EV1. neuropathischer Schmerz

  1. Nozirezeptoren und deren klassifiaktion
    • es gibt drei typen von nozirez, sind freie nervendigungen. übersetzen reize in elektrischen impulse. entweder nur schmerz oder gemischt auch auf temp reagieren. schmerz-rezeptoren werden erregt durch thermische, chemische oder mechanische reize. fasertypen:
    • • A𝞪- fasern (myelinisiert): durchmesser 15 𝞵m. 100m/s, primäre muskelspindelafferenzen, motorisch zu skelettmuskeln
    • • A𝞫-fasern, 8 𝞵m, 50 m/s, hautafferenzen für berührung und druck
    • • A𝞬-fasern, 5 𝞵m, 20 m/s, motorisch zu muskelspindeln
    • • A𝞭-fasern, <3 𝞵m, 15m/s, hautafferenzen für temperatur und nozizeption
    • • B-f, dünn myleninisiert, 3𝞵m, 15 m/s, sympathisch präganglionär
    • • C-f (unmyelinisiert), 1𝞵m, 1 m/s, hautafferenzen für nozizeption, sympathische postganglionäre efferenzen (aufgaben im sympathischen NS)
    • ab Adelta-fasern: small fibers: somatisch und autonom
  2. Sensible afferenzen
    • unterscheidet epikritische: oberflächliche, feine, lageempfindung tiefesensibilität (bewusst), vibration, tastsinn, berührung, von protopathischer sensibilität -> grobwahrnehmung: schmerzwahrnehmung, temperaturw. und mechanorezeption. epikritische: über hinterwurzel in rückenmark, ipsilateral zentrale richtung und erst oben verschaltet.
    • protopathische: hinterwurzel, verschaltungen nach oben und unten auf spinaler ebene. schmerzen hinterhorn der grauen substanz und dann sofort auf die gegenseite. schmerzbahnen und temperaturbahnen gehen parallel. kann also temp testen und bekommt die gleichen infos wie bei testung des schmerz
  3. anatomie der schmerzbahnen
    im spinalganglion befindet sich der pseudo-unipolare zellkörper. im hinterhorn des rückenmarks wird es auf das 2. neuron umgeschaltet. dort befindet sich auch das perikaryon des 2. neurons. zieht nach zentral. zu verschiedenen zentren, wie dem hirnstamm, zum thalamus (posterolateralen). dort iwrd es umgeschaltet auf das 3. neuron. dieses zieht dann zum cortex (homunculus). andere werden im anterioren thalamus umgeschaltet und ziehen dann ins limbische system. schmerz wird dort emotional bewertet. zb der tractus thalamo-cingularis zieht zum gyrus cinguli.
  4. sensible afferenzen des gesichtes
    besonders gesicht: n trigeminus: hat 3 hauptnerven. entsprechen spinalnerven, haben perikaryon im sensiblen ganglion. von dort eine umschaltung im hirnstamm und dann leitung nach proximal. eine der äste lediert und es kommt zum ausfall. die zentrale representation ist anders. zwiebelschallen konfiguration. schmerzfasern aus dem zentrum des gesicht, werden im rostralen teil umgeschaltet. die 2. schicht weiter kaudal umgschaltet. äusserste teil am meisten kaudal umgeschaltet. -> ncl spinalis n. trigemini: pars oralis, pars interpolaris und dann pars caudalis. anders als peripher eine läsion. im thalamus auch ein anderes gebiet für die umschaltung.
  5. systematik afferenter sensibler bahnen
    rezeptor-art: chemo-, mechano-, thermo-, pruri- und schmerzrezeptoren -> rezeptor-ort: haut, muskeln, sehnen, gelenken, faszien -> neuron 1: peripherer nerv, plexus, spinalnerv -> umschaltung 1: rückenmark -> neuron 2: zentrale bahn -> umschaltung 2: thalamus -> neuron 3: zentrale bahn -> wahrnehmung: cortex, limbisches system
  6. sensible efferenz
    gate control: gibt auch eine efferenz im schmerzsystem. eine hemmung. vom hirnstamm runter ins rückenmark und beeinflussen dort das 2. neuron. -> filtern/bremsen was hoch kommt. peri-aquäduktales grau. diese deszidierenden, ihnibierenden bahnen werden im höhlengrau umgeschaltet. von den raphekernen und locus coeruleus ziehen absteigende serotonerge bzw noradrenerge fasern im dorsalen seitenstrang nach caudal.
  7. hyperalgasie
    ein schmerzhafter reiz wird verstärkt wahrgenommen
  8. allodynie
    ein normalerweise nicht schmerzhafter reiz wird schmerzhaft wahrgenommen. zb die berührung eines sonnenbrandes.
  9. nozizeptiver schmerz
    durch reizung von nozizeptoren, das somatosensorische system ist dabei intakt zb rhematoide arthritis. ist den neurpathischen schmerzen entgegengesetzt. meist der physiologische schmerz.
  10. neuralgie
    • • funktion intakt
    • • ist schmerzhaft
    • • schmerzen im sensiblen innervationsgebiet
    • • nervenreizung
    • • schmerzen typischerweise elektrisch, einschiessend
    • • kurz repetitiv
  11. neuropathie
    • • funktion nicht intakt
    • • kann schmerzhaft sein
    • • schmerzen im sensiblen innervationsgebiet (zu beginn)
    • • nervenläsion
    • • schmerzen typischerweise brennend
    • • anhaltend, mit spitzen
  12. definition schmerz
    schmerz ist ein unangenehmes sinnes- oder gefühlserlebnis, das mit tatsächlicher oder potenzieller gewebeschdigung einhergeht oder von betroffenen personen so beschrieben wird, als wäre eine solche gewebeschädigung die ursache.
  13. definition neuropathischer schmerz
    = schmerz, der durch läsion oder eine erkrankung des somatosensorischen systems verursacht ist. beschädigung der ganzen schmerzbahn.
  14. pathogenese neuropathischer schmerz
    ausbildung einer ektopischen aktivität (beginnen AP zu generieren, obwohl periphere nozizeptoren nicht aktiviert sind) in nozizeptiven afferenzen als folge biochemischer, morphologischer und teilweiser genetischer veränderungen. durch die läsion werden plastische veränderungen im peripheren und zentralen nervensystem induziert (erinnerungen, schmerzbahnung).
  15. pathogenese der schädigung der schmerzafferenz
    • • Mechanisch
    • o kompressiv, zb CTS, diskushernie
    • o traumatisch, zb nervenwurzelausriss, phantomschmerzen
    • • metabolisch zb diabetes
    • • toxisch zb chemotherapie
    • • vaskulär
    • o ischämisch, zb myelon-ischämie
    • o hämorrhagisch, zb thalamus-blutung
    • • entzündlich
    • o autoimmun-entzündlich, zb guillain-barré-syndrom, multiple sklerose
    • o infektiös-entzündlich, zb herpes zoster, borreliose
    • • degenerativ zb m. parkinson (schmerzwahrnehmung wird verändert)
  16. charakteristika neuropathischer schmerz
    • • typischerweise brennend, lanzinierend
    • • allodynie (gesteigerte schmerzempfindung), hyperalgesie; hypästhesie (bis anaesthesia dolorosa) oder parästhesien (nerv funktioniert nicht aber hat doch schmerzen); mechanosensibilität (lasègue, hoffmann-tinel (auf nerv klopfen und schmerz auslösen)
    • • spontanschmerz und dauerschmerz
    • • läsion im zentralen oder peripheren nervensystem
    • • im innervationsgebiet eines oder mehrerer nerven bzw ins ZNS lokalisierbar
  17. schmerzmuster peripher
    • • postherpetic neuropathy: postzoster neuropathie, abgeheilt aber dermatom bleibt schmerzhaft
    • • peripheral nerve injury pain: distal von der verletzung
    • • post-amputation pain
    • • painful polyneuropathy: längenabhängige verteilung, meist in den füssen schmerzen, kann aber auch zu den händen wandern
    • • painfulf radiculopathy: in the innervation territory of the affected nerve root
  18. schmerzmuster zentral:
    • • neuropathic patin associated with spinal cord injury: at and/or below the level oft he spinal cord lesion
    • • central post-stroke pain: schmerzhaftes hemisyndrom
    • • central neuropathic pais associated with mulitple sclerosis: combined distributions of those obeserved in spinal cord injury and stroke
  19. ursachen von neuropathischen schmerzen
    • • längenabhängig (socken-/handschuh-förmig), zb schmerzhafte polyneuropathie (zb chemotherapie, diabetes)
    • • monoradikulär, zb schmerzhafte lumbale oder zervikale radikulopathie, herpes zoster, trauma, diabetes
    • • querschnittssyndrom, zb trauma, myelitis
    • • hemisyndrom, zb thalamus-ischämie
    • • fokal (mononeuropathisch oder mononeuropathia mulitplex), zb nervenverletzung, ischämisch
    • • generalisiert, zb hereditäre erythromelagie (SCN9A-mutation) -> sehr selten, kanalmutation
  20. pathopysiologie neuropathischer schmerz
    • verschiedene pathogenesen führen zu veränderung elektrischer eigenschaften von nerven (ionenkanal-expression und –funktion)
    • • ektope aktivität in schmerzbahnen (1. neuron): hochregulation (mehr eingebaut) von Na-, Ca-kanälen
    • • disinhibition/fazilitation auf ebene 2. neuron im hinterhorn: hochregulation NMDA-, AMPA-rezeptoren; verlust GABA-erger interneurone
    • • dysfunktion deszendierender schmerzhemmender bahnen: noradrenalin, serotonin
    • gain of function zentraler bahnen (mehr von den schmerzreizen kommen hoch), hyperexzitabilität (übererregbarkeit des ZNS), zentrale sensibilierung (kortex und limbisches system), schmerzgedächtnis, psychische komorbidität (limbisches system), chronifizierung
  21. medikamentöse therapie bei neuropathischen schmerzen
    • • antikonvulsiva mit wirkung auf neuronale kalziumkanäle (zb gabapentin, pregabalin) -> ca bremsen
    • • antikonvulsiva mit wirkung auf neuronale natriumkanäle (zb carbamazepin)
    • • antidepressiva (tri-/tetrazyklische antidepressiva, selektive serotonin-noradrenalin-wiederaufnahmehemmer (SSNRI)) -> deszendierendes, inhibitorisches system stärken, gate-control aktivieren
    • • lang wirksame opioide
    • • tapentadol (opioid plus noradrenalin-wiederaufnahmehemmer)
    • • topische therapeutika (lidocain-pflaster, capsaicin-hochdosis-pflaster) -> schmerzfasern erschöpfen und system runterregulieren
    • • kombinationen!
  22. nicht-medikamentöse therapie bei neuropathischen schmerzen
    • • zb TENS, sport, entspannungstechniken, komplementärmedizin,...
    • • physio- und ergotherapie
    • • psychotherapie (bio-psycho-sozialer ansatz), va kognitive verhaltenstherapie. schmerzverständnis, umgang mit schmerz
    • • neurostimulation, botulinumtoxin (?), infiltrationen
Author
catfood
ID
330113
Card Set
EV1. neuropathischer Schmerz
Description
EV1, block 8
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