Allgemeine Psychologie 3

  1. Definition Lernen
    Lernen ist ein individueller Prozess, der zu relativ stabilen Veränderungen im Verhalten und Erleben führt
  2. Aspekte des Lernens
    • 1. Veränderung gegenüber früheren Verhaltensformen/ Organismuszuständen (Verbesserung oder Verschlechterung)
    • 2. individueller Vorgang (gebunden an Informationsaufnahme und -Verarbeitung)
    • 3. auf Umwelt bezogen
    • 4. vermittelter Prozess (abhängig von Sinnen, Gehirnleistung und Wissen)
    • 5. bezogen auf Dinge, die eine andauernde Veränderung darstellen

    • --> hypothetisches Konstrukt --> aus verändertem Verhalten erschließbar
    • nicht jede Veränderung ist lernen

    Lernen (exogen, individualspezifische Leistung, sozial und inhaltlich determiniert) vs Reifung (Voraussetzung für Lernen, endogen mit exogener Bedingung, gattungsspezifisch/universell, biologische Funktion)
  3. Hauptformen des Lernens
    • a) nach Kontiguitätsprinzip (S-R Ansatz in raum zeitlicher Nähe, Pawlow, Setschenow)
    • b) Verstärkerprinzip (Skinner, Folgen)
    • c) sozial, kognitive Grundlage (Bandura, Köhler; Reize werden in Abhängigkeit von Informationen, die diese Reize tragen und subjektiven Bedeutungen und Erwartungen, bewertet
  4. Systematik von Lernarten
    • lernen nach hierarchischen Systemen (biologische/genetische Reifung)
    • phänomenaler Art (Lernsubjekte, -objekte)

    • Einteilung im Sinne entwicklungsgeschichtlicher Niveaustufen:
    • 1. Habituation (einfachste Form)
    • 2. klassische Konditionierung (Sonderform Prägungslernen)
    • 3. operantes/instrumentelles Lernen (bedingte Aktion - Sonderform Trial and error)
    • 4. Beobachtungs- Einsichtslernen
    • (Lernen am Modell)
  5. Mowrer - Einteilung nach Lerninhalten
    Lerntyp I: Kenntnisse und Fertigkeiten, ZNS, Effektgesetze/Verstärkungsprinzip, Übertragung nur auf sehr ähnliches, bei Emotionen ist ZNS entscheidend

    Lerntyp II: Einstellungen, Haltungen, Persönlichkeitseigenschaften, autonomes Nervensystem ANS, Kontiguitätsprinzip, Bekräftigung weniger bedeutsam, flacher Gerneralsierungsgrad, Emotionen eher beteiligt
  6. polare Lernarten
    • explizit vs implizit
    • verbal vs anschaulich/bildhaft
    • Reihen vs ungeordnet
    • meachnisch vs sinnvoll
    • Trial und error vs einsichtig
    • absichtsvoll vs unbeabsichtigt
    • noetisch/mental vs sneumotorisch
    • verteilt/fraktioniert vs gehäuft/massiert
  7. explizit vs implizites Lernen
    • Lernen - explizit (Bsp. Grammatik lernen)/ Wissen als Gedächtnisinhalt
    • a) Lerngegenstandsbezogene Lernintention/-Volition
    • b) Lerngegenstand ist bewusst/ bewusstseinsfähiges Wissen, aussagbar
    • c) Lerngegenstandsbezogene Einprägungs/-und Übungsaktivität/ wird im Handeln umgesetzt

    • Lernen - implizit (z.B. Grammatiknutzung)/ Wissen als Gedächtnisinhalt
    • a) keine Lernintention
    • b) Lerngegenstand nicht bewusst / Wissen nicht bewusstseinspflichtig, nicht aussagbar
    • c) keine Einprägungs-/Übungsaktivität/ Wissen ist handlungswirksam

    durch Automatisierung vom explizitem Lernen zum impliziten Wissen
  8. Kontiguitäts- (Assoziations-) Theorien - Schulen
    • physiologische Schulen/ Pawlow - Reflexiologie
    • klassische assoziationspsychologie/ Müller, Ebbinghaus, Pilzecker
    • behavioristische Schulen/ Skinner, Guthrie, Watson
  9. Klassische Konditionierung - Kontiguitätsprinzip
    Kontiguitätsprinzip=wenn zwei Bewusstseinsinhalte gleichzeitig oder unmittelbar nacheinander im Bewusstsein auftreten, ein Inhalt tendenziell die übrigen Inhalte auslöst

    - Gedächtnisinhalte rufen andere hervor: Gesetz der Ähnlichkeit (Zitrone-Orange), Kontrast (Licht-Schatten), räumlich-zeitliche Nähe (Blitz-Donner)

    Prinzip verkürzt Lernen auf Reiz-Reaktions-Verknüpfungen und die Koexistenz bzw Zusammenfallen von Bewusstseinsinhalten (keine Rolle von mentalen, emotionalen, motivationalen Aspekten)
  10. Lernphasen - Konditionieren 1. Ordnung
    1. Voraussetzungsprüfung (UCS -->UCR) - keine angeborene Reaktion durch neutralen Reiz

    2. Lernphase (NS --> keine Reaktion)- neutraler Reiz darf selbst keinen Einfluss haben & wird mit unbedingten Reiz gekoppelt (Assoziation --> unbedingte Reaktion), durch Wiederholung kommt es zum lernen

    3. Kann-Phase - bedingte Reaktion, Koppelung der mentalen Repräsentation des neutralen Reizes mit mentaler Repräsentation

    durch wiederholtes gemeinsames Auftreten wird neutraler Reiz mit anderem Reiz assoziert

    Zuwendungs- und Abwendungsreaktion
  11. Klassisches Konditionieren - Einflüsse/Vorraussetzungen
    • 1. Anzahl Wiederholungen (besser mehr, höher entwickelte Lebewesen)
    • 2. Zeit zwischen neutralen Reiz und dem unbedingten/angeborenen Reiz (500 MS davor am besten)
    • 3. Art des Reizes
  12. Phänomene klassisches Konditionieren
    • abhängig von Lebensbedeutsamkeit und Wahrscheinlichkeit vom auftretenden Reiz (bei hoch Generalisation, niedrig Diskrimination)
    • Generalisation (erlernte Reaktion kann auch bei schwächeren Reizen aktiviert werden, je unähnlicher Reiz, desto schwächer Reaktion)
    • Diskrimination (Einengung auf eingegrenzten Stimulus)
  13. Gesetz der negativen Induktion
    Erklärungsversuch für Auftreten von Diskrimination und Generalisation

    Bei Übererregung im Gehirn - Hemmung der Region

    bei sehr ähnlichen Reize --> evtl nervöse Störungen --> Lernmechanismus für Erlebens- und Verhaltensstörungen
  14. Konditionieren höherer Ordnung - bedingte Verbindung unterschiedlicher Qualität
    zwei neutrale Reize werden verknüpft, es kommt zu UCR --> Anzahl Ordnungen

    • Tiere: bis zu 3. Ordnung
    • Kleinkinder: 7. Stufe (für soziale Lernprozesse entscheidend)
    • Extinktion durch fehlende Verbindungen
    • Mensch - Löschungsresistenz (Trauma): wenn bedingte Reaktion sehr intensiv - Widerstand gegen Löschung - Mischung aus starkem physischem, kognitivem, emotionalem Aspekt
  15. Formen bedingter Reaktion
    a) voreilendes Konditionieren (verzögertes) - der bedingte Reiz beginnt vor unbedingten und läuft während UCS mit - antizipierendes Reagieren möglich - EEG, Erwartung entsteht

    b) Sonderfall der Voreilung: Spurenkonditionierung - je länger Intervall desto länger Lernphase und mehr Wiederholungen - bedingt vor unbedingtem Reiz

    c) verspätetes Konditionieren - bedingt nach unbedingt - Lernen sehr schwierig, da die zeitliche Nähe fehlt
  16. Entstehung der Stimulus-Response-Verknüpfungen
    • 1. Alles oder nichts Prinzip/ Guthrie: einmaliges Vorkommen von Reiz-Reaktion etabliert bereits stabile Verbindung
    • 2. Postremitätsprinzip: nach Lernphase, Reihenfolge der Assoziation ist für Stärke dieser und Lernerfolg bedeutsam
    • 3. Perservationsprinzip / Müller&Pilzegger: Assoziationen überdauern und können unerwartet erneut ins Bewusstsein treten
    • 4. Häufigkeitsgesetz/ Watson: Assoziationsstärke ist eine Funktion der Häufigkeit des Auftretens - nimmt zu
    • 5. Wiederholungsgesetz/ Lipman: mehr Wiederholungen - mehr Lerneffekt, Wiederholungswert nimmt mit jeder Wh ab
    • 6. Geläufigkeitsgesetz/ Marbe: je geläufiger, desto kürzer die Zeit der Reproduktion
    • 7. Ribotsches Gesetz/ 2. Jostsche Satz: Gedächtnis/ Lerninhalte werden in umgekehrter Lernreihenfolge abgebaut
    • 8. Erster Jostsche Satz: wenn Assoziationen gleich stark, hat für die ältere eine Neuwh den größten Wert (lässt sich am besten reproduzieren)
    • 9. Ebbinghaus`sche Vergessenskurve: Assoziationsstärke sinkt exponentiell mit Behaltensdauer, je länger Behaltensintervall dest mehr WH und Zeit, Behaltenskurve -20 min 60%; 60 min 46%, 9 h 38%
  17. Assoziationspsychologisches Hemmungsgesetz
    beschreibt die Erkenntnisse übers Nicht erinnern

    • Vergessen= aktiver Prozess
    • Einprägen von Assoziationen wirkt auf entstehen neuer --> Hemmung
  18. Proaktive und retroaktive Hemmungen
    • proaktive Hemmungen
    • a) assoziative Hemmung: ein assoziiertes Item ist schwerer zu verbinden, als eines das nicht assoziiert ist, neulernen tw leichter als umleren, Restorff Effekt - wenn ein Item hervorsticht gilt Gesetz nicht (Umkehreffekt)
    • b) ekphorische Hemmung: (Abrufhemmung) Erinnern benötigt Energie, wenn diese fehlt temporär kein Abruf und keine Reproduktion

    • retroaktive Hemmungen
    • a) rückwirkend: Vorgänge nach lernen, bestimmen ob wir uns Inhalte einprägen, am besten nach lernen andere Tätigkeit/Untätigkeit, im ZNS durch Informationsaufnahme "Spuren", diese brauchen Festigung, je weniger Störungen in Festigungsphase (postmentale Phase), desto leichter merken wir uns. Gesetzmäßigkeiten: je früher Störung, ähnlicher Einprägungsaktivität, desto schlechter Behalten
    • b) affektiv: Gefühle stören postmentale Phase
  19. Statistische Assoziationstheorien
    Stimulus-Auswahl-Theorie (Kontiguitätstheorie)
Author
voglbeer1
ID
327266
Card Set
Allgemeine Psychologie 3
Description
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