitig)
    • Unterstützung & Sicherheit
    • Motivation zur Veränderung
    • Chancenwahrnehmung
    • Gegenseitiger Druck auf andere
    • Zwangswanderungen
    • Flucht, Verfolgung
  12. Bedeutung für die Migrationsentscheidung (nach Oltmer) - Staaten
    • kontrollierte Durchführung von Migration (positiv wie negativ)
    • ->auch gesetzlich durch Ab- und Zuzugsbeschränkungen
    • Begleiterscheinungen & Probleme können erkannt werden
    • Förderung von Gewerben
    • Zwangsmigration als Ergebnis von Kriegen
    • Maßnahmen gg. autoritäre Regime
  13. Welche Faktoren begünstigen die Zwangsmigration (20.Jh.)?
    • Verwaltung: zentral gelenkt, spezialisiert (Zugriff auf alle Landesteile & Bevölkerungsschichten)
    • Effizienter Polizei- und Militärapparat: Kontrolle
    • technische Voraussetzungen: Telekommunikation, Verkehrswesen
    • moderne Sozialwissenschaften: Experten (Statistik, Geographie etc.), Beobachtung, Beschreibung, Beeinflussung d. Bevölkerungsentwicklung -> Pläne für Umsiedlung
    • nationalstaatliches Denken: "jedem Volk ein Staat, jedem Staat ein Volk"
    • "ethnische" Kriterien (Sprache, Religion, "Abstammung")
  14. Was ist "nationalstaatliches Denken"?
    • "jedem Volk ein Staat, jedem Staat ein Volk"
    • "ethnische" Kriterien (Sprache, Religion, "Abstammung")
  15. Wonach strebt der "moderne Staat"?
    • nach ethnischer Homogenität (Einheitlichkeit)
    • -> "Entmischung" der Bevölkerung 
    • notfalls mit Gewalt
    • "ethnische Säuberung"
  16. Die nationalsozialistische Ideologie ist..
    ...pseudowissenschaftlich belegt
  17. Was belegte der Sozialdarwinismus?
    • Einteilung ethnischer Gruppen in Rassen
    • (Überlebens-)Kampf der Gruppen ("Rassen")
    • um Lebensraum & -entfaltung
    • Ideologische Grundvoraussetzung für Zwangsmigration im Umfeld des zweiten Weltkriegs
    • Druck durch stärkere "Rassen"
    • Keine friedliche Koexistenz
  18. Wer gehört nach den Nationalsozialisten zu der "Kuli- oder Fellachenrasse" und was zeichnet sie aus?
    • Überzahl der Bevölkerung
    • Farbige Menschen Asiens und Afrikas, Volkstum Russland
    • außerordentliche Fruchtbarkeit
    • Bedürfnislosigkeit, Unterwerfung, Zähigkeit
  19. Wer gehört nach den Nationalsozialisten zu den "Parasiten" und was zeichnet sie aus?
    • angeblich Einnisten durch Überlistung in bodenständigen Volkstümern
    • Beräubten ihnen die Selbstführung
    • geistige Zersetzung
    • brächten um Ertrag der Arbeit
    • Judentum
  20. Wer gehört nach den Nationalsozialisten zu der "Herren- oder Kriegerrasse" und was zeichnet sie aus?
    • offener Kampf
    • Wagemut
    • selbstbewusster Einsatz
    • stünden über den anderen Rassen
    • kulturschöpfend
    • staatenbildend
    • nordisch (Vorvolk deutsch)
    • Arbeits- und Wehrkraft
    • Technik und Wirtschaft
    • -> müsse reingehalten werden
  21. Was spricht der Nationalsozialismus der "arischen Rasse" zu?
    • müsse reingehalten werden
    • Geburtsrecht auf Macht und Boden 
    • -> Eroberung v. wirts. Zentren, Krieg im Osten
    • Vernichtung der "Parasiten"
    • Unterwerfung der slawischen "Rasse" (Zwangsarbeit)
  22. Wie rechtfertigen die Nationalsozialisten ihre Lebensraumideologie (Lebensraumgewinnung im Osten)?
    • "gebührender" dt. Boden (einstig dt. Land - Preußen)
    • ->rechtfertigt Gewalt
    • "germanische Mutter" habe die Welt kulturell geprägt
    • ->Deutschland als Weltmacht (stehe über anderen Völkern)
    • Bolschewismus - Russland stehe kurz vorm Zusammenbruch (russische Intelligenz)
    • ->bestätigte Richtigkeit der Rassentheorie
    • Lebensraumerweiterung, damit Dtl. Weltmacht, ansonsten Untergang eines "großen" Volks
  23. Widersprüche zw. Deutschland als Industriestaat und in den NS-Vorstellungen
    • Dtl. nach 1.WK hochentwickelt (technologisch, industriell)
    • -> primitive Vorstellung von Bauern als Ernährer des Landes veraltet
    • Landwirtschaft nicht mehr so verbreitet
    • Industrialisierte Gesellschaft kann sich nicht mehr ernähren
    • trotz multikulturellen Staaten Streben nach Homogenität
  24. Was für ein Denken könnte in der dt. Bevölkerung vorgehen? Welche Angst?
    • Grundangst: vor Überlegenheit d. slawischen Völker ("primitiv" -> überrennen)
    • ->gg. Slawen vorgehen, bevor diese Übermacht Dtl. überrennen könne
    • mehr Kinder gebären
    • biologisch in der Schule gelernt
  25. Wann wurde der "Deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt" geschlossen?
    23. August 1939
  26. Welche Vorteile brachte der Pakt für Stalin und Hitler?
    • Verbot von gegenseitigen kriegerischen Handlungen (gegenseitiger Frieden)
    • ->Neutralitätsversprechen, Sicherheit
    • Dtl. verhindert Zweifrontenkrieg 
    • Falls Angriff durch dritte Macht -> Unterstützung
    • Keine Verschwörung in Mächtegruppen
    • Landgewinn durch Aufteilung Polens 
    • ->politische Grundvoraussetzung für Zwangsmigrationen 2.WK
  27. Welche Folgen hatte der Pakt für den polnischen Staat?
    • zwischen 2 Mächten (vertraglich verbunden)
    • Zerstörung des neuenstandenen Nationalstaats (80.000km2
    • Vorbereitung des Polenfeldzugs (2.WK)
    • Zwangsmigration/-arbeit
    • Wirtschaftlicher Umschwung und evtl. Zusammenbruch
    • kein Streit mehr zw. Dtl. und UdSSR um Polen
    • ⇛Polen als Schachfigur
  28. Was sah der "Generalsiedlungsplan" vor?
    • Vertreibung oder Deportation von Polen
    • Umsiedlung von Deutschen ("Volksdeutschen") in die neuen Gebiete
  29. Welche Intention hatte der Generalsiedlungsplan?
    • Vorbereitung / Grundlage für die Besiedlung der Ostgebiete
    • ->Rechtfertigung
    • "Sammlung verlorenen dt. Volkstums"
  30. Was sind Eindeutschungsfähige?
    • Polnisch
    • "rassische", "arische" äußere Merkmale, Abstammung, Name
    • häuslich - Sauberkeit, Hausaufbau
    • dt. Besitzgegenstände, Aufzeichnungen
  31. Wann und von wem wurden die Benês-Dekrete erlassen?
    19.Mai 1945 durch den tschechischen Staatspräsidenten
  32. Was besagten die Benes-Dekrete?
    • Sudetendeutsche als "staatlich unzuverlässig"
    • ->Vertreibung aus der Tschechoslowakei
    • Aufteilung des Vermögens der Sudetendeutschen
    • Führte zu -> "wilde Vertreibungen
  33. Wann fand die Potsdamer Konferenz statt?
    17.Juli-2.August 1945
  34. Wer nahm an der Potsd. Konf. teil?
    "großen Drei" = USA (Truman), UdSSR (Stalin), UK (Churchill/Attlee)
  35. Was bestimmte die Pots. Konf.?
    • Verwaltung des besetzten Deutschlands
    • gleichmäßige Verteilung Deutscher auf die Besatzungszonen
    • "geordneter & humaner Transfer dt. Bevölkerungsteile" aus Polen, Ungarn etc. nach Deutschland (Umsiedlung, Ausweisung)
  36. Was für Probleme ergaben sich in der praktischen Umsetzung? (Potsd. Konf.)
    • Chaotische Planung 
    • Überfüllte Lager
    • mangelhafte Versorgung
    • Massentransporte
    • Brutalität
    • Teilweise Zwangsarbeit
  37. 26.1.1934
    Deutscher Nichtangriffs- und Freundschaftsvertrag mit Polen
  38. 18.6.1935
    Deutsch-britisches Flottenabkommen
  39. erster militärischer Eingriff
    7.3.1936: Deutscher Einmarsch in entmilitarisiertes Rheinland
  40. 16.4.1935
    Einführung der allgemeinen Wehrpflicht unter Bruch des Vertrages von Versaille
  41. Oktober/November 1936
    Deutsche Bündnisse mit Japan und Italien
  42. März 1938
    "Anschluss Österreichs
  43. 15.3.1939
    Einmarsch in Resttschechei
  44. 23.8.1939
    Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt
  45. ab 1.9.1939
    "Blitzfeldzug" gegen Polen (Ende September abgeschlossen)
  46. "Blitzfeldzug" gegen Polen
    1.9.- Ende September 1939
  47. Mai / Juni 1940
    Westfeldzug: Eroberung d. Benelux-Staaten und Frankreichs
  48. 22.6.1941
    Beginn des Angriffes auf die Sowjetunion
  49. Wie wird die USA in den Krieg hineingezogen?
    7.12.1941: Japanischer See- und Luftangriff auf den US-Flottenstützpunkt Pearl Harbor
  50. 11.12.1941
    Deutsche Kriegserklärung an die USA
  51. 1942
    Beginn massierter britischer und amerikanischer Luftangriffe auf deutsche Städte
  52. Januar 1943
    • Konferenz von Casablanca: Roosevelt und Churchill
    • alliiertes Kriegsziel: bedingungslose Kapitulation Deutschlands
  53. 31.-2.2.1942
    Kapitulation d. bei Stalingrad eingekesselten 6. Armee (Dt.Reich)
  54. 18.2.1943
    Goebbels Aufruf zum totalen Krieg
  55. 6.6.1944
    Alliierte Invasion in der Normandie
  56. September 1944
    Angloamerikanische Truppen erreichen deutsche Westgrenze
  57. Januar 1945
    Beginn d. sowjetischen Offensive auf deutsches Reichsgebiet
  58. 7.-9. Mai 1945
    Kapitulation der Deutschen Wehrmacht
  59. 30.4.1945
    Selbstmord Hitlers
  60. Befreiung Auschwitz
    27.Januar 1945
  61. Joseph Goebbels
    • (29.Okt.1897-1.Mai1945)
    • einflussreicher Politiker
    • einer der engsten Vertrauten Hitlers
    • Gauleiter von Berlin ab 1926
    • Reichspropagandaleiter ab 1930
    • Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda
    • Präsident der Reichskulturkammer
    • Lenkung von Presse, Rundfunk und Film sowie des sonstigen Kulturschaffens
  62. Heinrich Himmler
    • (7.Okt.1900-23.Mai1945
    • Schutzstaffel (SS)
    • Röhm-Putsch
    • Reichsführer SS
    • Chef der Deutschen Polizei
    • Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums (ab 1939)
    • Reichsinnenminister (ab 1943)
    • Befehlshaber des Ersatzheeres (ab 1944)
    • ->Kontrolle über die gesamte Polizei
    • die Kontrolle über die nationalsozialistischen Konzentrationslager
    • über den Inlandsgeheimdienst
    • den Aufbau militärischer
    • nicht direkt der Wehrmacht unterstehender Verbände (Waffen-SS)
    • ->nur von Hitler übertroffen (Position)
  63. Hermann Göring
    • Hermann Göring
    • Der Oberbefehlshaber
    • Niemand im Nazi-Staat hatte eine solche Machtfülle wie Reichsmarschall, Reichstagspräsident, Minister und Luftwaffen-Oberbefehlshaber Hermann Göring. Er ist mitverantwortlich für die Einrichtung erster Konzentrationslager und die Gründung der Gestapo.
  64. Himmler
    • Heinrich Himmler
    • Der Massenmörder
    • Als oberster Führer der SS und der Gestapo zählt Heinrich Himmler zu den Hauptverantwortlichen für den millionenfachen Mord an europäischen Juden, Sinti und Roma, für die systematische Repression von Oppositionellen sowie die Kriegsverbrechen der Waffen-SS.
  65. Goebbels
    • Joseph Goebbels
    • Der Lautsprecher
    • Reichspropagandaminister Joseph Goebbels war er die Stimme der Diktatur. Jeder kennt seine Frage: "Wollt Ihr den totalen Krieg?", die er einem fanatisierten Publikum in seiner berühmten Berliner-Sportpalast-Rede stellte. Außerdem war Goebbels verantwortlich für die "Gleichschaltung" der Medien.
  66. Eichmann
    • Adolf Eichmann
    • Der Bürokrat
    • Adolf Eichmann war für die Umsetzung der auf der Wannseekonferenz beschlossenen "Endlösung der Judenfrage" verantwortlich. Im Reichssicherheitshauptamt in Berlin organisierte er die Deportationen von Juden aus Deutschland und den besetzten Ländern in NS-Vernichtungslager.
  67. ab März 1942
    Arbeitseinsatz v. Ausländern zentral koordiniert
  68. Repatriierung?
    allgemein für Rückholung ins Mutterland
  69. Wie fand die "Rekrutierung" zur Zwangsarbeit statt?
    • Anfang 1940. polnische Kriegsgefangene & Zivilarbeiter werden "angeworben" ("Menschenjagd")
    • nach Siegen über Länder stand großes Arbeitskräftepotential zur Verfügung 
    • (Frankreich, Holland, Belgien, Norwegen)
    • Scheitern der Blitzkriegstrategie gg. UdSSR -> dt. Arbeitskräfte eingezogen
    • ab März 1942 Arbeitseinsatz v. Ausländern zentral koordiniert
    • Zivile Arbeitskräfte zwangsrekrutiert
  70. Wie war die Arbeit koordiniert?
    • lange Arbeitstage (17h)
    • körperlich extrem anstrengend
    • Routinearbeit 
    • strenge Überwachung
    • Strafen für kleinste Vergehen
  71. Wie waren die Zwangsarbeiter untergebracht?
    • Frauen- & Mädchenlager getrennt
    • Nationalitäten gekennzeichnet (z.B. auf Kleidung)
    • leben auf kleinem Raum
  72. Wie war die Versorgung?
    • geringe Nahrungsmittelrationen
    • Hunger
    • Mangel an Hygiene, Platz
    • Kranke durften nicht behandelt werden, isoliert
  73. Folgen
    Traumatisierung d. Zwangsarbeiter, Verzweiflung, Zorn, Erschöpfung, Depression, Tod
  74. Wie gingen die Deutschen mit Zwangsarbeitern um?
    • "Ausgeschlossenen" wurde Kontakt zu anderen Zwangsarbeitern verwehrt
    • öffentliche Strafen als Warnung für die anderen: dt. Frauen (geschlechtl. Kontakt mit Zwangsarbeitern) wurden öffentlich bloßgestellt, gedemütigt -> Haare abgeschnitten
  75. Hierarchien bzw. wie unterschiedlich wurde mit den Zwangsarbeitern je nach Herkunftsland umgegangen?
    • Italiener: privilegiert, keine großen Einschränkungen
    • germanische Völker: "belehrend" behandelt
    • nichtgermanische Verbündete: verständnisvoll empfangen, Gefühl vermitteln, dazuzugehören
    • Slawen: "Ostarbeiter", keine Arbeitsrechte, viele Verbote (z.B. in die Öffentlichkeit gehen, Bahn fahren), hart bestraft
    • Zwangsarbeiter, die sich in besetzten Gebieten nicht benommen haben -> Strafen
  76. Warum wurden ausländische Zwangsarbeiter eingesetzt?
    • ersetzten die Deutschen (die waren im Kriegsdienst)
    • kostenlose Arbeitskräfte
    • keinen Anspruch auf Arbeitsrechte
    • Firmen - beliebte Ziele für Bombenangriffe -> Einsatz "entbehrlicher" Arbeiter
  77. Wie viele ausländische Arbeitskräfte gibt es in der deutschen Wirtschaft?
    • Immer weniger deutsche Arbeitskräfte, immer mehr Zwangsarbeiter
    • ->Anzahl dt. Arbeitskr. sinkt über die Jahre
    • ab 1940 etwa 1/3 Kriegsgefangene
  78. Was bedeuteten die Zwangsarbeiter für die deutsche Wirtschaft während des Krieges?
    • 1/5 d. Arbeitskräfte waren Zwangsarbeiter
    • wurden an kriegswichtigen Arbeitsplätzen eingesetzt
    • dt. Wirtschaft wurde trotzdem stark geschädigt
    • dt. Wirtschaft fiel es trotzdem schwer, Armee ausreichend zu versorgen
  79. 1. Jahr 1939/40
    1,5 Mio. von sowjetischen Behörden deportiert
  80. 2. Jahr 1939/40
    0,5 Mio. ins Generalgouvernement vertrieben
  81. 1939-1944
    2,0 Mio. Deportation zur Zwangsarbeit ins Dt. Reich
  82. 1945-1947
    1,7 Mio. Aus UdSSR "repatriiert"/vertrieben
  83. 1945-1948
    1,5 Mio. Heimkehrer aus Deutschland und Österreich
  84. Nach 1945
    3,5 Mio. Polnische Umsiedlungskampagnen
  85. Welches Fazit lässt sich aus den polnischen Umsiedlungs- und Vertreibungsbewegungen ziehen?
    • nicht nur die Deutschen, sondern auch die UdSSR deportierte Polen
    • Große Lebensraum-/Gebietsverschiebungen
    • Gebietsverluste im Osten
    • Gebietszuwachs im Westen
    • Anstrengendes Leben, kein fester Wohnsitz?
    • Zwangsmigration
    • Heimatverlust
  86. Wie wurde für den Generalsiedlungsplan geworben?
    • rechtmäßig, Deutschland zugehörig (eroberte Gebiete)
    • Wiederaufbau Posens
    • Entschädigung
    • Druckmittel (Ausschluss aus der Volksgemeinschaft-> unangenehme Konsequenzen)
    • Schmeicheln, Lockmittel
    • ->"großer Bedarf an tüchtigen Leuten"
    • Versprechen, Aufstiegschancen
    • moralischer Druck - Einzelner nicht wichtiger als Volk
    • kein Hinweis auf praktische Durchführung
  87. Wie sah die "Realität" tatsächlich aus? (nach Frau Je)
    • "Aufbau Posens" nicht notwendig
    • fühlt sich nicht wie Eigentümer, eher als Verwalter
    • auf Hilfe der Polen angewiesen
    • fremd; Belastung für die Familie
    • Polen in Gegenwart d. Neusiedler vertrieben -> Mitleid
    • Heterogenität d. Nachbarschaft gewöhnt, verhielt sich dementsprechend -> war nicht gewollt
  88. Welches Fazit kann man aus dem Vergleich zwischen Theorie und Praxis des Generals.plans ziehen?
    • Lock- und Druckmittel verwendet
    • "Dienst am Volk" - moralischer Druck
    • Verschweigung der Durchführung der Umsetzung
    • " der Konsequenzen für die Einwohner
    • Konfrontation durch Unterdrückung d. neuen Nachbarschaft
    • ⇛ kann nicht funktionieren, da es sich um Menschen handelt, nicht um Spielfiguren
  89. Wer gehörte zur Wertungsgruppe I und was waren die Pläne mit ihnen?
    Deutsche: ausgesondert von anderen
  90. Wer gehörte zur Wertungsgruppe II und was waren die Pläne mit ihnen?
    • Eindeutschungsfähige
    • ausgesondert von anderen
    • Eindeutschung und Feinmusterung in Litzmannstadt
  91. Wer gehörte zur Wertungsgruppe III und IV und was waren die Pläne mit ihnen?
    • III: nicht eindeutschungsfähig
    • IV: nutzlos, gefährlich
    • Kinder, Menschen über 60, Kranke, Gebrechliche 
    • gemeinsam in "Rentendörfer"
    • verhungern lassen (Schicksal)
  92. Was sind "Rentendörfer"?
    dienten der Isolierung von Kindern, Alten, Arbeitsunfähigen, die so ohne ausreichende Lebensgrundlage einem "natürlichen" Hungertod ausgeliefert waren
  93. Wer gehörte zur Wertungsgruppe III (14-60 Jahre) und was waren die Pläne mit ihnen?
    • arbeitsfähig
    • zu "Arbeitseinsatz" im Reich vermittelt
    • Ersatz für noch im "kriegswichtigen Arbeitseinsatz" stehende Juden
  94. Wer gehörte zur Wertungsgruppe IV (14-60J.) und was waren die Pläne mit ihnen?
    Konzentrationslager Auschwitz (Deportation)
  95. Welchen Anteil hatten W. I+II an der Gesamtbevölkerung der Polen?
    5%
  96. Welchen Anteil hatte W. III an der Gesamtbevölkerung der Polen?
    74%
  97. Welchen Anteil hatte W. IV an der Gesamtbevölkerung der Polen?
    21%
  98. Worin muss man bei Flucht und Vertreibung der Deutschen (1945-1949) unterscheiden?
    • Flucht vor der Roten Armee: Flüchtlinge verlassen Heimat, Flucht vor nahendem Feind, suchen selbst ihren Weg
    • "Überführung deutscher Bevölkerungsteile" nach Deutschland: Vertriebene werden von der (neuen) Staatsmacht ausgewiesen
  99. Was war die Aufgabe der Behörden auf der Flucht?
    Organisation der Gegenwehr und Flucht
  100. Wer ist das Beispiel für die Flucht vor der Roten Armee?
    • Gräfin Dönhoff, Januar 1945
    • ostpreußische Heimat
  101. Was erlebte Gräfin Dönhoff?
    • versuchte mehrfach, Evakuierung d. Stadt zu planen 
    • -> von Behörden verboten (Spitzel deckten auf)
    • alle Männer dem Volkssturm anschließen (die noch nicht Teil der Wehrmacht waren) 
    • Telefonanruf plötzlich: Kreisstadt muss doch evakuiert werden
    • Örtliche Behörden versprechen, dass sie sich um alles kümmern
    • Dönhoff nimmt die Evakuierung selbst in die Hand 
    • kümmert sich um weitere Abläufe
  102. Ein Beispiel für Vertreibung?
    Familie Lange aus Neumark bei Breslau in Schlesien (heute Polen), Beginn Juni 1945
  103. Was erlebte Familie Lange?
    • (Familie besteht aus sieben Mitgliedern, Mutter führt Tagebuch)
    • 26.06.1945 um 5 Uhr räumen die Polen Neumark
    • Familie will in die Nähe von STuttgart
    • furchtbare physische Umstände
    • Grauenhafte hygienische Umstände
    • schlechtes, unregelmäßiges Essen
    • überfüllte Unterkünfte 
    • ->Entkräftung und Verwahrlosung
    • Ziellosigkeit, Enttäuschungen
    • Angst, einander zu verlieren
    • Angst vorm Bestohlenwerden
    • Siegermächte als hindernd empfunden (schlecht organisiert, abwertend)
    • kaum Hilfe von Seiten der Deutschen
    • erreichten am 28.7.1945 ihre Angehörigen
  104. Was erlebten Vertriebene häufig?
    • Schutzlosigkeit
    • den Besatzungsmitgliedern ausgeliefert
    • Ziellosigkeit
    • wissen nicht, was mit Angehörigen passiert
    • FIndet man die Angehörigen wieder?
  105. Was war das typische NS-Verständnis der Frau?
    • gehört nach Hause (Hausfrau)
    • -> Erziehung, Haushalt
    • Nachwuchs
    • nicht erwerbstätig
    • als Arbeitskraft in Wirtschaft entbehrlich
    • Abhängigkeit vom Ehemann
    • Mann untergeordnet
    • -> Passive Rolle
  106. Was war das typische NS-Verständnis des Mannes?
    • Versorger / Ernährer
    • Entscheider (Übergeordnete Position)
    • übernimmt Verantwortung
    • Beschützer
  107. Wie verändert sich die Frauenrolle in Kriegs- und Fluchtsituation?
    • Verantwortung übernehmen
    • Organisation der Flucht
    • "leisten Übermenschliches"
    • führend
    • -> aktive Rolle
  108. Wie verändert sich die Männerrolle in Kriegs- und Fluchtsituation?
    • abwesend -> bedeutungslos
    • können nicht helfen
    • gescheitert als Ernährer, Beschützer
    • schwach, hilflos
  109. Wie fühlen sich Frauen im Krieg?
    • OPFERROLLE
    • (Frauen Opfer männlicher Gewalt)
    • überfordert
    • ausgeliefert
    • schutzlos
    • machtlos
    • unterlegen, schwach, wehrlos
  110. Was bilden Männer häufig für Frauen im Krieg?
    • Hauptbedrohung
    • machthabend
    • brutal
    • rücksichtslos
  111. Welche FUnktionen hatten Vergewaltigungen als Kriegsführungsmethode?
    • Ausübung von Macht & Dominanz
    • Schüren von Angst vor dem Feind
    • Rache
    • Individ. Befriedigung
    • Entehrung & Demütigung (der indiv. Frau & des Feindes)
    • Zerstörung des „Wir-Gefühls“ des Feindes
  112. Was erwartete vergewaltigte Frauen nach dem Krieg?
    • Keine Entschädigung/ kein Mitgefühl
    • Keine Anerkennung als Kriegsgeschädigte
    • Heimgekehrte Ehemänner - keine Auseinandersetzung mit dem Schicksal der Frau – Reaktion mit Zorn
    • Auch Wehrmachtssoldaten haben vergewaltigt -> kein Schuldeingeständnis
    • Isolation & gesamter Ausschluss der Opfer
    • Keine Auseinandersetzung / Verschweigen des Themas
  113. Was sind Vertreibungserfahrungen von Frauen?
    • Veränderung der Geschlechterverhältnisse
    • Aktiv Handelnde
    • Wehrlosigkeit von Männern sexuell ausgenutzt
    • Vergewaltigung, Schutzlosigkeit, Demütigung, Ohnmacht, Traumatisierung
  114. Was sind Vertreibungserfahrungen von Kindern?
    • Zeit vor der Flucht beschönigt (in der Rekapitulation)
    • Meist keine Kenntnisse von Kriegs- und Vertreibungssituation
    • Überfordert, überrascht
    • Gewalterfahrungen und Todesangst
    • Ende der Kindheit
    • Einschneidende, traumatisierende Erfahrungen
  115. Was sind Vertreibungserfahrungen von Findelkindern / Wolfskindern?
    • Eigenverantwortung und Aufgaben übernehmen
    • Keine Rücksicht (Ängste, Bedürfnisse unbeachtet)
    • Konkurrenten um Güter und Rettungsmöglichkeiten
    • 33.000 Findelkinder (jeder 4. Dt. auf der Suche)
    • 5.000 müssen alleine überleben oder in Gruppen
    • Litauische Familien nehmen „Wolfskinder“ auf:
    • Arbeiten auf Bauernhöfen
    • Betteln
    • Bleiben oder kehren zurück
    • -> Flucht und Vertreibung veränderte und prägte das Leben
  116. Was sind DIsplaced Persons? In welcher Situation lebten sie?
    • Während des 2. Weltkriegs aus Herkunftsländern vertrieben oder zu Zwangsarbeit deportiert
    • Befreiung durch die Alliierten
    • Unterstanden Führsorge der Besatzungszonen
  117. Wie verhielten sich die Deutschen ggü. den DPs?
    • Vorurteile
    • Ablehnung (NS-Ideologie über die „Untermenschen“)
    • Angst -> Gerüchte von Plünderungen und gewalttätigen Ausschreitungen der DPs.
    • DPs als „Privilegierte unter der Obhut der Alliierten“ (der dt. Polizeihoheit enthoben)
    • Verdrängen und Verschweigen der Schicksale der DPs
  118. Wie wurde später in Deutschland über die Integration von Flüchtlingen nach dem 2.WK gedacht?
    • BDR "gelungene Integration"
    • Helmut Kohl: "Wir können stolz sein"
  119. Wie sah die Realität für Flüchtlinge und Vertriebene nach 1945 aus?
    • Vorurteile
    • Demütigung
    • Unverständnis
    • nicht willkommen
  120. Wo landeten die Flüchtlinge?
    • Bedingungen auf dem Land nach Krieg besser als in der Stadt -> Flüchtlingstrecks zogen dorthin
    • Einheimische nicht bereit, Unterkunft zu teilen
    • Auffang-, Flüchtlingslager oder provisorische Unterkünfte (viele auf engem Raum)
    • Lebensbedingungen: primitiv, menschenunwürdig
    • Hunger
  121. Haltung der Deutschen zu den Flüchtlingen
    • billigten schlechte Bedingungen wg. Ablehnung oder Gleichgültigkeit
    • nur wenige hilfsbereit
    • teilweise Isolation am Stadtrand
    • Ausschluss aus Kirchengottesdiensten
  122. Was verbesserte die Lage der Flüchtlinge?
    • Wirtschaftswunder d. 1950er und 60er Jahre
    • Geflüchtete und Vertriebene als qualifizierte Arbeitskräfte gebraucht
  123. Die Integration gilt als...
    • einer der Gründungsmythen der Bundesrepublik
    • Zwar wahrer Kern, aber beschönigt und vieles außer Acht gelassen
  124. Warum wurden Minderheiten verschoben?
    • Homogene Bevölkerung
    • Minderheitskonflikten entgehen
    • Herrschaft in eroberten Gebieten sichern & stabilisieren 
    • Politische Eliten: Machtverschiebung am Kriegsende als Chance
  125. Welche Folgen hatte der Krieg für Polen?
    • ca. 3 Mio. Juden (fast die ganze jüdische Bevölkerung) ermordet
    • 3 Mio. Soldaten & Zivilisten 
    • -> Opfer der Kampfhandlungen
    • Ca. 3,5 Mio. Zwangsarbeitskräfte, KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene
    • Verschiebung von Polen 200km nach Westen
  126. Was entschied die Potsdamer Konferenz in Bezug auf Polen?
    • UdSSR soll Ostgebiete Polens bekommen
    • Polen soll nach Westen verschoben werden
    • Deutsche sollen aus Polen vertrieben werden
    • Polen gewinnt im Westen Deutsches Territorium
    • dennoch 80.000 km2 Gebietsverlust
    • neue polnische Regierung v. UdSSR abhängig
    • Polen kommunistisch
    • "Satellitenstaat" -> Pufferzone
  127. Welche Humanitäre Bedeutung hatte die Verschiebung?
    • Umsiedlung -> Zwangsmigration
    • Vertreibung, Deportation -> Zwangsmigration
    • Zwangsarbeit -> Zwangsmigration
    • Heimkehr nach 1945 -> Folge der Zwangsmigration, evtl. nicht mehr Heimat
    • Repatriierung -> Zwangsmigration
  128. "Verschiebebahnhof Europa" Welche Verschiebungen?
    • 1939/40 viele aus sowj., ostpoln. Gebieten vertrieben
    • seit 1944 - 2 Mio. Polen ziehen nach Westen durch Verträge der UdSSR
    • (dt. Bevölkerung gerade geflohen o. vertrieben)
    • Ukrainer, Weißrussen, Litauer -> UdSSR
    • konfisziertes Land schnell besiedelt (1947 mehr als 5 Mio.)
  129. Probleme der Verschiebung für die Bevölkerung
    • Infrastruktur größtenteils zerstört
    • Umsiedlungen -> Transportkapazitäten gering
    • Lebensmittelversorgung prekär
    • Organisation häufig unklar
    • Plötzliche Verschiebungen: Besitz zurücklassen, ungewisses Ziel
    • Wochen, Monate Wartezeit für Umsiedler
  130. Was für einen Zwangscharakter hatte die Verschiebung / Umsiedlung?
    • Steuerlasten
    • Plünderungen
    • Inhaftierungen, polizeilicher Druck
    • Abgabe des Eigentums
  131. Tschechoslowakei nach dem Krieg
    • „Bevölkerungsaustausch“: Slowaken, Tschechen aus Rumänien, Ungarn, UdSSR usw. in die Tschechoslowakei und Ukrainer in die UdSSR
    • Ansiedlung im Sudetenland (Dt. vertrieben) im Herbst 1945: vom Staat organisiert (Verteilung des Besitzes)
    • Qualifikationen für Landwirtschaft fehlte häufig -> zogen in die Städte
    • Bevölkerungszuwachs
  132. Was bewirkt der "Verschiebebahnhof" auf Europa?
    • Bevölkerungszusammensetzung in Europa ändert sich
    • ->Nähert sich dem Grad der ethnischen Homogenität (geplant)
    • Minderheiten haben nur noch ein geringeres Gewicht in Bezug auf die Gesamtbevölkerung,
    • z.B. in Polen von einem Anteil von ca. 33% zu 3% der Gesamtbevölkerung
  133. "Repatrianten"
    • 1945-1947
    • Umsiedler
    • Polen in neuen Westgebieten angesiedelt
  134. Remigranten
    Heimkehrer

    von Zwangsarbeit, Kriegsgefangenschaft
  135. "re"
    • =zurück, wieder
    • problematisch, da sie nicht zurückkehrten, sondern in neuen Gebieten lebten
Author
nelema
ID
331450
Card Set
2. Semester: Flucht und Vertreibung im Umfeld des 2. Weltkriegs
Description
Flucht und Vertreibung im Umfeld des 2. Weltkriegs
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